Wechsel an der Uni-Spitze: Menzel-Riedl wird neue Rektorin in Münster

An der Uni Münster steht ein richtungsweisender Wechsel bevor: Die Hochschulwahlversammlung hat entschieden, wer die größte Universität Westfalens ab 2026 führen soll – und die Wahl fiel überraschend deutlich aus. Mit Susanne Menzel-Riedl übernimmt eine bundesweit vernetzte Wissenschaftsmanagerin das Rektorat, während die Amtszeit von Johannes Wessels planmäßig endet. Hinter der Entscheidung liegt ein intensiver Auswahlprozess und eine klare Empfehlung der Findungskommission. Was die Wahl bedeutet und welche Schwerpunkte die neue Rektorin setzt, liest du im Artikel.
Foto: Uni Münster - Michael C. Möller

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Münster. Die Universität Münster bekommt eine neue Leitung: Die Hochschulwahlversammlung hat am Freitag Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl mit 23 von 28 Stimmen zur künftigen Rektorin gewählt. Die derzeitige Präsidentin der Universität Osnabrück tritt das Amt am 1. Oktober 2026 an. Mit der Entscheidung endet die Amtszeit des bisherigen Rektors planmäßig am 30. September 2026. Zwar hatte Johannes Wessels Interesse an einer weiteren Amtszeit signalisiert, doch die Findungskommission sprach sich für eine andere Personalempfehlung aus, der die Versammlung schließlich folgte. Dadurch ist der Übergang an der Spitze der Universität frühzeitig geregelt und institutionell abgesichert.

Die Abstimmung fand in der Aula des Schlosses statt und vereinte insgesamt 28 stimmberechtigte Mitglieder: die gewählten Senatsmitglieder sowie externe Mitglieder des Hochschulrats. Vorausgegangen war ein mehrmonatiges Auswahlverfahren einer zehnköpfigen Findungskommission, die die Kandidatin schließlich einstimmig vorgeschlagen hatte. Die Kommission, bestehend aus Senats- und Hochschulratsmitgliedern, ließ sich dabei von einer Personalagentur unterstützen. Laut Versammlungsleitung habe es „ein klares Ergebnis“ gegeben – Menzel-Riedl stand als einzige Kandidatin zur Wahl.

Erste programmatische Akzente in Münster

Im Rahmen der Wahl präsentierte die künftige Rektorin ihre Vorstellungen in einem rund 45-minütigen Vortrag. Besonders im Fokus standen dabei Themen, die die Universität bereits heute stark prägen: die internationale Forschungskooperation, die Exzellenzprojekte im Cluster „Mathematik Münster“, die Qualität der Studiengänge sowie die Digitalisierung zentraler Abläufe. Auch Fragen der Personalentwicklung und der Nachwuchsförderung hob sie hervor.

Sie verstehe sich eher als „Spielmacherin“ denn als „Schiedsrichterin“, so ihre Botschaft – Führung solle moderieren, Menschen verbinden und Entscheidungswege klar strukturieren. Gleichzeitig betonte sie Optimismus, Neugier und Teamarbeit als prägende Elemente ihres Führungsstils. Die anschließenden Reaktionen in der Wahlversammlung fielen überwiegend positiv aus. Zum Abschluss bedankte sich der Vorsitzende der Versammlung, Prof. Dr. Hinnerk Wissmann, bei Amtsinhaber Wessels und kündigte „starke Monate bis zur Übergabe“ an.

Wissenschaftliche Laufbahn, Forschungsschwerpunkte und Netzwerke

Menzel-Riedl verfügt über eine breite akademische Biografie, die bereits früh international geprägt wurde. Ihr Studium führte sie von Münster über Göttingen nach Dakar im Senegal sowie an das College of William and Mary in den USA. Die Promotion in Göttingen – mit Schwerpunkt Biologiedidaktik – bildete den Grundstein für ihre heutigen Forschungsfelder: Biodiversitätsbildung, nachhaltige Ernährung und Umweltverhalten.

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Als Juniorprofessorin startete sie 2008 in Osnabrück, 2011 folgte die Berufung auf eine W3-Professur. Parallel übernahm sie administrative Verantwortung, zunächst als Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung. Ab 2019 führte sie die Universität Osnabrück als Präsidentin und prägte dort unter anderem das Leitbild „UOS 2020“. In dieser Zeit entwickelte sie Reformprojekte in Verwaltung, Lehre und Forschung – und begleitete die Hochschule durch anspruchsvolle Phasen der Digitalisierung, Pandemieorganisation und Energiekrisen.

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Über die Landesgrenzen hinaus ist sie hochschulpolitisch vernetzt: Sie steht der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen vor und ist seit 2023 Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz für Hochschulsysteme und Organisation. Die 1976 in Siegen geborene Wissenschaftlerin lebt bereits seit einigen Jahren in Münster, wodurch sie Stadt und Hochschullandschaft gut kennt.

Bedeutung des Wechsels für Münster und Osnabrück

Mit mehr als 42.500 Studierenden, einer starken Lehramtsausbildung und mehreren Exzellenzinitiativen zählt die Universität Münster zu den größten Hochschulen Deutschlands. Der Wechsel an der Spitze fällt in eine Phase, in der strategische Entscheidungen in Forschung, Digitalisierung und Personalentwicklung anstehen. Menzel-Riedl übernimmt damit ein Amt, das nicht nur wissenschaftliche Schwerpunkte, sondern auch komplexe Verwaltungsstrukturen umfasst.

Für Osnabrück markiert ihre Wahl eine Zäsur. Die dortige Hochschulleitung muss neu besetzt werden – ein Schritt, der mit Spannung erwartet wird, da Menzel-Riedl in den vergangenen Jahren viele Reformprozesse angestoßen hatte. In Münster hingegen wird ihre Erfahrung auf Landes- und Bundesebene als wichtiger Impuls für die kommenden Jahre bewertet. Der Leitungswechsel ist frühzeitig eingeleitet und organisatorisch abgesichert, sodass die Universität ausreichend Vorlaufzeit für Prioritätensetzung und Übergangsplanung hat.

Forschungsschwerpunkte, wissenschaftlicher Werdegang und hochschulpolitische Erfahrung

Die designierte Rektorin bringt ein wissenschaftliches Profil mit, das sowohl didaktische als auch gesellschaftliche Fragestellungen vereint. Als Professorin für Biologiedidaktik hat sie sich in ihrer Forschung unter anderem mit Biodiversitätsbildung, nachhaltiger Ernährung und der Frage beschäftigt, wie Menschen zu umweltbewusstem Verhalten motiviert werden können. Gemeinsam mit ihrem Team in Osnabrück hat sie hierzu Projekte entwickelt, die ökologische Fragestellungen mit pädagogischen Konzepten verknüpfen. Ihre Dissertation widmete sich bereits der Frage, welche Wissensbestände und Einstellungen Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Ländern zu Biodiversität mitbringen und wie Bildungsprogramme darauf reagieren können.

Ihr akademischer Weg führte sie nach ihrem Studium in Münster über Göttingen nach Osnabrück, wo sie ab 2008 als Juniorprofessorin tätig war. 2011 folgte die Berufung auf eine W3-Professur, später übernahm sie das Amt der Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung. 2019 wurde sie schließlich Präsidentin der Universität Osnabrück – damals als jüngste Hochschulpräsidentin Deutschlands und erste Frau an der Spitze dieser Einrichtung. Neben ihrer Arbeit an der Hochschule ist sie hochschulpolitisch bundesweit vernetzt: Sie steht der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen vor und gehört dem Präsidium der Hochschulrektorenkonferenz an.
Zudem lebt die 1976 in Siegen geborene Wissenschaftlerin bereits seit einigen Jahren in Münster, kennt also sowohl die Stadt als auch akademische Einrichtungen der Region aus früheren Studien- und Forschungsphasen.

Bedeutung des Wechsels für die Universität Münster und die Region

Der anstehende Wechsel fällt in eine Phase, in der die Universität Münster zahlreiche strukturelle und strategische Aufgaben bewältigt. Mit mehr als 42.500 eingeschriebenen Studierenden zählt sie zu den größten Hochschulen Deutschlands. Gleichzeitig ist sie an wichtigen Forschungsinitiativen beteiligt, darunter der Exzellenzcluster „Mathematik Münster: Dynamik – Geometrie – Struktur“, der bundesweite Sichtbarkeit besitzt. Damit übernimmt die neue Rektorin ein Amt, das wissenschaftliche Spitzenprojekte, umfassende Lehramtsausbildung und große Verwaltungsstrukturen verbindet. Der bisherige Rektor ist zudem Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Universitäten in Nordrhein-Westfalen, sodass sein Amtsende 2026 auch auf dieser Ebene eine Neuaufstellung einleitet.

Für die Universität Osnabrück bedeutet der anstehende Wechsel ebenfalls eine Zäsur. Dort leitete Menzel-Riedl seit 2019 zahlreiche strategische Projekte, darunter das Leitbild UOS 2020, und begleitete die Hochschule durch Jahre, die von Digitalisierungsschritten, Pandemieerfahrungen und Fragen der Energieversorgung geprägt waren. Die in Niedersachsen anstehende Neubesetzung des Präsidentenamts wird entsprechend aufmerksam verfolgt. Münster profitiert gleichzeitig von einer Person, die wissenschaftliche, kommunikative und administrativ-politische Ebenen gleichermaßen kennt und sowohl auf Landes- als auch Bundesebene vernetzt ist. Mit der Entscheidung der Wahlversammlung ist nun klar, dass der Leitungswechsel in Münster auf einer breiten strukturellen Grundlage steht und langfristig geplant erfolgen kann.

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