
Der französische Luxuskonzern Hermès startet mit einer deutlich kritischeren Analysteneinschätzung in die neue Börsenwoche. Die Schweizer Großbank UBS hat die Hermès-Aktie am Montag von „Neutral“ auf „Sell“ abgestuft und das Kursziel auf 1.168 Euro gesenkt. Damit liegt die neue Zielmarke deutlich unter dem jüngsten Kursniveau der Aktie.
Eine unmittelbare Kursreaktion an der Heimatbörse in Paris gab es zum Zeitpunkt der Einstufung allerdings noch nicht. Euronext Paris öffnet regulär erst um 09:00 Uhr. Am Freitag, 2. Oktober, hatte die Hermès-Aktie dort bei 1.299,50 Euro geschlossen und damit 0,15 Prozent verloren. Die Tagesspanne hatte zwischen 1.288,50 und 1.322 Euro gelegen.
Die neue Verkaufsempfehlung ist eine deutliche Verschärfung der bisherigen Haltung der UBS. Noch Ende Juli hatte Analystin Zuzanna Pusz die Hermès-Aktie mit „Neutral“ bewertet und das Kursziel nach den Zahlen für das zweite Quartal von 1.795 auf 1.695 Euro gesenkt. Damals verwies sie auf offene Fragen zur künftigen Wachstumsdynamik des Luxuskonzerns.
Bereits im April hatte die UBS auf eine schwächere Nachfrage nach Hermès-Produkten auf dem Wiederverkaufsmarkt hingewiesen. Dieser Markt hatte nach Einschätzung der Bank zuvor auch die Nachfrage nach neuen Produkten gestützt.
Die nun auf 1.168 Euro gesenkte Zielmarke verschärft diese vorsichtigere Einschätzung erheblich. Gegenüber dem Pariser Schlusskurs vom Freitag entspricht das einem rechnerischen Abstand von gut zehn Prozent nach unten. Ein Kursziel ist allerdings lediglich die Einschätzung eines Analysehauses und keine Prognose, dass die Aktie dieses Niveau tatsächlich erreichen wird.
Der skeptischere Blick auf Hermès folgt auf ein schwieriges Börsenhalbjahr. Ende Juli geriet die Aktie nach den Zahlen für das zweite Quartal deutlich unter Druck. Hermès hatte einen Umsatzanstieg von 6,7 Prozent auf rund 4,1 Milliarden Euro gemeldet. Gleichzeitig sorgte insbesondere die weiterhin schwache Entwicklung in China für Sorgen am Markt. Die Aktie verlor an dem Tag rund elf Prozent.
Im gesamten ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete Hermès nach eigenen Angaben 8,163 Milliarden Euro Umsatz. Währungsbereinigt entsprach dies einem Wachstum von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die wiederkehrende operative Marge erreichte weiterhin außergewöhnlich hohe 41 Prozent. Das Unternehmen verfügte Ende Juni zudem über eine bereinigte Nettoliquidität von 12,926 Milliarden Euro.
Damit bleibt Hermès operativ hochprofitabel. An der Börse richtet sich der Blick jedoch zunehmend darauf, wie schnell der Konzern seine Umsätze künftig noch ausweiten kann und welche Bewertung Anleger dafür akzeptieren.
Die Probleme betreffen nicht nur Hermès. Die Luxusbranche kämpft seit längerer Zeit mit einer schwächeren Nachfrage in China und vorsichtigeren Konsumenten in anderen wichtigen Märkten. Besonders Mode und Lederwaren entwickelten sich zuletzt schwächer als Teile des Schmuckgeschäfts. Bei mehreren Luxuskonzernen schnitt Schmuck zuletzt deutlich besser ab als traditionelle Modekategorien.
Für Hermès ist China besonders relevant. Im zweiten Quartal zeigte sich dort nach Angaben des Unternehmens noch keine klare Erholung. Dagegen stützten unter anderem die USA und Japan das Geschäft.
UBS hatte noch Anfang Juli grundsätzlich Chancen auf eine Stabilisierung der europäischen Luxusbranche gesehen. Die Bank erwartete damals nach fast drei Jahren sinkender Gewinnerwartungen eine mögliche Verbesserung, warnte aber zugleich davor, dass sich die einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich entwickeln dürften. Hermès gehörte zu diesem Zeitpunkt nicht zu den bevorzugten Werten der Bank.
Ein zusätzlicher Faktor ist die Bewertung. Hermès wurde an der Börse über Jahre mit einem erheblichen Aufschlag gegenüber vielen Konkurrenten gehandelt. Diese Prämie beruhte unter anderem auf der hohen Profitabilität, der begrenzten Produktion begehrter Lederwaren und der vergleichsweise stabilen Nachfrage vermögender Kunden.
Wenn sich das Wachstum abschwächt, wird eine solche Bewertung für Anleger schwerer zu rechtfertigen. Nach den Halbjahreszahlen rückte die hohe Gewinnbewertung der Hermès-Aktie angesichts einer langsameren Wachstumsbeschleunigung stärker in den Mittelpunkt.
Auch die Kursentwicklung zeigt, dass die Erwartungen zuletzt deutlich zurückgenommen wurden. Anfang September notierte die Aktie noch bei rund 1.475 Euro. Am 2. Oktober schloss sie in Paris bei 1.299,50 Euro.
Der nächste wichtige Unternehmensimpuls ist bereits terminiert. Hermès will am 22. Oktober um 08:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit den Umsatz für das dritte Quartal 2026 veröffentlichen. Dann dürfte vor allem die Entwicklung in China, aber auch das Wachstum im wichtigen Lederwarengeschäft im Mittelpunkt stehen.
Bis dahin bleibt die neue UBS-Einstufung ein zusätzlicher Belastungsfaktor für die Bewertung der Hermès-Aktie. Ob daraus am Montag tatsächlich deutlicher Verkaufsdruck entsteht, kann sich erst mit dem Handelsbeginn in Paris um 09:00 Uhr zeigen.
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