900 Tonnen Stahl am Kanal: Das steckt hinter Münsters neuer Großbaustelle

Am Dortmund-Ems-Kanal in Münster entsteht eine neue Liegestelle. Fast 900 Tonnen Stahl und mehr als 30.000 Kubikmeter Baggergut sind nötig.
Symbolbild: Caroline Muffert

Teilen:

Münster. Zwischen Hafen und Albersloher Weg entsteht eine der auffälligsten Baustellen der kommenden Jahre in Münster. Was auf den ersten Blick nach einer gewöhnlichen Erneuerung des Kanalufers aussieht, ist tatsächlich ein Millionenprojekt des Bundes: Der Dortmund-Ems-Kanal wird verbreitert, eine neue Liegestelle für Berufs- und Freizeitschifffahrt gebaut und die Uferbefestigung aufwendig erneuert. Neue Vergabeunterlagen zeigen nun, welche Dimension die Arbeiten haben. Fast 900 Tonnen Spundbohlen werden benötigt, mehr als 30.000 Kubikmeter Material sollen im Kanal gebaggert werden. Fertig werden soll das Projekt 2028.

Anzeige

Neue Liegestelle am Dortmund-Ems-Kanal in Münster

Bauherr ist die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Nach Angaben des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Westdeutsche Kanäle soll die neue Anlage die Liegemöglichkeiten auf der Stadtstrecke Münster verbessern.

Vorgesehen sind rund 350 Meter für die gewerbliche Schifffahrt. Da Großmotorgüterschiffe häufig zwischen etwa 85 und 110 Meter lang sind, können dort künftig mehrere Frachtschiffe gleichzeitig festmachen. Hinzu kommt ein rund 70 Meter langer Bereich für die Freizeitschifffahrt.

Solche Liegestellen sind Teil der Infrastruktur einer Bundeswasserstraße. Berufsschiffer benötigen sie unter anderem, um vorgeschriebene Ruhezeiten einzuhalten oder Zeiten zu überbrücken, in denen Schleusen nicht betrieben werden.

Anzeige

Fast 900 Tonnen Stahl werden am Kanalufer verbaut

Wie groß der Eingriff tatsächlich wird, zeigen die Unterlagen des öffentlichen Vergabeverfahrens. Allein 897,76 Tonnen Spundbohlen sollen für das Projekt geliefert werden. Vorgesehen ist, mehr als 6.700 Quadratmeter neue Spundwand an Land und im Wasser einzubringen. Weitere Spundwände müssen aus dem Bestand gezogen oder teilweise zurückgebaut werden.

Hintergrund ist die geplante Verbreiterung des Dortmund-Ems-Kanals. Eine neue Spundwand wird parallel zur bisherigen Uferlinie weiter landeinwärts errichtet. Der dadurch gewonnene Raum wird Teil des künftigen Kanalprofils.

Zur Ausstattung gehören laut Vergabeunterlagen außerdem 29 Steigeleitern, etwa 140 Meter Stahlgeländer, mehr als 800 Meter Spundwandholm sowie zahlreiche Anker, mit denen die neue Konstruktion gesichert wird.

Mehr als 30.000 Kubikmeter werden aus dem Kanal gebaggert

Auch die Erd- und Baggerarbeiten fallen wesentlich umfangreicher aus, als die zunächst genannten rund 15.000 Kubikmeter Bodenbewegung vermuten lassen. Tatsächlich weist das Leistungsverzeichnis 15.143,5 Kubikmeter Bodenbewegungen aus. Zusätzlich sind aber rund 30.805,5 Kubikmeter Nassbaggerung vorgesehen.

Hinzu kommen unter anderem Stützböschungen aus Wasserbausteinen, Schotterböschungen und umfangreiche Arbeiten an der Kanalsohle. Auf mehr als 8.500 Quadratmetern soll eine neue Sohlsicherung aus Geotextilien und Wasserbausteinen hergestellt werden. Auf weiteren Flächen werden Wasserbausteine teilweise oder vollständig vergossen.

Damit handelt es sich nicht lediglich um den Bau eines neuen Anlegeplatzes. Über mehrere hundert Meter wird die technische Struktur des Kanalufers umfassend verändert.

Kampfmittelsondierung auf rund 13.000 Quadratmetern

Bevor und während der Arbeiten muss auch der Untergrund genauer untersucht werden. Im Auftrag ist eine Kampfmittel-Oberflächendetektion auf rund 13.000 Quadratmetern vorgesehen. Das bedeutet nicht, dass dort bereits Kampfmittel entdeckt wurden. Die Untersuchung ist Bestandteil der für das Bauvorhaben ausgeschriebenen Arbeiten.

Auf rund 11.850 Quadratmetern muss zudem Baugelände abgeräumt werden. Die Ausschreibung weist für diesen Bereich Boden mit einem Bauschuttanteil von mehr als 20 Prozent aus. Auch bestehende Oberflächen verschwinden zunächst: Mehr als 2.500 Quadratmeter Asphalt sowie knapp 1.400 Quadratmeter Pflaster- und Betonflächen werden aufgenommen. Anschließend entstehen neue Asphalt- und Pflasterflächen.

Bauauftrag liegt bei rund 12,6 Millionen Euro

Der große Wasserbauauftrag ist inzwischen vergeben. Den Zuschlag erhielt die Johann Bunte Bauunternehmung SE & Co. KG. Vier Angebote waren im Vergabeverfahren eingegangen. Die Auswahl des Unternehmens und der Vertragsabschluss erfolgten nach der europäischen Zuschlagsbekanntmachung am 4. Mai 2026. Der Wert des erfolgreichen Angebots wird mit rund 12,6 Millionen Euro angegeben.

