
Eigentlich sollte das Glücksgefühle-Festival 2026 am Hockenheimring nach dem Willen der Veranstalter möglichst „unpolitisch“ bleiben. Am Ende wurde ausgerechnet der Streit um politische Äußerungen der Münsteraner Band Alphaville zu einem der bestimmenden Themen des gesamten Wochenendes. Zahlreiche Künstler solidarisierten sich mit der Band, spielten deren Welthit „Forever Young“ oder nutzten ihre Auftritte für eigene politische Botschaften. Bei David Guetta sangen nach dpa-Angaben am Samstagabend rund 100.000 Menschen den Song mit.
Ausgangspunkt war der geplante Auftritt von Alphaville beim Glücksgefühle-Festival. Die Veranstalter Markus Krampe und Lukas Podolski wollten politische Äußerungen auf den Bühnen vermeiden. Hintergrund waren Aussagen von Alphaville-Sänger Marian Gold bei früheren Veranstaltungen, bei denen er sich unter anderem gegen rechtsradikale Tendenzen sowie für Freiheit, Toleranz und Demokratie ausgesprochen hatte.
Für den Auftritt am Hockenheimring sollte Alphaville deshalb nach übereinstimmenden Medienberichten auf politische Statements verzichten. Weil darüber keine Einigung erzielt wurde, wurde die Band zunächst ausgeladen. Gold reagierte deutlich und kritisierte die Forderung als Einschränkung von Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit. Er sprach von einem „Maulkorberlass“. Nach erheblicher öffentlicher Kritik ruderte Krampe zurück, entschuldigte sich und lud Alphaville erneut ein. Seine ursprüngliche Entscheidung bezeichnete er später selbst als „superdämlich“.
Alphaville nahm die Entschuldigung zur Kenntnis, entschied sich jedoch gegen eine Rückkehr auf die Festivalbühne. Nach Darstellung der Band habe die vorausgegangene Auseinandersetzung eine Atmosphäre geschaffen, unter der ein Auftritt nicht mehr infrage komme. Die vorgesehene Gage soll stattdessen an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden.
Mit dem Rückzug von Alphaville war die Debatte allerdings keineswegs beendet. Im Gegenteil: „Forever Young“ entwickelte sich während des Festivals zu einem wiederkehrenden Zeichen der Solidarität. DJ Alle Farben spielte den Titel bereits bei der Pre-Party am Donnerstag. Tom Gregory eröffnete am Freitag sein Set damit, auch Nura griff den Song auf und machte deutlich, dass es bei ihren Auftritten keine grundsätzlich unpolitische Show gebe.
Am Samstag setzte sich die Aktion fort. Nach Angaben des SWR gehörten unter anderem Max Giesinger und David Guetta zu den Künstlern, die den Alphaville-Klassiker aufgriffen. Damit war „Forever Young“ schließlich auf allen drei Festivalbühnen zu hören. Besonders auffällig war Guettas Auftritt: Nach dpa-Angaben sangen rund 100.000 Festivalbesucher bei seiner Version mit. Mark Forster bezeichnete den Titel während des Wochenendes sogar als „Nationalhymne Hockenheims“.
Auch abseits von „Forever Young“ äußerten sich zahlreiche Acts politisch. Marteria sprach sich für Freiheit, Toleranz und demokratische Werte aus. Felix Jaehn kritisierte die Vorstellung einer unpolitischen Kunst und kündigte ein eigenes Statement an. Beauty & the Beats sagte seinen Auftritt vollständig ab und begründete dies unter anderem mit dem Umgang der Veranstalter mit politischen Äußerungen.
Nach Angaben des SWR nutzten außerdem Zartmann, Mark Forster, Ski Aggu und Culcha Candela ihre Auftritte für entsprechende Botschaften. Die No Angels trugen demnach Shirts mit der Aufschrift „FCK AFD“. Mia Julia sprach sich für Toleranz, Vielfalt und freie Liebe aus, zeigte zugleich jedoch Verständnis für die ursprüngliche Absicht der Veranstalter, den Besuchern ein Festival abseits des politischen Alltags bieten zu wollen.
Das vierte Glücksgefühle-Festival lief vom 3. bis 6. September am Hockenheimring. Mehr als 50 Acts traten auf drei Bühnen auf. Nach Angaben des Veranstalters kamen über das Wochenende rund 250.000 Besucher. Diese Zahl stammt vom Festival selbst und ist nicht unabhängig bestätigt.
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