
Die Grippe-Impfquote in Westfalen-Lippe hat im Jahr 2023 einen besorgniserregenden Tiefststand erreicht. Lediglich 10,1 % der AOK-Versicherten ließen sich gegen Influenza impfen – der niedrigste Wert seit über einem Jahrzehnt. Besonders gefährdete Gruppen wie ältere und chronisch kranke Menschen werden dazu aufgerufen, die Impfung in Anspruch zu nehmen, um sich vor schwerwiegenden Krankheitsverläufen zu schützen.
Im Jahr 2014 lag die Impfquote in Westfalen-Lippe noch bei 13,8 %. Während der Coronapandemie 2020 stieg sie auf ihren Höchststand von 15,2 %, da viele Menschen das Risiko einer Doppelinfektion mit Covid-19 und Influenza fürchteten. Seither ist die Impfbereitschaft kontinuierlich gesunken. AOK-Vorstand Tom Ackermann beschreibt den aktuellen Rückgang als alarmierend. „Noch nie in den letzten zehn Jahren waren so wenige Menschen bereit, sich gegen Grippe impfen zu lassen wie 2023“, so Ackermann. Dabei ist die Impfung ein zentraler Baustein, um schwerwiegende Komplikationen wie Lungenentzündungen, Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu vermeiden.
Menschen über 60 Jahre zeigen im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen eine größere Bereitschaft zur Impfung. Im Jahr 2023 lag die Impfquote dieser Gruppe bei 27,6 %. Dennoch ist auch hier ein deutlicher Rückgang zu beobachten: 2014 nutzten noch 34,8 % der Über-60-Jährigen die Möglichkeit der Grippeschutzimpfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung besonders für Menschen ab 60 Jahren, da ihr Immunsystem anfälliger für schwere Krankheitsverläufe ist.
Bei jungen Erwachsenen und Menschen unter 60 Jahren ist die Impfquote besonders niedrig. Nur 4,1 % der AOK-Versicherten in dieser Altersgruppe griffen 2023 auf die Grippeschutzimpfung zurück. Viele vertrauen auf die eigenen Abwehrkräfte ihres Körpers, doch auch bei jüngeren Menschen können schwere Krankheitsverläufe auftreten. Die AOK NordWest betont, dass die Impfung auch für gesunde Erwachsene eine wichtige Präventivmaßnahme darstellt.
Die Grippewelle erreicht ihren Höhepunkt meist nach dem Jahreswechsel. Doch die Fallzahlen steigen häufig schon ab dem Herbst. Die optimale Zeit für eine Impfung liegt zwischen Oktober und Mitte Dezember, da der Impfschutz etwa zehn bis 14 Tage benötigt, um vollständig wirksam zu sein. Da sich Grippeviren stetig verändern, wird der Impfstoff jedes Jahr angepasst. Für einen effektiven Schutz vor der aktuellen Virusvariante ist eine jährliche Auffrischung notwendig.
Die Virusgrippe (Influenza) unterscheidet sich deutlich von einem grippalen Infekt. Während ein grippaler Infekt mit milden Symptomen wie Husten und Schnupfen einhergeht, verursacht die Grippe oft schwerwiegendere Beschwerden. Hohe Fieberwerte, Muskelschmerzen und trockener Reizhusten sind typische Symptome. Influenza kann bei Risikogruppen zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen, weshalb eine rechtzeitige Impfung essenziell ist.