
Der geplante Zusammenschluss der Aufzugshersteller Kone und TK Elevator könnte zu einer weitreichenden Neuordnung des europäischen Geschäfts führen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bereitet der finnische Konzern den Verkauf großer Teile der europäischen Aktivitäten von TK Elevator vor. Damit sollen mögliche kartellrechtliche Hindernisse bei der milliardenschweren Übernahme überwunden werden. Auch ein Finanzinvestor kommt als Käufer infrage. Eine endgültige Entscheidung über den Verkauf liegt bislang nicht vor.
Die Übernahme von TK Elevator durch Kone wurde bereits im April 2026 vereinbart. Der Unternehmenswert der Transaktion liegt einschließlich Schulden bei rund 29,4 Milliarden Euro. Durch den Zusammenschluss würde einer der weltweit größten Hersteller von Aufzügen und Fahrtreppen entstehen.
Allerdings könnte Kone künftig nicht sämtliche Geschäftsbereiche seines deutschen Wettbewerbers übernehmen und dauerhaft behalten. Reuters zufolge wird ein Verkauf großer Teile der europäischen Aktivitäten vorbereitet. Der entsprechende Prozess könnte noch im Herbst beginnen, möglicherweise im November.
Das Europageschäft umfasst die Herstellung und Installation von Aufzügen und Fahrtreppen sowie Wartungsleistungen und Modernisierungen. Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen entfielen auf die betroffenen europäischen Aktivitäten rund 2,5 Milliarden Euro beziehungsweise etwa 27 Prozent des Jahresumsatzes von TK Elevator.
Welche Unternehmensteile tatsächlich verkauft werden sollen, ist bislang offen. Ebenso gibt es keine bestätigten Angaben zu einem konkreten Erwerber.
Die Branchenzeitschrift LIFTjournal verweist auf Einschätzungen des Transaktionsexperten Lars Watermann. Demnach könnte das Europageschäft an eine Private-Equity-Gesellschaft gehen. Hintergrund ist die starke Stellung der etablierten Aufzugshersteller auf dem europäischen Markt.
Mit Otis, Schindler, Kone und TK Elevator wird die internationale Branche von vier großen Anbietern geprägt. Ein Zusammenschluss zweier dieser Unternehmen würde deshalb erhebliche kartellrechtliche Fragen aufwerfen.
Auch der Schweizer Wettbewerber Schindler hat grundsätzlich Interesse an möglichen Geschäftsbereichen erkennen lassen, die im Zuge der Übernahme abgegeben werden könnten. Ein konkretes Kaufangebot für die europäischen TKE-Aktivitäten ist damit jedoch nicht verbunden.
Kone hat bereits eingeräumt, dass der Verkauf einzelner Geschäftsbereiche in bestimmten Regionen notwendig werden könnte, um die erforderlichen Genehmigungen zu erhalten.
Entsprechende verbindliche Auflagen für den Verkauf des Europageschäfts waren zunächst nicht bestätigt. Die geplante Übernahme unterliegt weiterhin regulatorischen Prüfungen. Der Abschluss wird frühestens im zweiten Quartal 2027 erwartet.
Kone rechnet durch den Zusammenschluss mit jährlichen Einsparungen von rund 700 Millionen Euro. Diese sollen unter anderem durch gemeinsame Servicekapazitäten, Forschung, Entwicklung und effizientere Unternehmensstrukturen entstehen.
TK Elevator gehörte bis 2020 zum Industriekonzern Thyssenkrupp. Anschließend übernahmen Finanzinvestoren um Advent und Cinven das Geschäft. Heute beschäftigt TK Elevator weltweit rund 50.000 Menschen.
Für die Belegschaften in Deutschland ist die mögliche Abspaltung des Europageschäfts besonders relevant. Ein Eigentümerwechsel könnte Auswirkungen auf Unternehmensstrukturen, Zuständigkeiten und die langfristige Entwicklung einzelner Standorte haben. Konkrete Stellenstreichungen im Zusammenhang mit dem diskutierten Europaverkauf waren zunächst nicht bestätigt.
Bereits im Juni 2026 schlossen TK Elevator und die IG Metall eine Prozessvereinbarung zur geplanten Übernahme. Sie regelt unter anderem die Beteiligung der Arbeitnehmervertretungen und den Umgang mit möglichen Verkäufen oder Umstrukturierungen.
Nach Angaben der Gewerkschaft sind betriebsbedingte Kündigungen mindestens bis zum Abschluss des Verkaufs ausgeschlossen. Bestehende Tarifverträge und Vereinbarungen sollen ebenfalls bis dahin gelten. Zudem müssen mögliche Strukturmaßnahmen geordnet erfolgen und eine wirtschaftliche Perspektive bieten.
Langfristige Beschäftigungsgarantien für die Zeit nach der Übernahme sind damit allerdings noch nicht abschließend geregelt. Gewerkschaft und Arbeitnehmervertretungen verfolgen deshalb weitere Vereinbarungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten.
Die mögliche Herauslösung des Europageschäfts würde die Struktur der geplanten Übernahme wesentlich verändern. Während Kone und TK Elevator international zusammenwachsen könnten, könnten europäische Geschäftsbereiche unter einem neuen Eigentümer fortgeführt werden.
Für Kunden wäre insbesondere die Entwicklung des Wartungs- und Modernisierungsgeschäfts bedeutsam. Aufzüge und Fahrtreppen müssen über Jahrzehnte gewartet werden. Neben der Produktion neuer Anlagen ist deshalb das bestehende Servicenetz ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.
Ob die geplante Aufteilung ausreicht, um die kartellrechtlichen Bedenken auszuräumen, ist offen. Ebenso wenig steht fest, welcher Käufer die europäischen Aktivitäten übernehmen könnte und welche Folgen das für die Beschäftigten hätte.
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