
Der US-Chiphersteller Marvell Technology hat seine langfristigen Wachstumsambitionen deutlich ausgeweitet. Auf dem Investorentag am Dienstag in New York stellte das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2031 einen Umsatzkorridor von 70 bis 90 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Zugleich hob Marvell sein Ziel für das Geschäftsjahr 2028 auf rund 20 Milliarden Dollar an. Treiber der Planung ist vor allem das Geschäft mit Halbleitern und Verbindungstechnik für Rechenzentren, in denen Cloudkonzerne immer mehr Infrastruktur für künstliche Intelligenz aufbauen. Die Aktie reagierte im US-Handel mit deutlichen Kursgewinnen.
Die neue Langfristplanung setzt eine starke Fortsetzung des bisherigen Wachstums voraus. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Marvell einen Umsatz von rund 8,2 Milliarden Dollar. Für 2031 nennt das Management nun 70 bis 90 Milliarden Dollar. Der Mittelpunkt der Spanne liegt bei 80 Milliarden Dollar. Nach den Angaben vom Investorentag soll der mit Abstand größte Teil davon aus dem Rechenzentrumsgeschäft kommen. Marvell rechnet für diesen Bereich mit 67,5 bis 87,5 Milliarden Dollar Umsatz. Weitere rund 2,5 Milliarden Dollar sollen aus Kommunikation und anderen Bereichen stammen. Die Angaben sind langfristige Unternehmensziele und keine garantierten Erlöse.
Marvell profitiert davon, dass große Cloudanbieter immer mehr Rechenleistung für KI-Anwendungen aufbauen. Das Unternehmen entwickelt unter anderem kundenspezifische Chips, Netzwerklösungen und optische Verbindungstechnik, die Daten innerhalb großer Rechenzentren mit hoher Geschwindigkeit übertragen. Bereits im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2027 entfielen 2,17 Milliarden Dollar von insgesamt 2,74 Milliarden Dollar Quartalsumsatz auf das Rechenzentrumsgeschäft. Das entsprach 79 Prozent des Gesamtumsatzes. Gegenüber dem Vorjahresquartal stiegen die Erlöse in diesem Segment um 46 Prozent. Marvell hatte schon im August auf eine besonders hohe Nachfrage im Zusammenhang mit KI-Infrastruktur verwiesen.
Neben der neuen Perspektive für 2031 hob Marvell auch seine mittelfristige Planung an. Für das Geschäftsjahr 2028 erwartet das Unternehmen nun einen Umsatz von rund 20 Milliarden Dollar. Analysten hatten nach Daten von LSEG im Schnitt mit etwa 18,2 Milliarden Dollar gerechnet. Für 2031 lag der von Visible Alpha erfasste Analystenkonsens vor dem Investorentag bei rund 46,85 Milliarden Dollar und damit deutlich unter dem Mittelpunkt der neuen Marvell-Spanne. Das Unternehmen begründet seinen Optimismus mit der zunehmenden Nachfrage nach kundenspezifischen Rechenchips sowie Verbindungs- und Netzwerktechnik für den Ausbau von KI-Rechenzentren.
Marvell hatte den Investorentag für den Morgen des 6. Oktober in New York angesetzt. Vorstandschef Matt Murphy und weitere Mitglieder der Unternehmensführung stellten dort Strategie, Wachstumsfelder und Finanzziele vor. Marvell beziffert den bis 2030 adressierbaren Markt für seine relevanten Technologien auf rund 400 Milliarden Dollar. Diese Größe ist eine unternehmenseigene Marktabschätzung und kein Umsatzversprechen. Ein wichtiger Baustein der Wachstumsstrategie sind kundenspezifische Halbleiter für große Rechenzentren. Hinzu kommen Technologien für die schnelle Datenübertragung zwischen Prozessoren, Speichern und anderen Komponenten innerhalb immer größerer KI-Infrastrukturen.
An der Börse wurden die neuen Vorgaben zunächst positiv aufgenommen. Zu Beginn des Investorentags gab die Marvell-Aktie zunächst nach, drehte anschließend aber deutlich ins Plus und gewann zeitweise nahezu zehn Prozent. Gegen 13.42 Uhr New Yorker Zeit lag das Papier bei 287,01 Dollar und damit 5,8 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages. Reuters hatte zuvor im frühen Handel ein Plus von rund sieben Prozent gemeldet. Die Kursbewegung fiel damit deutlich stärker aus als die Veränderungen der großen US-Aktienindizes an diesem Tag. Daraus lässt sich jedoch keine Aussage über die weitere Entwicklung der Aktie ableiten.
Die neuen Vorgaben fallen in eine Phase, in der Marvell bereits kräftig wächst. Im Geschäftsjahr 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent auf 8,195 Milliarden Dollar. Das Rechenzentrumsgeschäft lieferte davon rund 6,1 Milliarden Dollar und damit fast drei Viertel des Gesamtumsatzes. Im zweiten Quartal 2027 setzte sich die Entwicklung fort. Der Konzernumsatz stieg um 37 Prozent auf 2,739 Milliarden Dollar. Damit hängt die langfristige Planung stark davon ab, dass Investitionen in KI-Rechenzentren, kundenspezifische Chips und Hochgeschwindigkeitsverbindungen über mehrere Jahre weiter zulegen und Marvell seine angekündigten Programme tatsächlich in große Serienumsätze umsetzen kann.
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