Nach spätem Start in München: BFU untersucht Flug VN34

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Der Startzwischenfall mit einer Boeing 787 von Vietnam Airlines in München beschäftigt seit Samstag die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Flug VN34 nach Hanoi hob am 15. August 2026 auf der südlichen Startbahn 26L ungewöhnlich spät ab und kehrte nach mehr als zwei Stunden zum Flughafen zurück. Bestätigt sind Schäden an Reifen und Fahrwerk sowie leichte Schäden an der Anflugbefeuerung. Verletzt wurde niemand. Wie weit die Maschine tatsächlich über das reguläre Bahnende hinausrollte und warum sie so viel Startstrecke benötigte, ist weiterhin nicht geklärt.

Boeing 787 hob auf der Südbahn ungewöhnlich spät ab

Flug VN34 sollte am frühen Samstagnachmittag von München nach Hanoi starten. Eingesetzt wurde eine Boeing 787-9 mit dem Kennzeichen VN-A867. Der planmäßige Abflug war für 13.35 Uhr vorgesehen, Flugdaten verzeichnen den Start gegen 13.57 Uhr. Die Maschine beschleunigte auf der 4000 Meter langen südlichen Startbahn 26L. Nach Angaben des Flughafens brauchte sie ungewöhnlich lange, bis sie abhob, und erreichte einen Bereich, der von startenden Flugzeugen nur selten genutzt wird. Auf Videoaufnahmen ist dabei eine große Staubwolke zu sehen.

Das Luftfahrtportal Aviation Herald bezifferte die Strecke über das Bahnende hinaus auf etwa 120 Meter und berichtete, die Boeing sei erst im Bereich der ersten Anflugbefeuerung in die Luft gekommen. Diese Distanz ist bislang nicht behördlich bestätigt. Der Flughafen bestätigte gegenüber BR24 lediglich, dass bei einer anschließenden Kontrolle leichte Beschädigungen an der Anflugbefeuerung festgestellt wurden. Sie konnten demnach kurzfristig repariert werden. Auch ein in Luftfahrtberichten beschriebener Bodenkontakt des Heckbereichs ist bisher nicht durch BFU oder Flughafen abschließend bestätigt.

Warum Flug VN34 mehr als zwei Stunden über Bayern blieb

Nach dem Abheben setzte die Boeing ihren Flug nach Hanoi nicht fort. Vietnam Airlines erklärte, die Maschine sei wegen eines technischen Problems zum Ausgangsflughafen zurückgekehrt. Einzelheiten dazu nannte die Fluggesellschaft nicht. Nach Flugdaten blieb VN34 mehr als zwei Stunden in der Luft und flog zahlreiche Schleifen im Großraum München.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf Flightradar24, dass dabei Treibstoff verbraucht wurde. Das ist bei einer frühzeitigen Rückkehr eines für einen Langstreckenflug betankten Flugzeugs eine Möglichkeit, das Gewicht vor der Landung zu reduzieren. Aufnahmen und der Bericht einer Passagierin legen außerdem nahe, dass möglicherweise Treibstoff aktiv abgelassen wurde. Eine eindeutige behördliche Bestätigung für ein Fuel Dumping lag bis Sonntagabend jedoch nicht vor. Auch die Deutsche Flugsicherung veröffentlichte zunächst keine eigene detaillierte Darstellung des Flugverlaufs.

Vor der Landung wurde das Fahrwerk offenbar kontrolliert

Spezialisierte Luftfahrtportale berichten von zwei niedrigen Überflügen beziehungsweise Anflügen auf die nördliche Bahn 26R, bei denen das Fahrwerk vom Boden aus kontrolliert worden sein soll. Eine separate Bestätigung dieses Ablaufs durch die Deutsche Flugsicherung lag zunächst nicht vor. Gesichert ist, dass die Boeing anschließend auf der Nordbahn landete.

Auf Videoaufnahmen der Landung ist deutliche Rauchentwicklung im Bereich des Hauptfahrwerks zu sehen. Zudem lösten sich Teile von Reifen. Der Flughafen bestätigte Schäden an Reifen und Fahrwerk. Die genaue technische Schadensbilanz des Flugzeugs ist noch nicht veröffentlicht worden. Weitergehende Angaben aus sozialen Netzwerken über Beschädigungen am unteren Rumpf oder einzelnen Bauteilen des Heckbereichs sind bislang nicht offiziell bestätigt.

Boeing blieb nach der Landung auf der Nordbahn stehen

Die Landung selbst verlief nach Angaben von Vietnam Airlines sicher. Die Maschine konnte die nördliche Start- und Landebahn anschließend jedoch nicht mehr aus eigener Kraft verlassen. Die Passagiere wurden mit Bussen zum Terminal gebracht, später wurde auch das Gepäck ausgeladen. Verletzte gab es nach Angaben des Flughafens und der Airline nicht.

Das Flugzeug konnte erst gegen Mitternacht abgeschleppt und in einen Hangar gebracht werden. Auf der Bahn mussten anschließend Reifenteile entfernt und Beschädigungen beseitigt werden. Währenddessen lief der Flugverkehr über die südliche Start- und Landebahn. Nach Angaben des Flughafens kam es in der Nacht noch zu Verspätungen. Seit Sonntag gegen 7 Uhr war auch die Nordbahn wieder uneingeschränkt nutzbar. Größere Auswirkungen auf den Flugbetrieb am Sonntag wurden nicht mehr gemeldet.

Zahl von 259 Menschen an Bord nicht offiziell bestätigt

In verschiedenen Veröffentlichungen und Beiträgen in sozialen Netzwerken wird eine Zahl von 259 Menschen an Bord genannt. Eine Bestätigung dieser Zahl durch Vietnam Airlines, den Flughafen München oder die BFU lag bis Sonntagabend nicht vor. Andere Berichte sprechen von rund 280 Passagieren. Damit lässt sich die genaue Zahl der Insassen derzeit nicht belastbar angeben.

Eine Passagierin schilderte dem Münchner Merkur, dass die Reisenden vor der Rückkehr auf eine mögliche schwierige Landung vorbereitet worden seien. Demnach mussten sie unter anderem ihre Schuhe ausziehen und die vorgeschriebene Schutzposition einnehmen. Sie berichtete außerdem von großer Angst während der Vorbereitung auf die Landung. Diese Angaben stammen aus der persönlichen Darstellung einer Reisenden und beschreiben die Situation in der Kabine, lassen aber keine Rückschlüsse auf die Ursache des Zwischenfalls zu.

Vietnam Airlines spricht von technischem Problem

Vietnam Airlines erklärte nach dem Vorfall, die Besatzung habe die vorgeschriebenen Verfahren eingehalten und sei sicher nach München zurückgekehrt. Die Fluggesellschaft bezeichnete den Anlass für die Rückkehr allgemein als technisches Problem, ohne dessen Art zu benennen. Die Maschine werde gemeinsam mit den zuständigen Stellen untersucht.

Die Airline kümmerte sich nach eigenen Angaben um die Weiterreise der betroffenen Passagiere und entschuldigte sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Wann die Maschine wieder eingesetzt werden kann, hing zunächst von der technischen Untersuchung und den erforderlichen Reparaturen ab.

BFU untersucht Startleistung, Schäden und Flugverlauf

Der Flughafen München teilte mit, dass die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung eingeschaltet wurde. Der Vorfall werde als Flugunfall untersucht. Die BFU ist die deutsche Bundesbehörde zur Untersuchung von Unfällen und schweren Störungen im zivilen Luftverkehr. Ihr gesetzlicher Zweck ist die Verbesserung der Flugsicherheit und die Verhinderung vergleichbarer Ereignisse. Ihre Untersuchungen dienen ausdrücklich nicht dazu, Schuld oder Haftung festzustellen.

Bei solchen Untersuchungen werden unter anderem Spuren am Flugzeug und am Flughafen gesichert, technische Unterlagen ausgewertet und aufgezeichnete Flugdaten untersucht. Hinzukommen können Angaben von Beteiligten, Wetterdaten, Funkaufzeichnungen sowie Wartungs- und Betriebsunterlagen. Welche Flugschreiber oder weiteren Daten die BFU bereits gesichert hat, wurde zunächst nicht öffentlich mitgeteilt.

Mehrere technische Faktoren müssen voneinander getrennt werden

Für die Startleistung eines Großraumflugzeugs sind grundsätzlich zahlreiche Werte entscheidend. Dazu zählen die tatsächliche Startmasse und Schwerpunktlage, die berechneten Startgeschwindigkeiten, die Klappenstellung, die gewählte Triebwerksleistung sowie Wind, Temperatur und Zustand der Startbahn. Auch der Zeitpunkt, zu dem die Flugzeugnase angehoben wird, und die tatsächliche Beschleunigung lassen sich anhand der aufgezeichneten Daten untersuchen.

Keiner dieser Faktoren ist bislang als Ursache des Vorfalls identifiziert. Ebenso ist offen, wann genau die Schäden an Reifen und Fahrwerk entstanden und ob sie Ursache, Folge oder unabhängig vom ungewöhnlich langen Startlauf waren. Erst der Abgleich der technischen Daten mit den Spuren am Flugzeug und an der Startbahn kann darüber Aufschluss geben. Eine Schuldzuweisung an Besatzung, Airline oder Technik ist nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nicht möglich.

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