Steuer sinkt deutlich, an der Zapfsäule kommt weniger an

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Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

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Seit dem 1. Oktober gilt in Deutschland erneut ein staatlicher Tankrabatt. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wurde für drei Monate um 14,04 Cent je Liter gesenkt. Weil dadurch auch weniger Umsatzsteuer anfällt, beträgt die rechnerische Entlastung für Verbraucher insgesamt rund 16,7 Cent je Liter. Die ersten Preisdaten zeigen allerdings, dass Benzin und Diesel bislang nicht dauerhaft um den vollen Steuerbetrag billiger geworden sind. Das Bundeskartellamt registrierte am ersten Tag im Tagesdurchschnitt einen Rückgang um knapp 13 Cent je Liter. Auch der ADAC sah anschließend noch Spielraum für niedrigere Preise.

Der Tankrabatt gilt bis zum 31. Dezember

Der Tankrabatt 2026 gilt vom 1. Oktober bis einschließlich 31. Dezember. Nach Paragraf 68 des Energiesteuergesetzes beträgt die Steuer während dieses Zeitraums für 1.000 Liter Benzin 514,10 Euro und für 1.000 Liter Diesel 330 Euro. Gegenüber den regulären Sätzen entspricht das bei beiden Kraftstoffen einer Senkung um 14,04 Cent je Liter. Für Diesel wird damit nach Angaben des Bundesfinanzministeriums die europarechtlich zulässige Untergrenze erreicht. Durch den zusätzlichen Effekt der Umsatzsteuer steigt die mögliche Entlastung auf 16,7 Cent je Liter.

Rechtlich umgesetzt wurde die Änderung über Artikel 11 des Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs-und-Aufsichtsänderungsgesetzes vom 25. September 2026. Das Gesetz wurde im Bundesgesetzblatt 2026 Teil I Nummer 275 veröffentlicht. Der Bundestag hatte der Regelung am 25. September mit 434 Ja-Stimmen und 128 Nein-Stimmen zugestimmt.

Preise sanken zunächst um knapp 13 Cent

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt beobachtet die Preise von rund 15.000 Tankstellen in Deutschland. In der Nacht zum 1. Oktober sanken die Preise unmittelbar nach Inkrafttreten der Steuersenkung zunächst im Durchschnitt um etwa sieben bis acht Cent je Liter. Im gesamten Tagesdurchschnitt waren Super E5, Super E10 und Diesel am 1. Oktober knapp 13 Cent je Liter günstiger als am 30. September.

Damit lag der beobachtete Preisrückgang zunächst unter der rechnerischen Steuerentlastung von 16,7 Cent. Aus den knapp 13 Cent lässt sich jedoch keine belastbare endgültige Weitergabequote ableiten. Kraftstoffpreise verändern sich gleichzeitig mit Rohölpreisen, Raffineriepreisen, Großhandelsnotierungen, Transportkosten, Wechselkursen und Margen. Auch das Bundeskartellamt will deshalb die Entwicklung über einen längeren Zeitraum untersuchen. Eine gesetzliche Verpflichtung für Tankstellen oder Mineralölunternehmen, die Steuersenkung exakt und vollständig auf den Verkaufspreis aufzuschlagen, besteht nicht.

ADAC sieht noch nicht die gesamte Entlastung

Auch die kurzfristigen Zahlen des ADAC zeigen, wie schnell sich die Preise nach dem Start wieder veränderten. Am Morgen des 1. Oktober hatte der Club gegenüber dem Vortag zunächst einen Rückgang um 14,5 Cent bei Super E10 und 15,2 Cent bei Diesel errechnet. Bereits am Freitag, 2. Oktober, lagen die Preise um 8 Uhr jedoch wieder höher. Super E10 kostete bundesweit durchschnittlich 2,098 Euro je Liter, Diesel 2,248 Euro. Gegenüber Donnerstag waren das 3,6 beziehungsweise 3,9 Cent mehr.

Verglichen mit dem Morgen des 30. September war Super E10 damit am 2. Oktober noch 10,9 Cent günstiger und Diesel 11,3 Cent. Der ADAC kam deshalb zu dem Ergebnis, dass die Steuerentlastung zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig in den Preisen abgebildet war. Einen starken neuen Ölpreisschub gab es gleichzeitig nicht: Brent-Rohöl kostete am Freitagvormittag laut der damaligen ADAC-Auswertung rund 99,34 US-Dollar je Barrel.

September war ein besonders teurer Tankmonat

Der Rabatt trifft auf ein außergewöhnlich hohes Preisniveau. Nach ADAC-Berechnungen kostete Super E10 im September 2026 im Monatsmittel 2,266 Euro je Liter. Damit war September der bis dahin teuerste Monat für Benzin in der entsprechenden Statistik. Am 29. September lag Super E10 bei durchschnittlich 2,258 Euro je Liter, Diesel bei 2,409 Euro.

Auch die amtlichen Inflationsdaten zeigen den starken Energiepreisdruck. Destatis errechnete für September vorläufig eine Inflationsrate von 3,3 Prozent. Die Preise der zusammengefassten Kategorie Energie lagen 14,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Bereits im August waren Kraftstoffe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 27,7 Prozent teurer gewesen als ein Jahr zuvor. Die endgültigen September-Daten sollen am 13. Oktober veröffentlicht werden.

Erfahrungen aus dem ersten Tankrabatt fallen unterschiedlich aus

Die Bundesregierung hatte Benzin und Diesel bereits vom 1. Mai bis 30. Juni um denselben Betrag steuerlich entlastet. Nachträgliche Untersuchungen bestätigen, dass ein großer Teil des Vorteils die Autofahrer erreichte, die genaue Höhe hängt jedoch von der Berechnungsmethode ab.

Das ifo Institut ermittelte bis Ende Juni gegenüber Vergleichspreisen ohne Rabatt einen Effekt von rund 17 Cent bei Super E5, 16 Cent bei Super E10 und zwölf Cent bei Diesel. Für Diesel entsprach das einer Weitergabe von rund 73 Prozent. Die Bundesregierung fasste verschiedene Untersuchungen später dahingehend zusammen, dass der erste Rabatt insgesamt weitgehend, aber nicht vollständig weitergegeben worden sei.

Diese Erfahrungen liefern deshalb keinen festen Prozentsatz für die Neuauflage. Die aktuelle Preisbildung seit Oktober muss erneut unter Berücksichtigung der parallel veränderten Beschaffungs- und Großhandelspreise bewertet werden.

Bund und Länder tragen Kosten von rund 2,5 Milliarden Euro

Die Entlastung hat erhebliche Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte. Die Bundesregierung rechnet für die drei Monate mit Steuermindereinnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro. In den Berechnungen zum Gesetz werden die Mindereinnahmen mit etwa 2,485 Milliarden Euro beziffert. Bund und Länder sollen die Belastung jeweils zur Hälfte übernehmen.

Die Länder beteiligen sich mit insgesamt 1,25 Milliarden Euro. Technisch geschieht dies über einen Umsatzsteuerfestbetrag: Der Bund erhält entsprechend mehr aus der Umsatzsteuerverteilung, die Länder entsprechend weniger. Die Bundesregierung beziffert den Bundesanteil ebenfalls auf rund 1,25 Milliarden Euro. Für den Bundesanteil sollen unter anderem Ausgabereste aus dem Jahr 2026 zur Finanzierung herangezogen werden.

Wie unterschiedlich sich der Länderanteil auswirkt, zeigen einzelne Landesangaben. Mecklenburg-Vorpommern kalkuliert beispielsweise mit rund 23 Millionen Euro geringeren Einnahmen. Für Berlin wurden rund 60 Millionen Euro genannt. Bundesweit bleibt entscheidend, dass die Länder zusammen nicht zusätzlich zu den 2,5 Milliarden Euro belastet werden, sondern die Hälfte dieses Gesamtvolumens tragen.

Volle Wirkung lässt sich nach wenigen Tagen noch nicht beziffern

Nach den bisher vorliegenden bundesweiten Daten ist die Richtung eindeutig: Benzin und Diesel wurden mit Beginn der Steuersenkung zunächst deutlich günstiger, der Preisrückgang erreichte aber nicht dauerhaft die rechnerischen 16,7 Cent je Liter. Die jüngste bundesweite ADAC-Sonderauswertung vom 2. Oktober zeigte gegenüber dem Morgen vor dem Rabatt noch ein Minus von 10,9 Cent bei Super E10 und 11,3 Cent bei Diesel. Das Bundeskartellamt hatte für den ersten Tag im Tagesdurchschnitt knapp 13 Cent ermittelt.

Wie viel des neuen Tankrabatts über die gesamte Laufzeit tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt, lässt sich daraus noch nicht abschließend ableiten. Dafür müssen insbesondere die Entwicklung der Großhandels- und Raffineriepreise sowie die Veränderungen am Ölmarkt berücksichtigt werden. Sicher ist dagegen bereits die fiskalische Größenordnung: Bis zum Jahresende verzichtet der Staat auf rund 2,5 Milliarden Euro Einnahmen, getragen je zur Hälfte von Bund und Ländern.

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