Die ursprüngliche Kostenschätzung für diesen Bauauftrag hatte bei rund 10,53 Millionen Euro netto gelegen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt beziffert die Kosten des Gesamtprojekts gegenüber unserer Redaktion auf rund 15 Millionen Euro. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Differenz zwischen Bauauftrag und Gesamtkosten liegt bislang nicht vor.

Für die eigentlichen Bauleistungen ist in der Vergabe eine Laufzeit von 24 Monaten vorgesehen.

Auch eine neue Umschlagstelle gehört zum Auftrag

Ein bislang weniger bekannter Bestandteil des Projekts findet sich ebenfalls in den Ausschreibungsunterlagen. Neben der Liegestelle soll eine Umschlagstelle in Spundwandbauweise neu errichtet werden. Zudem muss ein vorhandenes Wasserentnahmebauwerk an die neue Spundwand angeschlossen werden.

Welche konkrete betriebliche Funktion die Umschlagstelle später übernehmen soll, wird in der öffentlichen Vergabebekanntmachung nicht näher erläutert. Sie ist jedoch ausdrücklich Bestandteil des vergebenen Wasserbauauftrags.

Der Kernbereich der Ausschreibung wird mit Dortmund-Ems-Kanal-Kilometer 67,390 bis 67,720 am linken Ufer angegeben. Die vom WSA genannte spätere Liegefläche reicht darüber hinaus über unterschiedliche Nutzungs- und Anschlussbereiche.

Die Planung für den Kanalausbau stammt bereits aus dem Jahr 2008

Bemerkenswert ist auch die Vorgeschichte. Die jetzt beginnenden Arbeiten beruhen nicht auf einer neuen Entscheidung. In den aktuellen Planungsunterlagen der Stadt Münster wird ausdrücklich auf einen Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2008 verwiesen. Schon damals wurde der Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals im betroffenen Bereich genehmigt – einschließlich einer Verbreiterung des Kanalquerschnitts und der Errichtung einer Liegestelle.

Damit wird 2026 ein Vorhaben sichtbar, dessen planungsrechtliche Grundlagen bereits vor rund 18 Jahren geschaffen wurden.

Der damalige Ausbau betrifft einen größeren Abschnitt der Münsteraner Stadtstrecke. Auch die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt führt für den Bereich zwischen DEK-Kilometer 66,175 und 68,550 ein entsprechendes Ausbauvorhaben.

Hafenviertel verändert sich gleichzeitig grundlegend

Die Bundesbaustelle trifft auf einen Bereich, der sich auch städtebaulich stark verändern soll. Die Stadt Münster arbeitet weiterhin am Bebauungsplan Nr. 541 für das Gebiet zwischen Stadthafen I, Dortmund-Ems-Kanal und Albersloher Weg. Das frühere Industrie- und Gewerbeareal südlich des Stadthafens soll schrittweise neu geordnet werden.

Die städtischen Planungen sehen unter anderem eine stärkere öffentliche Belebung des Bereichs südlich des Stadthafens vor. An der sogenannten Hafenspitze soll eine öffentliche Grünfläche entstehen. Gleichzeitig bleiben der Kraftwerkstandort und Erweiterungsmöglichkeiten für die Energieversorgung gesichert.

Die Kanalbaustelle und die städtebauliche Entwicklung laufen damit unmittelbar nebeneinander – und müssen aufeinander abgestimmt werden.

Stadt Münster will keinen reinen Betriebsweg am Wasser

Genau deshalb spielt auch die Gestaltung der späteren Oberfläche eine Rolle. Nach Angaben des WSA ist die technische Ausführung von Liegestellen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung grundsätzlich standardisiert. Die Stadt Münster möchte jedoch verhindern, dass der Bereich nach Abschluss der Arbeiten wie ein rein technischer Betriebsweg aussieht.

Die Pflasterung soll sich deshalb stärker am Erscheinungsbild der bereits gestalteten Hafenpromenade orientieren. Für die höherwertige Ausführung wollte die Stadt nach dem Planungsstand von 2025 rund 90.000 Euro übernehmen.

Das ist städtebaulich nicht nebensächlich: Die neue Spundwand wird künftig gleichzeitig Bundeswasserstraße, Schiffsanleger und Kante eines sich weiterentwickelnden Hafenquartiers sein.

Baustelle soll bis 2028 das Bild am Hafen prägen

Bis zum dritten Quartal 2028 sollen die Arbeiten nach Angaben des WSA abgeschlossen sein. Damit wird der mehr als 400 Meter lange Bereich am Hafengrenzweg über einen langen Zeitraum von Baustelleneinrichtungen, schweren Maschinen und Wasserbauarbeiten geprägt sein.

Nach Abschluss will die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung Flächen, die nicht dauerhaft für Betrieb und Unterhaltung der Liegestelle benötigt werden, wieder abgeben. Was anschließend unmittelbar hinter der neuen Kanalkante entstehen kann, hängt auch von der weiteren Stadtplanung ab.

Fest steht bereits jetzt: Am Dortmund-Ems-Kanal entsteht nicht einfach nur ein neuer Parkplatz für Schiffe. Mit zehntausenden Kubikmetern Baggergut, fast 900 Tonnen Stahl und einem Millionenauftrag greift der Bund tief in die Uferstruktur ein – und schafft zugleich eine neue Kante für einen Teil Münsters, der sich in den kommenden Jahren stark verändern dürfte.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu