
Die SV Elversberg muss nach der derzeit geltenden Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Bayern München ohne Cheftrainer Vincent Wagner im Innenraum auskommen. Das DFB-Sportgericht hat den Einspruch gegen die Gelb-Rote Karte aus der Partie bei Borussia Mönchengladbach verworfen. Mit dem Platzverweis ist automatisch eine Sperre für ein Meisterschaftsspiel verbunden. Eine zusätzliche Geldstrafe ist in der veröffentlichten DFB-Entscheidung nicht ausgewiesen.
Über den Einspruch hatten zunächst unter anderem die Bild-Zeitung und der Saarländische Rundfunk berichtet. Die SV Elversberg bestätigte dem SR, dass der Einspruch fristgerecht eingereicht worden war. Auch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur wurde der Schritt vom Verein bestätigt. Am Montagabend, 7. September, veröffentlichte anschließend der DFB die ablehnende Entscheidung seines Sportgerichts.
Damit bleibt Vincent Wagner gesperrt, solange keine anderslautende Entscheidung veröffentlicht wird. Der DFB-Beitrag enthält inzwischen allerdings zusätzlich den Hinweis, dass gegen das Urteil Einspruch eingelegt wurde. Nähere Angaben zu diesem weiteren Verfahrensschritt oder zu einer neuen Entscheidung waren am Dienstagvormittag zunächst nicht veröffentlicht.
Ausgangspunkt des Platzverweises war eine Szene unmittelbar vor der Halbzeit des Bundesligaspiels am Samstag, 5. September. Beim Stand von 1:1 spielte Gladbachs Tim Kleindienst den Ball nach einem Zweikampf ins Seitenaus. Dennoch wurde Borussia Mönchengladbach der Einwurf zugesprochen. Kleindienst führte schnell aus, der folgende Angriff endete in der 44. Minute mit dem 2:1 durch Hugo Bolin. Der Video-Assistent durfte die falsche Einwurfentscheidung nach den geltenden Regeln nicht korrigieren. Schiedsrichter Martin Petersen räumte später ein, die Situation falsch wahrgenommen zu haben.
Wagner reagierte auf die Entscheidung. Nach den offiziellen Angaben des DFB wurde der Elversberger Trainer in der 45. Minute wegen unerlaubten Betretens des Spielfeldes verwarnt. Unmittelbar nach dem Halbzeitpfiff folgte die zweite Gelbe Karte. Petersen wertete Wagners Verhalten als unsportlich und verwies ihn damit des Innenraums. Die Bundesliga führt den Platzverweis mit der Spielminute 45+3.
Wagner widersprach nach der Partie der Darstellung, er habe den Unparteiischen lautstark attackiert. „Gemeckert habe ich nicht“, sagte der 40-Jährige. Er bezeichnete sein Verhalten als „stillen Protest“. Im ZDF-Sportstudio erklärte er zudem, die erste Gelbe Karte sei zumindest diskutabel und eine anschließende Sperre fühle sich für ihn wie eine „Dreifachbestrafung“ an.
Sportdirektor Christian Weber zeigte für die erste Verwarnung Verständnis. „Die erste Gelbe Karte war legitim“, sagte er. Bei der zweiten Situation hätte sich Weber mehr Zurückhaltung bei der Sanktion gewünscht.
Das Sportgericht folgte Wagners Argumentation nicht. Für eine Aufhebung der automatischen Sperre hätte nach der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung ein offensichtlicher Irrtum des Schiedsrichters nachgewiesen werden müssen. Das Gericht erkannte dafür „keine Anhaltspunkte“.
Entscheidend war aus Sicht des Gerichts nicht die nachträglich eingeräumte Fehlentscheidung beim Einwurf, sondern Wagners anschließendes Verhalten. Nach den Angaben des Schiedsrichters sei der Trainer aus größerer Entfernung auf Petersen zugelaufen, obwohl der Vierte Offizielle ihn zuvor aufgefordert habe, dies zu unterlassen. Wagner habe reklamieren und den Schiedsrichter „zur Rede stellen“ wollen. Nach Auffassung des Sportgerichts wird diese Darstellung durch Fernsehbilder gestützt. Der Feldverweis sei deshalb eine Tatsachenentscheidung, an die das Sportgericht grundsätzlich gebunden sei.
Der DFB verwies außerdem auf die UEFA-Rechtsprechung. Eine automatische Sperre nach Gelb-Rot kann demnach nur in eng begrenzten Ausnahmefällen aufgehoben werden, etwa bei einer Personenverwechslung oder wenn überhaupt kein entsprechender Kontakt zwischen dem Trainer und dem Schiedsrichter bestand. Auch eine grob unbillige oder willkürliche Wirkung der Sperre erkannte das Sportgericht nicht.
Die DFB-Regeln sehen nach einer Gelb-Roten Karte für Trainer oder Funktionsträger eine Sperre für das folgende Spiel derselben Wettbewerbskategorie vor. Für einen gesperrten Trainer bedeutet dies beim betreffenden Spiel insbesondere, dass er sich nicht im Innenraum des Stadions aufhalten darf.
Wer beim Bayern-Spiel die operative Verantwortung unmittelbar an der Seitenlinie übernimmt, hat die SV Elversberg bislang nicht gesondert öffentlich festgelegt. Einen klaren Hinweis liefert jedoch die zweite Halbzeit in Mönchengladbach. Dort übernahm Co-Trainer Mike Frantz die Vertretung Wagners an der Seitenlinie.
Zum offiziellen Trainerstab der SVE gehören neben Wagner die drei Co-Trainer Mike Frantz, Patrick Henle und Pascal Bieler. Wagner selbst hatte nach seinem Platzverweis erklärt, ein möglicher Ausfall gebe den anderen Mitgliedern seines Trainerteams die Gelegenheit, stärker in den Vordergrund zu rücken.
Eine ausdrückliche Vereinsmitteilung, wonach Frantz auch gegen Bayern allein die federführende Rolle auf der Bank übernehmen wird, lag zunächst nicht vor. In Gladbach war er jedoch derjenige, der Wagner unmittelbar nach dessen Platzverweis an der Seitenlinie ersetzte.
Vincent Wagner wurde am 5. April 1986 in Nordhausen geboren und ist 40 Jahre alt. Vor seiner Trainerlaufbahn spielte der frühere Innenverteidiger unter anderem für Rot-Weiss Essen, den FC Kray und den KFC Uerdingen. Bereits beim FC Kray sammelte er parallel Erfahrungen als Co-Trainer.
Später arbeitete Wagner unter anderem im Nachwuchsbereich des VfL Bochum und des MSV Duisburg. Bei Rot-Weiss Essen trainierte er die U19 und gehörte zeitweise zum Trainerstab der ersten Mannschaft. 2022 übernahm er die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim. Mit der Hoffenheimer U23 gewann er in seiner letzten Saison die Regionalliga Südwest und führte das Team in die 3. Liga. Im Sommer 2025 wechselte Wagner als Nachfolger von Horst Steffen nach Elversberg und unterschrieb einen Vertrag bis 2028.
In seiner ersten Saison an der Kaiserlinde gelang ihm mit der SVE der historische Aufstieg. Elversberg beendete die Zweitliga-Saison 2025/26 als Tabellenzweiter und stieg erstmals in der Vereinsgeschichte direkt in die Bundesliga auf.
Auch der Start in die erste Bundesligasaison der Vereinsgeschichte gelang ungewöhnlich erfolgreich. Elversberg gewann zunächst mit 3:2 gegen Bayer Leverkusen und anschließend mit 4:3 in Mönchengladbach. Damit holte der Aufsteiger sechs Punkte aus den ersten beiden Bundesligapartien. Sieben Tore nach zwei Spieltagen hatte zuvor noch kein Bundesliga-Neuling erzielt. Als letzter Aufsteiger vor Elversberg hatte die TSG Hoffenheim im Jahr 2008 ihre ersten beiden Spiele im Oberhaus gewonnen.
Die Sperre trifft Wagner damit in einer besonderen Phase seiner noch jungen Bundesligakarriere. Nach der aktuellen DFB-Entscheidung betrifft sie genau ein Meisterschaftsspiel. Das nächste Ligaspiel der SV Elversberg ist das Heimspiel gegen den FC Bayern München am Sonntag, 13. September. Solange die bestehende Entscheidung nicht geändert wird, darf Wagner dabei nicht im Innenraum tätig sein.
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