
Münster. Das Wintersemester rückt näher – und damit beginnt in Münster für viele Studierende wieder die Suche nach einem bezahlbaren Zimmer. Neue Immobiliendaten zeigen, wie schwierig das werden kann: Für kleine Neubauwohnungen werden inzwischen durchschnittlich 19,70 Euro je Quadratmeter aufgerufen. Auf 30 Quadratmeter gerechnet sind das 591 Euro nettokalt. Gleichzeitig sind die Wohnanlagen des Studierendenwerks nahezu vollständig belegt, bei vielen Häusern beträgt die Wartezeit mehr als sechs Monate. Selbst Notunterkünfte hält Münster deshalb für Studierende vor.
Es ist eine Zahl, die ziemlich gut erklärt, warum die Wohnungssuche für Erstsemester in Münster schnell zur zweiten Aufnahmeprüfung werden kann: 19,70 Euro pro Quadratmeter. So hoch liegt die inserierte Miete für Neubauwohnungen zwischen 20 und 40 Quadratmetern nach einer aktuellen Auswertung für das zweite Quartal 2026.
Veröffentlicht wurden die Zahlen am Sonntag, 16. August, von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Grundlage sind Daten von Empirica beziehungsweise Empirica regio und der VALUE-Marktdatenbank. Betrachtet werden Neubauten in deutschen Universitäts- und Fachhochschulstädten. Bei den zugrunde liegenden Angebotsdaten handelt es sich um inserierte Nettokaltmieten – also ohne Wohnnebenkosten.
Was 19,70 Euro pro Quadratmeter praktisch bedeuten, zeigt eine einfache Rechnung. Ein kleines Apartment mit 20 Quadratmetern kommt rechnerisch auf 394 Euro nettokalt im Monat. Bei 30 Quadratmetern sind es 591 Euro, bei 40 Quadratmetern bereits 788 Euro. Strom, Heizung und weitere Nebenkosten können anschließend noch dazukommen.
Wichtig ist allerdings die Einordnung: Das sind keine Durchschnittsmieten für sämtliche Studentenwohnungen in Münster. Untersucht wurden ausdrücklich kleine Neubauwohnungen mit 20 bis 40 Quadratmetern, die im zweiten Quartal 2026 angeboten wurden. Ein älteres WG-Zimmer, eine Bestandswohnung oder ein Wohnheimplatz kann erheblich günstiger sein. Gerade für neu nach Münster kommende Studierende sind Angebotsmieten dennoch relevant: Empirica weist darauf hin, dass Inseratsdaten besonders gut jene Marktsituation abbilden, auf die Wohnungssuchende ohne bestehende Mietverträge oder persönliche Vermieterkontakte treffen.
Mehr Platz bedeutet in der aktuellen Auswertung nicht automatisch einen höheren Quadratmeterpreis. Für Neubauwohnungen zwischen 80 und 100 Quadratmetern werden in Münster durchschnittlich 16,90 Euro je Quadratmeter ausgewiesen – 2,80 Euro weniger als bei den kleinen Apartments.
Das macht die besondere Belastung kleiner Haushalte sichtbar. Eine 90 Quadratmeter große Neubauwohnung würde mit diesem Wert rechnerisch 1.521 Euro nettokalt kosten. Würden drei Personen eine solche Wohnung gleichmäßig teilen, wären es rund 507 Euro pro Kopf – vorausgesetzt, die Wohnung eignet sich überhaupt für eine WG. Ein 30-Quadratmeter-Apartment liegt mit 591 Euro dagegen deutlich höher. Wer allein wohnt, bezahlt für jeden Quadratmeter also einen Aufschlag.
Im bundesweiten Vergleich liegt Münster zwar nicht an der absoluten Spitze, aber deutlich über zahlreichen anderen Hochschulstandorten. Für kleine Neubauwohnungen nennt dieselbe Auswertung etwa 13,90 Euro pro Quadratmeter in Dortmund, 15,30 Euro in Dresden, 16 Euro in Leipzig, 17 Euro in Göttingen und 17,40 Euro in Aachen. Münster kommt auf 19,70 Euro.
