Fahrradstadt mit wachsendem Autobestand: 2.670 Pkw mehr in Münster

2.000 Fans und 800 Autos: Ein Treffen der Autotuning-Szene in Münster sorgte für Verkehrsprobleme und Diskussionen. Zwei junge Männer lieferten sich ein illegales Autorennen in Hörstel. Die Polizei beschlagnahmte Fahrzeuge und Führerscheine. Ein Strafverfahren läuft.
Foto: Patrick Fusenich

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Der Pkw-Bestand in Münster entwickelt sich auf den ersten Blick überraschend: Obwohl die Stadt beim Radverkehr bundesweit eine Sonderstellung einnimmt, waren Anfang 2026 insgesamt 2.670 mehr private Autos zugelassen als sieben Jahre zuvor. Das zeigt eine neue Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf Basis von Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes. Die Zahlen lassen sich mit der amtlichen Münster-Statistik nachvollziehen – und zeigen zugleich, dass hinter dem Wachstum mehr steckt als nur zusätzliche Privatautos. 

Die von der DUH veröffentlichte Vergleichsgrafik umfasst 105 deutsche Städte und führt auch Münster mit einem gestiegenen privaten Pkw-Bestand auf. Grundlage sind KBA-Daten zu den Stichtagen 1. Januar 2019 und 1. Januar 2026. DUH-Grafik_PKW-Bestand DUH-Grafik_PKW-Bestand

So kommen die 2.670 zusätzlichen Privatautos zustande

Zum 1. Januar 2019 waren in Münster insgesamt 145.681 Pkw zugelassen. Davon entfielen 22.993 auf gewerbliche Halter. Anfang 2026 waren es insgesamt 153.225 Pkw, darunter 27.867 gewerblich zugelassene Fahrzeuge. 

Aus diesen Zahlen ergibt sich nach derselben Methode, die auch die DUH verwendet: 2019 waren rechnerisch 122.688 Pkw privat zugelassen, 2026 waren es 125.358. Das entspricht einem Anstieg um 2.670 Fahrzeuge beziehungsweise rund 2,2 Prozent.

Interessant ist dabei ein zweiter Wert: Der gesamte Pkw-Bestand in Münster wuchs seit 2019 um 7.544 Fahrzeuge. Der größere Teil dieses Zuwachses entfällt damit nicht auf private, sondern auf gewerbliche Zulassungen. Deren Zahl stieg im gleichen Zeitraum um 4.874 beziehungsweise gut 21 Prozent. Die Stadt weist ausdrücklich darauf hin, dass gewerblich in Münster zugelassene Fahrzeuge nicht zwangsläufig auch dauerhaft in Münster eingesetzt werden. 

Münster hat trotzdem vergleichsweise wenige Autos pro Einwohner

Der gestiegene Bestand ändert nichts daran, dass Münster bei der Pkw-Dichte innerhalb Nordrhein-Westfalens vergleichsweise niedrig liegt. Nach Angaben der Stadt kamen Anfang 2026 insgesamt 497 zugelassene Pkw auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Im NRW-Durchschnitt waren es 591.

Unter den kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen hatten zu diesem Zeitpunkt nur Gelsenkirchen mit 475, Duisburg mit 482 und Köln mit 490 Pkw je 1.000 Einwohner einen niedrigeren Wert. Münster lag damit auf dem viertniedrigsten Niveau. Diese Kennzahl umfasst allerdings sämtliche Pkw einschließlich gewerblicher Fahrzeuge und ist deshalb nicht mit dem von der DUH betrachteten privaten Bestand gleichzusetzen. 

Bundesweit ist der Trend aus der DUH-Auswertung deutlich: In 93 der 105 untersuchten Städte nahm die Zahl der privaten Pkw seit 2019 zu. Insgesamt kamen nach Berechnung der Organisation rund 250.000 Fahrzeuge hinzu. In Nordrhein-Westfalen verzeichnete keine der untersuchten Städte einen Rückgang. Besonders hoch war der absolute Zuwachs in Köln mit 13.139 Fahrzeugen, gefolgt von München, Duisburg und Dortmund. 

Das Auto bleibt auch in der Fahrradstadt wichtig

Die Zulassungszahlen stehen neben einer Besonderheit des Münsteraner Verkehrs: Nach der jüngsten Mobilitätsbefragung werden 74 Prozent der Wege innerhalb der Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Allein das Fahrrad erreicht einen Anteil von 47 Prozent. Gleichzeitig nutzen sieben von zehn Haushalten mindestens ein Auto, jeder fünfte Haushalt verfügt über mehr als eines. 

Hinzu kommt die starke Verflechtung mit dem Umland. An einem Werktag pendeln laut Stadt mehr als 93.000 Menschen nach Münster ein. Bei Wegen über die Stadtgrenze hinweg werden 70 Prozent der Fahrten mit dem Auto zurückgelegt. Der Bestand der in Münster zugelassenen Autos bildet deshalb nur einen Teil der tatsächlichen Verkehrsbelastung ab. Umgekehrt bedeutet ein in Münster gemeldeter Pkw nicht automatisch, dass dieses Fahrzeug täglich in der Innenstadt unterwegs ist.

Mehr Autos, aber deutlich mehr Elektro- und Hybridfahrzeuge

Parallel zur Zahl der Fahrzeuge verändert sich die Zusammensetzung des Münsteraner Pkw-Bestands. Anfang 2026 waren 8.703 reine Elektroautos zugelassen. Ein Jahr zuvor waren es 7.122 – ein Plus von gut 22 Prozent. Die Zahl der Hybridfahrzeuge stieg im selben Zeitraum von 11.540 auf 13.804. 

Gleichzeitig sank die Zahl der Benziner binnen eines Jahres auf 85.428, die der Diesel-Pkw auf 44.040. Elektro-, Hybrid- und sonstige Antriebe machten Anfang 2026 zusammen fast 15 Prozent des gesamten Pkw-Bestands aus. Fünf Jahre zuvor lag ihr Anteil nach Angaben der Stadt noch bei 4,5 Prozent. Der wachsende Fahrzeugbestand bedeutet damit nicht zugleich, dass auch die Zahl klassischer Benzin- und Dieselautos weiter steigt. 

Parken in Münster ist bereits deutlich teurer geworden

Die Deutsche Umwelthilfe verbindet ihre Auswertung mit Forderungen an die kommunale Verkehrspolitik. Sie verlangt unter anderem mehr Parkraumbewirtschaftung, weniger Stellplätze im öffentlichen Straßenraum und einen weiteren Ausbau von Bus, Bahn, Fuß- und Radverkehr. Für Bewohnerparkausweise fordert die Organisation bundesweit mindestens 360 Euro pro Jahr. 

Münster setzt bereits Teile einer stärker gesteuerten Parkraumpolitik um, allerdings nicht in der von der DUH geforderten Höhe. Ein Bewohnerparkausweis kostet derzeit 260 Euro im Jahr. Seit Januar 2026 kostet die erste Stunde in der zentralen Parkzone I 3,50 Euro; jede weitere halbe Stunde schlägt mit 1,50 Euro zu Buche. Die Stadt begründet die höheren Gebühren unter anderem damit, Parkhäuser attraktiver zu machen und Straßen im Innenstadtbereich zu entlasten. 

Grundlage der langfristigen Verkehrsplanung ist der 2024 vom Rat beschlossene Masterplan Mobilität Münster 2035+. Er sieht eine weitere Stärkung von Fußverkehr, Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr sowie die Weiterentwicklung des Parkraumkonzepts vor. 

Die entscheidende Zahl für Münster ist kleiner als der Gesamtanstieg

Die neue DUH-Auswertung liefert damit vor allem einen klar abgegrenzten Befund: Die Zahl der privat zugelassenen Pkw in Münster ist zwischen 2019 und 2026 um 2.670 Fahrzeuge gestiegen. Das sind rund 2,2 Prozent.

Für die Bewertung der Verkehrssituation reicht diese Zahl allein allerdings nicht aus. Münster verfügt gleichzeitig über einen sehr hohen Radverkehrsanteil, eine vergleichsweise geringe Pkw-Dichte und einen starken Einpendlerverkehr. Zudem stammt ein beträchtlicher Teil des gesamten Zulassungswachstums der vergangenen Jahre aus dem gewerblichen Bereich. Genau diese Unterschiede sind wichtig, wenn aus einer bundesweiten Autostatistik auf die tatsächliche Situation auf Münsters Straßen geschlossen werden soll.

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