Fremde Arten auf dem Vormarsch: Münster forscht an Deutschlands Neozoen

Fremde Arten auf dem Vormarsch – Münster forscht an Deutschlands Neozoen
Foto: Michael Roberts

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Münster.  Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster hat nach Abschluss der einjährigen Neozoen-Challenge eine eindrucksvolle Bilanz gezogen. Mehr als 400 gebietsfremde Tierarten wurden in Deutschland nachgewiesen. Viele der Funde stammen von engagierten Naturbeobachterinnen und Naturbeobachtern, die ihre Entdeckungen über eine App gemeldet haben. Das Museum in Münster koordinierte die Datensammlung und arbeitete eng mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe, der Hamburger Umweltbehörde BUKEA und dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg zusammen.

Die Aktion trug den Titel „Aliens unter uns“ und lief über zwölf Monate. Ziel war es, Tierarten zu erfassen, die durch menschliches Handeln neue Lebensräume erobern. Beobachtungen wurden über die App ObsIdentify und die Plattform Observation.org eingereicht. Insgesamt kamen rund 155.000 Datensätze zusammen. Diese Menge an Informationen wird künftig in die Forschung am LWL-Museum und bei den beteiligten Partnern einfließen.

Auch aus Münster und dem Umland gingen zahlreiche Meldungen ein. Damit zeigt sich, dass Bürgerforschung nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse fördert, sondern auch das Bewusstsein für Umwelt und Artenvielfalt stärkt. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Spende der Stiftung der Sparda-Bank Münster, die die Challenge finanziell unterstützte.

Wie invasive Tiere das ökologische Gleichgewicht verändern

Zu den dokumentierten Arten zählen bekannte Beispiele wie der aus Südamerika stammende Nandu, der inzwischen in Norddeutschland wild lebt. Auch die Wanze Odontoplatys suturalis, deren ursprüngliche Heimat in der Ukraine liegt, wurde mehrfach nachgewiesen. Solche Tiere werden als Neozoen bezeichnet. Der Begriff beschreibt invasive Tierarten, die durch menschlichen Einfluss nach Deutschland gelangt sind und sich hier fest etabliert haben.

Für die Wissenschaft sind diese Funde von großem Wert, da sie Hinweise auf Verbreitungsmuster und ökologische Zusammenhänge liefern. Die Daten aus der Challenge werden derzeit am LWL-Museum in Münster ausgewertet. Dabei geht es um die Frage, welche Bedingungen die Ausbreitung begünstigen und wie heimische Ökosysteme darauf reagieren.

Frühzeitige Erkenntnisse helfen, das Verhalten invasiver Tiere besser zu verstehen und mögliche Folgen für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt einzuschätzen. Münster entwickelt sich damit zu einem wichtigen Standort für Forschung über ökologische Veränderungen, die durch eingeschleppte Arten verursacht werden.

Regionale Beispiele aus NRW und Niedersachsen

In Nordrhein-Westfalen gehören der Waschbär, der Ochsenfrosch, der Asiatische Marienkäfer und die Spanische Wegschnecke zu den am häufigsten genannten Neozoen. Auch bei Libellen werden neue Arten beobachtet, die sich zunehmend im Westen Deutschlands etablieren.

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In Niedersachsen werden Neozoen über eine landesweite Meldeplattform des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz erfasst. Fachberichte nennen dort insbesondere Nutria und Bisamratten als verbreitete Vertreter unter den Wirbeltieren. Sie besiedeln Flussufer und Teiche und gelten als Beispiele für Arten, die sich entlang von Wasserläufen weiterverbreiten.

Die Parallelen zwischen den Funden in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und den bundesweiten Ergebnissen der Challenge zeigen, dass invasive Tiere längst keine Randerscheinung mehr sind. Viele der Arten, die im Norden und Westen Deutschlands vorkommen, lassen sich auch im Raum Münster beobachten, etwa an den Rieselfeldern, am Aasee und entlang des Dortmund-Ems-Kanals.

Bürgerforschung wird fortgesetzt

Das LWL-Museum für Naturkunde führt seine Citizen-Science-Projekte fort. Über die App ObsIdentify läuft derzeit die neue „Arten-Olympiade 2025“. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, möglichst viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten innerhalb eines Jahres zu dokumentieren. Auch im Jahr 2026 sollen weitere Wettbewerbe folgen, die den Dialog zwischen Forschung und Öffentlichkeit stärken.

Mit Workshops, Führungen und Exkursionen möchte das Museum in Münster weiterhin Menschen dafür begeistern, selbst aktiv zu werden und zur Datensammlung beizutragen. Jede Beobachtung hilft, das Wissen über Artenvielfalt zu erweitern und Veränderungen in der Natur frühzeitig zu erkennen. Münster bleibt damit ein zentraler Ort für moderne Umweltforschung und bürgerschaftliches Engagement in Nordrhein-Westfalen.

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