Noch teurer wird es unter anderem in Tübingen mit 22,50 Euro, Heidelberg mit 23,40 Euro, Hamburg mit 23,50 Euro oder Konstanz mit 25 Euro. Die Zahlen zeigen damit zweierlei: Das Problem hoher Neubaumieten ist kein Münsteraner Sonderfall. Für eine Stadt, die jedes Jahr Tausende Studierende anzieht, liegt das Preisniveau aber inzwischen in einer Größenordnung, bei der das klassische kleine Studenten-Apartment keineswegs automatisch die günstige Wohnform ist.
Eigentlich könnte man erwarten, dass sich die Situation langsam entspannt. Die Zahl der Studierenden ist zuletzt nämlich gesunken. An der Universität Münster waren im Wintersemester 2025/26 41.217 ordentlich Studierende eingeschrieben. Das Studierendenwerk betreute an Universität, FH, Kunstakademie und Katholischer Hochschule insgesamt 55.793 Studierende in Münster und Steinfurt – 999 weniger als ein Jahr zuvor.
Auf dem Wohnungsmarkt ist diese Entlastung bislang kaum angekommen. Das Studierendenwerk schreibt in seinem Geschäftsbericht 2025 ausdrücklich, die Nachfrage nach studentischem Wohnraum sei trotz rückläufiger Studierendenzahlen konstant hoch geblieben. Die Belegungsquote der eigenen Wohnanlagen lag demnach durchgehend bei rund 99 Prozent. Für 2026 erwartet das Studierendenwerk weiterhin, dass die Nachfrage nach Wohnraum das Angebot deutlich übersteigt.
Das Studierendenwerk verfügte Ende 2025 über 5.363 Wohnplätze in Münster und Steinfurt: 1.870 Plätze in Appartements, 2.642 in Wohnungen und 851 in Einzelzimmern. Gemessen an den 55.793 betreuten Studierenden entspricht das rechnerisch nicht einmal zehn Prozent. Natürlich benötigt längst nicht jeder Studierende einen Wohnheimplatz – viele leben bei den Eltern, in privaten WGs oder eigenen Wohnungen. Die Größenordnung zeigt aber, warum die günstigen Plätze begehrt sind.
Auf seiner aktuellen Wohnungsseite weist das Studierendenwerk darauf hin, dass die Wartezeit oft länger als sechs Monate beträgt. Bei Wohnanlagen wie dem Wilhelmskamp, der Bismarckallee oder dem Gemenweg wird derzeit ausdrücklich eine Wartezeit von mehr als sechs Monaten genannt. Bewerber können keinen festen Wartelistenplatz abrufen, weil sich die Reihenfolge laufend durch Kündigungen und Zu- oder Absagen verändert.
Wie angespannt die Wochen rund um den Semesterstart werden können, zeigt ein ungewöhnliches Angebot am Wilhelmskamp. Das Studierendenwerk hält dort 16 möblierte Notunterkünfte bereit. Sie bestehen inzwischen aus abschließbaren Gartenhütten mit Bett, Schreibtisch, Schrank und Rauchmelder. Gedacht sind sie ausdrücklich für Studierende, die kurzfristig keine Unterkunft gefunden haben.
Die Übergangslösung kostet zehn Euro pro Nacht inklusive Nebenkosten und Internet und darf höchstens zwei Monate genutzt werden. Das Studierendenwerk begründet das Angebot damit, dass die Nachfrage zum Semesterstart regelmäßig stark steigt und insbesondere Erstsemester sowie internationale Studierende kurzfristig vor dem Problem stehen können, überhaupt keine Unterkunft zu finden. Eine Notunterkunft ist kein Ersatz für eine Wohnung – ihre Existenz zeigt aber, wie real das Problem in Münster weiterhin ist.
Wie groß die Preisspanne auf dem Münsteraner Markt ist, zeigt das nächste große Projekt des Studierendenwerks. Am Gescherweg 86 bis 88 entstehen zwei Gebäude mit insgesamt 190 zusätzlichen Wohnplätzen. Die geplante Kaltmiete beträgt etwa 230 Euro im Monat, hinzu kommt bei möblierten Einheiten ein Zuschlag. Der niedrige Preis wird durch die Förderbedingungen des Landesprogramms „Junges Wohnen NRW“ ermöglicht.
Die 230 Euro lassen sich nicht eins zu eins mit den 591 Euro für ein rechnerisches 30-Quadratmeter-Apartment auf dem freien Neubau-Markt vergleichen: Wohnungsgröße, Ausstattung und Fördermodell unterscheiden sich. Trotzdem macht der Abstand deutlich, warum Plätze des Studierendenwerks so begehrt sind. Der Haken: Die neuen Gebäude sollen erst im ersten Quartal 2028 fertig werden. Für Studierende, die zum kommenden Wintersemester ein Zimmer suchen, helfen die 190 neuen Plätze deshalb noch nicht.
Die Erklärung „Es entstehen einfach keine neuen Wohnungen“ greift zu kurz. 2025 wurden in Münster 1.402 Wohnungen fertiggestellt, knapp 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Weitere 1.831 Wohnungen erhielten eine Baugenehmigung, 1.583 genehmigte Wohnungen befanden sich zum Jahresende bereits im Bau.
Auffällig ist sogar, dass ein großer Teil des Neubaus genau auf kleinere Haushalte zielt: Nach Angaben der städtischen Statistik hatten 20,8 Prozent der 2025 fertiggestellten Wohnungen nur einen Raum, weitere 31,6 Prozent zwei Räume. Zusammen entfielen damit mehr als 52 Prozent aller Fertigstellungen auf Ein- und Zweiraumwohnungen. Das eigentliche Problem ist deshalb nicht allein die Menge. Entscheidend ist auch, zu welchem Preis neuer Wohnraum auf den Markt kommt.
Auch diese Seite gehört zur Erklärung des Preisniveaus. Kleine Neubauwohnungen in Münster werden laut derselben aktuellen Auswertung im Schnitt für 6.924 Euro pro Quadratmeter zum Kauf angeboten. Eine 30-Quadratmeter-Wohnung kostet damit rechnerisch mehr als 207.000 Euro, noch bevor Kaufnebenkosten hinzukommen.
Das erklärt das scheinbare Paradox: Für Studierende können knapp 600 Euro nettokalt für 30 Quadratmeter enorm teuer sein – gleichzeitig weist die Auswertung für Eigentümer nur eine jährliche Bruttorendite von 3,4 Prozent aus. Hohe Mieten treffen in Münster auf ebenso hohe Immobilienpreise. Die Wohnungskrise lässt sich deshalb nicht allein auf besonders hohe Vermieter-Renditen reduzieren. Für Mieter ändert das am Ende allerdings wenig: Entscheidend ist, ob die monatliche Gesamtmiete ins Budget passt.
Das kommende Wintersemester beginnt an der Universität Münster am 1. Oktober 2026, die Vorlesungszeit startet am 12. Oktober. Wer noch keine Unterkunft hat, sollte die Suche deshalb nicht bis Oktober aufschieben. Beim Studierendenwerk kann man sich jederzeit online bewerben – Studienanfänger sogar bereits ohne Zulassungsbescheid oder Studienbescheinigung. Bis zu drei Wohnanlagen können ausgewählt werden.
Wer auf der Warteliste steht, muss zudem aufmerksam bleiben: Das Studierendenwerk verschickt regelmäßig Nachrichten zur Bestätigung des weiteren Interesses. Kommt ein Wohnraumangebot und wird es nicht angenommen beziehungsweise nicht beantwortet, kann die Bewerbung gelöscht werden. Parallel auf dem privaten Markt nach WG-Zimmern und Wohnungen zu suchen, bleibt deshalb sinnvoll. Gerade die aktuellen Zahlen zeigen: Bei der Wohnungssuche in Münster ist Zeit inzwischen fast genauso wichtig wie Geld.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu