Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus sorgen erneut für Proteste im Münsterland

Gegen die Castor-Transporte nach Ahaus formiert sich breiter Widerstand. Bürgerinitiativen, Umweltverbände und Kommunen protestieren mit Mahnwachen, Demos und Klagen.
Symbolbild: Markus Distelrath

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Ahaus. Die Debatte um geplante Castor-Transporte durch Nordrhein-Westfalen spitzt sich weiter zu. Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland, aus Jülich sowie bundesweite Umweltverbände bereiten neue Protestaktionen vor. Hintergrund ist eine ausstehende Entscheidung des Verwaltungsgericht Berlin, die darüber bestimmen könnte, ob erste Transporte mit hochradioaktivem Atommüll noch im Winter starten dürfen.

Gerichtliche Entscheidung und Sorge vor Wintertransporten

Im Mittelpunkt steht ein Eilantrag des BUND NRW, mit dem die Transportfreigabe vorläufig gestoppt werden soll. Aus Sicht der Umweltverbände bringt der Abtransport keinen zusätzlichen Sicherheitsgewinn, sondern verlagert Risiken lediglich von einem Zwischenlager in ein anderes.

Besondere Kritik richtet sich auf mögliche Fahrten bei winterlichen Bedingungen. Schnee, Glatteis und Nebel könnten die ohnehin komplexen Transporte zusätzlich gefährden. Initiativen verweisen darauf, dass vergleichbare Wintertransporte in der Vergangenheit in NRW ausgeschlossen worden waren.

Proteste in Ahaus und Bottrop angekündigt

Unabhängig vom Ausgang des Gerichtsverfahrens mobilisieren die Initiativen für mehrere Aktionen. Geplant ist ein Sonntagsspaziergang am 18. Januar vor dem Rathaus in Ahaus. Eine weitere Demonstration soll am 24. Januar am Autobahn-Rasthof Bottrop an der A2 stattfinden.

Der Standort gilt als besonders sensibel, da er etwa auf halber Strecke zwischen Jülich und Ahaus liegt und zugleich von umfangreichen Autobahnbaustellen geprägt ist. Die Organisatoren sprechen von einem logistischen Nadelöhr für Gefahrguttransporte.

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Worum es bei den Castor-Fahrten konkret geht

Geplant ist der Straßentransport von 152 Castor-Behältern mit rund 300.000 kugelförmigen Brennelementen aus dem früheren Versuchsreaktor AVR Jülich in das Zwischenlager Ahaus. Die Strecke führt über rund 170 Kilometer quer durch Nordrhein-Westfalen.

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Grundlage der Planungen ist das Auslaufen der Genehmigung für das Zwischenlager in Jülich. Nach Angaben der Bundesregierung wurden dort unter anderem Anforderungen an die Erdbebensicherheit nicht mehr als ausreichend bewertet. Kritiker halten dagegen, dass auch das Zwischenlager Ahaus nur befristet genehmigt ist und langfristige Lösungen weiterhin fehlen.

Politischer Streit und Kritik aus der Praxis

Auch politisch bleibt das Thema umstritten. Ein Antrag im Deutscher Bundestag, unnötige Atomtransporte zu vermeiden, wurde im Dezember 2025 abgelehnt. In NRW fordern Initiativen nun Gespräche auf Landes- und Bundesebene, um Alternativen zu prüfen.

Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch Kritik der Gewerkschaft der Polizei, die die geplanten Castor-Fahrten als enorme Belastung für Einsatzkräfte und Infrastruktur bezeichnet. Neben maroden Brücken und hohem Verkehrsaufkommen werden auch neue Sicherheitsrisiken wie Drohnenüberflüge genannt.

Ziel der Initiativen: Transporte verhindern

Die beteiligten Bürgerinitiativen und Umweltverbände betonen, dass ihr Widerstand nicht nachlassen werde. Sie fordern, den Atommüll so lange am Entstehungsort zu lagern, bis ein genehmigtes Endlager zur Verfügung steht. Die anstehenden Proteste in Ahaus und Bottrop verstehen sie als Auftakt für weiteren öffentlichen Druck zu Beginn des neuen Jahres.

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