Bosch baut Tausende Stellen ab und neue Standorte geraten unter Druck

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Der Stellenabbau beim Technologiekonzern Bosch bleibt auch 2026 eines der größten Restrukturierungsprogramme in der deutschen Automobilindustrie. In der Mobility-Sparte sollen nach dem bislang kommunizierten Stand rund 22.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Diese Größenordnung setzt sich aus mehreren seit Ende 2023 angekündigten Programmen zusammen. Allein im September 2025 hatte Bosch einen zusätzlichen Abbaubedarf von rund 13.000 Stellen insbesondere an deutschen Mobility-Standorten genannt.

Anzeige

Inzwischen haben Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretungen für zahlreiche betroffene Standorte Vereinbarungen geschlossen. An mehreren Orten konnte der ursprünglich geplante Stellenabbau reduziert werden. Eine aktuelle Gesamtsumme nach Abschluss dieser Verhandlungen hat Bosch jedoch nicht veröffentlicht. Gleichzeitig sind 2026 neue Konflikte hinzugekommen. Im Nürnberger Werk etwa laufen Auseinandersetzungen über die Zukunft des Standorts mit rund 1.700 bis 1.800 Beschäftigten. Eine konkrete zusätzliche Abbauzahl steht dort bislang nicht fest.

Damit ist beim Bosch Stellenabbau 2026 zwischen bereits beschlossenen beziehungsweise ausgehandelten Maßnahmen und möglichen weiteren Einschnitten zu unterscheiden. Eine bestätigte neue Gesamtzahl oberhalb der bislang genannten rund 22.000 Stellen lag Anfang September nicht vor.

Feuerbach, Schwieberdingen und weitere Werke besonders betroffen

Zu den größten ursprünglich angekündigten Einschnitten gehört Stuttgart-Feuerbach. Bosch hatte im September 2025 für den Standort einen Abbau von rund 3.500 Stellen bis Ende 2030 vorgesehen, davon etwa 1.500 im Werk für Antriebskomponenten. Betroffen sind außerdem Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung.

Anzeige

Für Schwieberdingen hatte Bosch einen Anpassungsbedarf von rund 1.750 Stellen bis Ende 2030 genannt. Dort betreffen die Pläne unter anderem Entwicklung, Einkauf, Verwaltung und Vertrieb in den Bereichen Power Solutions, Electrified Motion und Mobility Electronics.

In Waiblingen wird die Produktion von Verbindungstechnik nach den bisherigen Planungen bis Ende 2028 beendet. Davon sind rund 560 Beschäftigte betroffen. Bosch begründet die Maßnahme mit seit Jahren rückläufigen Produktionsmengen und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit des Werks.

Für Bühl und Bühlertal hatte das Unternehmen zunächst rund 1.550 wegfallende Stellen bis Ende 2030 vorgesehen. Nach Verhandlungen von Betriebsrat, IG Metall und Unternehmen wurde die Zahl im Januar 2026 nach Angaben der IG Metall auf rund 1.200 reduziert. Am Standort werden unter anderem elektrische Kleinantriebe für die Automobilindustrie entwickelt und produziert.

Auch im saarländischen Homburg hatte Bosch ursprünglich den Abbau von rund 1.250 Stellen bis Ende 2030 angekündigt. Hintergrund sind nach Angaben des Konzerns unter anderem der stagnierende Fahrzeugmarkt, der sinkende Dieselanteil und ein langsamerer Hochlauf des Wasserstoffgeschäfts als früher erwartet.

Betriebsräte erreichen an mehreren Standorten Zugeständnisse

Bei den Verhandlungen über die einzelnen Programme haben Betriebsräte und IG Metall teilweise niedrigere Abbauzahlen und längere Beschäftigungssicherungen erreicht.

In Reutlingen und Kusterdingen sollte die Beschäftigtenzahl nach den ursprünglichen Planungen um rund 1.100 Stellen sinken. Betriebsrat und IG Metall teilten im Januar 2026 mit, dass der geplante Abbau auf 950 Stellen bis Ende 2029 reduziert worden sei. Außerdem wurden Investitionen und Perspektiven für den Standort vereinbart.

Auch in Bühl wurde die ursprünglich vorgesehene Zahl deutlich gesenkt. Nach Angaben der IG Metall sollen dort statt 1.700 zuletzt noch rund 1.200 Arbeitsplätze betroffen sein. Zudem wurden Regelungen zur Übernahme eines großen Teils der Auszubildenden und ein Zukunftsfonds für neue Projekte vereinbart.

Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Bosch-Zuliefersparte, Frank Sell, erklärte im März, dass für nahezu alle betroffenen Standorte Vereinbarungen erzielt worden seien. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings nicht bekannt, um wie viele Stellen sich das Gesamtvolumen durch die Verhandlungen tatsächlich reduziert hatte.

Bosch setzt beim Personalabbau vor allem auf freiwillige Instrumente. Dazu gehören Altersteilzeit, Vorruhestandsmodelle und Abfindungsprogramme. Vereinbarungen zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gelten abhängig von Standort und Geschäftsbereich unterschiedlich lange.

Nürnberg wird zum neuen Konfliktfall

Noch nicht Bestandteil einer belastbaren zusätzlichen Gesamtzahl ist die Entwicklung am Bosch-Werk Nürnberg. Dort arbeiten nach Angaben des Unternehmens rund 1.800 Menschen. Das Werk gehört zur Mobility-Sparte und produziert unter anderem Hochdruckpumpen für Benzineinspritzsysteme sowie Komponenten für Wasserstofftechnik und Brennstoffzellensysteme.

Die bestehende Vereinbarung zur Standortsicherung läuft Ende 2026 aus. Betriebsrat und IG Metall erklärten im Juli, Bosch prüfe verschiedene Szenarien für das Werk, darunter einen erheblichen Personalabbau. Nach Darstellung der Arbeitnehmervertreter sei auch eine langfristige Schließung nicht ausgeschlossen, falls keine neuen Produkte an den Standort kommen.

Bosch bestätigte gegenüber Medien, dass Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung über die künftige Standortsicherung geführt werden sollen. Eine konkrete Zahl für mögliche Stellenstreichungen hat das Unternehmen für Nürnberg bislang nicht veröffentlicht. Deshalb lässt sich der dort diskutierte Abbau nicht seriös zu den rund 22.000 Stellen addieren.

Bosch kämpft mit Kosten und schwachem Automobilgeschäft

Die Restrukturierung trifft Bosch in einer Phase schwacher Profitabilität. Der Konzern erzielte 2025 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 91,0 Milliarden Euro nach 90,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Die operative EBIT-Rendite sank von 3,5 auf 2,0 Prozent. Für Struktur- und Personalanpassungen bildete Bosch 2025 Rückstellungen von 2,7 Milliarden Euro.

Besonders wichtig ist die Mobility-Sparte. Sie erzielte 2025 einen Umsatz von 55,8 Milliarden Euro und stand damit für rund 61 Prozent der gesamten Konzernerlöse. Bosch nennt als Belastungsfaktoren einen verhaltenen weltweiten Fahrzeugmarkt, hohen Preisdruck, Überkapazitäten sowie einen langsameren Hochlauf von Elektromobilität, automatisiertem Fahren und Wasserstofftechnik als zuvor erwartet.

Der Personalbestand des gesamten Konzerns sank 2025 nach den endgültigen Geschäftszahlen um 5.085 auf 412.774 Beschäftigte. Besonders stark war der Rückgang in Deutschland und in der Mobility-Sparte. Bereits Ende Januar hatte Bosch für Deutschland einen Rückgang um rund 6.500 Beschäftigte auf gut 123.100 Menschen genannt.

Für 2026 peilt Bosch ungeachtet der Restrukturierung ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent und eine operative EBIT-Rendite zwischen vier und sechs Prozent an. Ob zusätzliche Personalmaßnahmen erforderlich werden, ist damit jedoch nicht abschließend geklärt. Konzernchef Stefan Hartung hatte bereits Anfang 2026 erklärt, weitere Maßnahmen grundsätzlich nicht ausschließen zu können. Eine neue Größenordnung für zusätzliche Stellenstreichungen nannte Bosch dabei nicht.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu