
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist am Sonntag zu einem zweitägigen Besuch in Grönland eingetroffen. In der Hauptstadt Nuuk will sie die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der weitgehend selbstverwalteten Insel ausbauen. Der Besuch fällt in eine Phase, in der Grönland stärker denn je im Mittelpunkt internationaler Sicherheits- und Machtpolitik steht. US-Präsident Donald Trump hält weiterhin an seiner Forderung fest, die Vereinigten Staaten sollten die Kontrolle über die Insel übernehmen.
Von der Leyen wurde in Nuuk von Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen und der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen empfangen. Für Montag sind weitere politische Gespräche vorgesehen. Auch der Regierungschef der Färöer, Beinir Johannesen, soll daran teilnehmen. Zudem will die Kommissionspräsidentin eine gemeinsame Erklärung zwischen der EU und Grönland unterzeichnen.
Der Besuch von Ursula von der Leyen in Grönland ist damit weit mehr als ein routinemäßiger Termin. Er soll die politische und wirtschaftliche Partnerschaft mit einem Gebiet stärken, dessen strategische Bedeutung durch die sicherheitspolitischen Veränderungen in der Arktis deutlich zugenommen hat.
Donald Trump hatte bereits zu Beginn seiner zweiten Amtszeit deutlich gemacht, dass die USA aus seiner Sicht die Kontrolle über Grönland benötigen. Als Begründung verwies er vor allem auf die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten und die Aktivitäten Russlands und Chinas in der Arktis.
Im Juli bekräftigte Trump seine Position beim NATO-Gipfel in Ankara. Grönland sollte seiner Darstellung zufolge von den USA und nicht von Dänemark kontrolliert werden. Die dänische Regierung wies dies erneut zurück. Ministerpräsidentin Frederiksen erklärte, die Souveränität des Königreichs müsse respektiert werden und Grönland stehe nicht zum Verkauf.
Auch die politischen Parteien Grönlands haben sich gegen eine Entscheidung über ihre Zukunft von außen gestellt. Bereits im Januar hatten die Vorsitzenden der im Parlament vertretenen Parteien gemeinsam betont, dass allein die grönländische Bevölkerung über die Zukunft des Landes entscheiden dürfe.
Dabei ist die Bezeichnung von Trumps Position als amerikanischer Rechtsanspruch irreführend. Die USA haben keinen anerkannten souveränen Anspruch auf Grönland. Trump fordert vielmehr eine Übernahme beziehungsweise amerikanische Kontrolle über die Insel. Eine Grundlage dafür gegen den Willen Grönlands und Dänemarks besteht nicht.
Grönland gehört zum Königreich Dänemark, verfügt jedoch seit 2009 über weitreichende Selbstverwaltung. Das grönländische Parlament Inatsisartut und die Regierung Naalakkersuisut entscheiden in zahlreichen Politikbereichen eigenständig.
Das dänische Selbstverwaltungsgesetz erkennt ausdrücklich an, dass das grönländische Volk ein Recht auf Selbstbestimmung besitzt. Es regelt auch den Weg zu einer möglichen staatlichen Unabhängigkeit. Die Entscheidung darüber liegt beim grönländischen Volk. Sollte sich die Bevölkerung für die Unabhängigkeit entscheiden, müssten Grönland und Dänemark über die Umsetzung verhandeln.
Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik gehören dagegen weiterhin zu den Bereichen, für die das Königreich Dänemark zuständig ist. Dadurch sind Kopenhagen und Nuuk bei internationalen Sicherheitsfragen eng miteinander verbunden.
Die Europäische Union hatte angesichts der Auseinandersetzung mit Washington bereits im Januar deutlich gemacht, dass allein Dänemark und Grönland über ihre Angelegenheiten entscheiden können. EU-Ratspräsident António Costa und von der Leyen verwiesen dabei auf die territoriale Integrität, staatliche Souveränität und das Völkerrecht.
Grönland ist kein Teil der Europäischen Union. Die Insel gehörte einst gemeinsam mit Dänemark zur damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, schied jedoch 1985 aus. Heute ist Grönland als überseeisches Land und Gebiet mit der EU verbunden.
Diese Partnerschaft soll nun ausgebaut werden. Bereits 2024 eröffnete die Europäische Kommission ein eigenes Büro in Nuuk. Die Zusammenarbeit umfasst unter anderem Bildung, erneuerbare Energien, nachhaltige Rohstoffgewinnung und wirtschaftliche Entwicklung.
Für den derzeitigen EU-Finanzrahmen von 2021 bis 2027 stehen für Grönland nach Angaben der europäischen Institutionen 225 Millionen Euro zur Verfügung. Für die Jahre 2028 bis 2034 hat die Kommission vorgeschlagen, die Summe auf 530 Millionen Euro zu erhöhen. Dieser Betrag ist bislang Teil der Planung für den nächsten langfristigen EU-Haushalt und daher noch nicht endgültig beschlossen.
Für von der Leyens Besuch wurde zusätzlich über ein neues Investitionspaket berichtet, das unter anderem Rohstoffe, Energie und digitale Infrastruktur betreffen soll. Einzelne Medien nannten dafür Beträge von mehreren hundert Millionen Euro. Eine endgültige Aufschlüsselung aller neuen Mittel war zum Beginn des Besuchs jedoch noch nicht offiziell veröffentlicht. Belastbar bestätigt war zunächst die geplante Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung zur weiteren Zusammenarbeit.
Hinter dem Streit steht auch die militärische Lage im hohen Norden. Mit der Pituffik Space Base verfügen die USA bereits über einen wichtigen militärischen Standort in Grönland. Grundlage der amerikanischen Präsenz ist unter anderem ein Verteidigungsabkommen zwischen Dänemark und den Vereinigten Staaten aus dem Jahr 1951.
Die Basis spielt heute unter anderem bei Raketenfrühwarnung, Weltraumüberwachung und Satellitenkommunikation eine Rolle. Washington verfügt damit schon jetzt über weitreichende sicherheitspolitische Möglichkeiten auf der Insel, ohne deren staatliche Zugehörigkeit verändern zu müssen.
Dänemark baut zugleich seine militärischen Fähigkeiten in der Arktis aus. Anfang September wurden im Zusammenhang mit verstärkten Übungen auch dänische Wehrpflichtige nach Grönland entsandt. Parallel intensiviert die NATO ihre Aktivitäten im hohen Norden. Russland besitzt dort umfangreiche militärische Infrastruktur, während auch China wirtschaftliche und strategische Interessen in der Arktis verfolgt.
Die sicherheitspolitische Bedeutung Grönlands ergibt sich deshalb aus seiner geografischen Lage zwischen Nordamerika und Europa, seiner Nähe zu wichtigen arktischen Routen und seiner Funktion bei der Überwachung des nördlichen Atlantiks. Hinzu kommen Vorkommen verschiedener Rohstoffe, die für moderne Industrie- und Energietechnologien von Bedeutung sind.
Trotz der scharfen öffentlichen Auseinandersetzungen sind die Kontakte zwischen Washington, Kopenhagen und Nuuk nicht abgebrochen. Grönlands Außenminister Múte Bourup Egede erklärte Anfang September, dass Gespräche mit den Vereinigten Staaten weiterliefen. Einzelheiten über Inhalte oder mögliche Fortschritte nannte er nicht.
Die dänische Regierung hat ebenfalls deutlich gemacht, dass sie zu Gesprächen über Sicherheit, Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit bereit ist. Eine Änderung der Souveränität über Grönland schließt sie dagegen aus.
Von der Leyens Reise setzt in dieser Situation ein deutliches europäisches Signal. Die EU verbindet ihre Unterstützung für die Selbstbestimmung Grönlands mit konkreten Plänen für engere wirtschaftliche Beziehungen und eine stärkere Rolle in der Arktis. Wie weit diese Zusammenarbeit tatsächlich ausgebaut wird, dürfte sich auch an den Vereinbarungen zeigen, die während des Besuchs in Nuuk geschlossen werden.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu