Tarifstreit in Münsters Gastronomie: NGG greift DEHOGA scharf an

Gastro-Löhne in Münster, Tarifstreit
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In Münsters Restaurants, Hotels und Gaststätten spitzt sich der Streit um höhere Löhne zu. Die Gewerkschaft hält das Angebot der Arbeitgeber für deutlich zu niedrig. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen für das Gastgewerbe in NRW. Am Freitag, 11. September, kommen beide Seiten zur dritten Verhandlungsrunde zusammen. Bislang liegen ihre Vorstellungen weit auseinander.

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NGG fordert sechs Prozent mehr Lohn

Die NGG fordert für die Beschäftigten sechs Prozent mehr Entgelt. Für Auszubildende soll zusätzlich ein Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets vereinbart werden. Die Arbeitgeberseite hat nach Angaben der Gewerkschaft dagegen je nach Tarifgruppe unterschiedliche Erhöhungen angeboten: In den Entgeltbändern 1.2 bis 1.4 sollen es 2026 zunächst 1,3 Prozent sein, in den höheren Gruppen 1,9 Prozent. Im untersten Entgeltband sieht das Angebot nach Darstellung der NGG keine zusätzliche Tariferhöhung über das gesetzlich erforderliche Mindestlohnniveau hinaus vor. 2027 sollen dieselben prozentualen Erhöhungen noch einmal folgen.

Für eine ausgebildete Fachkraft sieht der bisherige NRW-Tarif seit Juni 2025 einen Stundenlohn von 16,15 Euro beziehungsweise knapp 2.730 Euro brutto im Monat vor. Eine Erhöhung um 1,9 Prozent würde damit rund 31 Cent pro Stunde oder etwa 52 Euro brutto im Monat ausmachen. Die von der NGG geforderten sechs Prozent entsprächen bei diesem Ausgangslohn knapp 164 Euro monatlich.

Der alte Entgelttarifvertrag war zum 31. Mai 2026 kündbar. Auch deshalb drängt die Gewerkschaft auf einen Abschluss. Zusätzlich kritisiert sie, dass die Arbeitgeber nach ihrer Darstellung keine rückwirkende Erhöhung für die Monate seit dem Auslaufen des bisherigen Tarifvertrags anbieten wollen.

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Rund 9.800 Menschen arbeiten laut NGG in Münsters Gastro-Branche

Für Münster hat der Tarifstreit eine erhebliche Bedeutung. Die NGG geht von rund 9.800 Beschäftigten in Hotels, Restaurants, Gaststätten, Küchen, Bars und ähnlichen Betrieben aus. Bereits im Juli hatte die Gewerkschaft zudem auf 75 bei der Arbeitsagentur gemeldete offene Stellen sowie 22 unbesetzte Ausbildungsplätze in der örtlichen Gastronomie verwiesen.

Dabei ist allerdings eine wichtige Einschränkung zu beachten: Nicht sämtliche Beschäftigten der Branche erhalten automatisch den ausgehandelten Tariflohn. Der Entgelttarifvertrag für das Gastgewerbe in NRW ist nach Angaben des DEHOGA nicht allgemeinverbindlich. Anders ist dies unter anderem beim Manteltarifvertrag. Die von der NGG genannte Beschäftigtenzahl beschreibt deshalb vor allem die Größe der Branche in Münster – nicht die Zahl der Menschen, deren Gehalt zwingend unmittelbar durch den Abschluss steigt.

Lohnstreit trifft auf Personalmangel

Der Konflikt geht damit über die Frage hinaus, ob es künftig einige Cent mehr pro Stunde gibt. Gastronomie und Hotellerie kämpfen seit Jahren darum, Personal zu gewinnen und zu halten. Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende, kurzfristige Dienstpläne und die körperliche Belastung vieler Tätigkeiten erschweren die Suche zusätzlich.

Dass die Auseinandersetzung NRW-weit geführt wird, zeigte sich erst am Montag in Köln. Dort gingen Gastro-Beschäftigte für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße. Die NGG verbindet die aktuelle Tarifrunde ausdrücklich mit der Frage, wie attraktiv die Branche für Fachkräfte und Nachwuchs künftig sein kann.

DEHOGA verweist auf hohe Kosten der Betriebe

Die Arbeitgeber weisen die Darstellung zurück, die Betriebe könnten ohne Weiteres deutlich höhere Löhne zahlen. DEHOGA-NRW-Präsident Andreas Büscher bezeichnete die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen zuletzt als äußerst angespannt. Personal, Energie, Lebensmittel und Bürokratie verursachten hohe Kosten. Zugleich verweist der Verband darauf, dass die Löhne im Gastgewerbe nach Angaben Büschers zwischen 2020 und 2025 bereits deutlich gestiegen seien.

Damit stehen sich zwei grundverschiedene Sichtweisen gegenüber: Die Gewerkschaft sieht höhere Löhne als Voraussetzung dafür, Beschäftigte in der Branche zu halten. Die Arbeitgeber warnen dagegen davor, zusätzliche Kostensteigerungen könnten gerade kleinere Restaurants und Hotels weiter unter Druck setzen.

Inflation und Mindestlohn verschärfen die Debatte

Hinzu kommt die allgemeine Preisentwicklung. Die Inflationsrate in Deutschland lag im August 2026 nach der vorläufigen Berechnung des Statistischen Bundesamtes bei 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Eine Lohnerhöhung von 1,9 Prozent läge damit zunächst unter der aktuellen Teuerungsrate. Ein direkter Vergleich ist allerdings nur eine Momentaufnahme, weil Tarifsteigerungen und Inflation unterschiedliche Zeiträume betreffen können.

Gleichzeitig steigt der Druck von unten durch den gesetzlichen Mindestlohn. Seit Januar 2026 beträgt er 13,90 Euro pro Stunde, Anfang 2027 steigt er auf 14,60 Euro. Je näher die unteren Tarifgruppen an diese gesetzliche Lohnuntergrenze rücken, desto stärker stellt sich für die Tarifparteien die Frage, welchen zusätzlichen Abstand ein Tarifvertrag noch bieten soll.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Mehrwertsteuer. Seit Januar gilt für Speisen in der Gastronomie dauerhaft wieder der reduzierte Steuersatz von sieben statt 19 Prozent. Die Bundesregierung beziffert die Entlastung der Branche bundesweit auf rund 3,6 Milliarden Euro jährlich. Die NGG argumentiert, ein Teil dieses finanziellen Spielraums müsse sich auch bei den Beschäftigten bemerkbar machen. Die Arbeitgeber sehen die Steuersenkung dagegen vor allem als notwendige Entlastung einer wirtschaftlich belasteten Branche.

Nächste Tarifrunde am Freitag

Ob sich beide Seiten annähern, dürfte sich am 11. September zeigen. Nach zwei Runden ohne Einigung ist der Ton inzwischen deutlich schärfer geworden. Für Münster geht es dabei nicht nur um die Höhe des Stundenlohns. Der Tarifstreit berührt eine grundsätzliche Frage, die viele Betriebe seit Jahren beschäftigt: Wie lassen sich Arbeitsplätze in der Gastronomie attraktiv genug machen, ohne Restaurants und Hotels wirtschaftlich zu überfordern?

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