
Münster wächst nicht mehr einfach weiter. 2025 ist die Einwohnerzahl gesunken – und in der amtlichen Statistik zeigt sich dabei eine Entwicklung, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gab: Erstmals seit 1999 zogen mehr Menschen aus Münster fort, als neu in die Stadt kamen. Gleichzeitig sterben bereits seit 2022 mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Dennoch nennen Stadt und IT.NRW für Münster zwei deutlich unterschiedliche Einwohnerzahlen.
Nach der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung lebten Ende 2025 genau 306.368 Menschen in Münster. Ende 2024 waren es noch 308.258. Die Einwohnerzahl sank damit innerhalb eines Jahres um 1.890 Personen. 2025 wurden 2.569 Kinder geboren, gleichzeitig starben 2.771 Menschen. Das ergibt ein Geburtendefizit von 202 Personen. Dazu kamen 20.415 Zuzüge und 22.211 Fortzüge. Unter dem Strich verließen damit 1.796 Menschen mehr die Stadt, als neu nach Münster zogen.
Ein solcher Wanderungsverlust ist für Münster ungewöhnlich. Zuletzt hatte es 1999 mehr Fortzüge als Zuzüge gegeben. Von 2000 bis 2024 fiel die Bilanz jedes Jahr positiv aus. 2025 änderte sich das erstmals wieder. Hinzu kommt die natürliche Bevölkerungsentwicklung: Seit 2022 werden in Münster jedes Jahr mehr Sterbefälle als Geburten registriert. Damit wirkten 2025 zwei Entwicklungen gleichzeitig in Richtung Bevölkerungsrückgang.
Die Stadt selbst weist eine deutlich höhere Zahl aus. Ende 2025 waren laut Melderegister 320.728 Menschen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Münster gemeldet. Ein Jahr zuvor waren es noch 322.715. Auch hier ergibt sich also ein Rückgang – um 1.987 Personen.
Dass die beiden offiziellen Zahlen so weit auseinanderliegen, hat mit den unterschiedlichen Berechnungen zu tun. IT.NRW betrachtet grundsätzlich die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Die Stadt berücksichtigt zusätzlich Menschen mit Nebenwohnsitz und arbeitet direkt mit dem Melderegister. Deshalb können beide Zahlen offiziell sein, ohne dass eine davon falsch ist.
Auch bei der Wanderungsbilanz unterscheiden sich die Statistiken deutlich. Während IT.NRW für 2025 ein Minus von 1.796 Personen ausweist, kommt das städtische Melderegister auf einen Zuzugsgewinn von 2.449 Menschen. Der Rückgang der städtischen Einwohnerzahl lässt sich deshalb nicht mit einer Abwanderungswelle erklären.
Entscheidend waren dort vor allem Bereinigungen des Melderegisters. Für 2025 wurden sogenannte sonstige Bevölkerungsverluste von 4.207 Personen erfasst. Dazu gehören beispielsweise Abmeldungen von Amts wegen oder Korrekturen bei nicht mehr aktuellen Wohnsitzen. Diese Veränderungen drücken die städtische Einwohnerzahl, obwohl gleichzeitig mehr Zuzüge als Fortzüge registriert wurden.
Trotz der unterschiedlichen Berechnungen kommen beide Statistiken zum selben Ergebnis: Münster hatte Ende 2025 weniger Einwohner beziehungsweise gemeldete Personen als ein Jahr zuvor. Besonders auffällig ist die Entwicklung in der amtlichen Statistik. Dort gibt es seit 2022 mehr Sterbefälle als Geburten, 2025 kam erstmals seit 1999 wieder ein negativer Wanderungssaldo hinzu.
Die städtischen Melderegisterzahlen zeigen dagegen, dass der Rückgang dort vor allem durch Bereinigungen beeinflusst wurde. Wer Münsters Einwohnerzahl nennt, muss deshalb unterscheiden, auf welche der beiden Statistiken sich die Zahl bezieht.
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