
Münster. Jahrelang wurde geplant, diskutiert und gestritten. Jetzt kommt Bewegung in eines der wichtigsten Verkehrsprojekte für Münster und das Münsterland. Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts ist der Weg für die ersten Bauarbeiten zur Reaktivierung der WLE-Strecke zwischen Münster und Sendenhorst frei. Bei Grünen, SPD und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist die Erleichterung groß. Doch mit dem juristischen Erfolg wachsen auch die Erwartungen: Die Arbeiten sollen möglichst schnell beginnen, die neuen Bahnhöfe gut angebunden werden und der Südosten Münsters endlich eine leistungsfähige Schienenverbindung erhalten.
Für die Grünen im Münsteraner Stadtrat ist die Entscheidung ein lange erwarteter Durchbruch. „Endlich grünes Licht für den Baustart bei der WLE“, erklärt Dominic Brauner, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion. Nachdem NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer bereits die Finanzierung des Projekts zugesagt habe, seien nun entscheidende Hindernisse beseitigt. Brauner erwartet, dass sowohl entlang der Strecke als auch am Hauptbahnhof Münster die notwendigen Arbeiten beginnen.
Vor allem die Menschen in Münsters Südosten sollen von der WLE-Reaktivierung Münster-Sendenhorst profitieren. Die Grünen erhoffen sich eine schnellere Verbindung in die Innenstadt und eine Entlastung der Straßen während des Berufsverkehrs. Die wiederbelebte Bahnstrecke soll damit zu einer attraktiven Alternative zum Auto werden.
Auch die SPD-Ratsfraktion bewertet die Entscheidung als wichtigen Fortschritt. „Dass nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts nun endlich die Bagger rollen können, ist ein wichtiger Meilenstein“, sagt Christian Lüer, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Neben den Wohngebieten im Südosten könnten insbesondere das Hafenviertel, die Halle Münsterland und das Gewerbegebiet Loddenheide von einer besseren Erreichbarkeit profitieren.
Sandra Beer, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Mitglied der Bezirksvertretung Südost, betont dagegen eine weitere Herausforderung: Die neuen Bahnhöfe in Angelmodde, Gremmendorf und Wolbeck müssten eng mit dem bestehenden Busverkehr verknüpft werden. „Nur so stellen wir sicher, dass alle Menschen profitieren können“, erklärt Beer. Die SPD wolle sich in den kommenden Jahren dafür einsetzen, dass möglichst viele Bewohner der Außenstadtteile die neue Verbindung unkompliziert nutzen können.
Beim Verkehrsclub Deutschland ist die Freude ebenfalls groß. Der Verband setzt sich nach eigenen Angaben bereits seit den 1990er-Jahren für die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der WLE-Strecke ein. „Damit wird hoffentlich endlich Realität, wofür wir uns vom VCD schon seit den neunziger Jahren eingesetzt haben“, sagt Thomas Lins, Vorsitzender des VCD-Regionalverbands Münsterland.
Besonders die geplante Bedienung im 20-Minuten-Takt bis Wolbeck und die vergleichsweise kurzen Haltestellenabstände bewertet der VCD positiv. Lins spricht von einer Verbindung mit beinahe Stadtbahnqualität. Für Loddenheide, Gremmendorf, Angelmodde, Wolbeck, Albersloh und Sendenhorst erwartet der Verband erhebliche Vorteile. Die Bahn könne nicht nur zuverlässigere Fahrzeiten ermöglichen, sondern auch mehr Komfort bieten als der Bus. Zudem sei die Mitnahme von Fahrrädern und größerem Gepäck einfacher. Der VCD hofft deshalb, dass künftig mehr Pendler vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen.
Bevor die eigentlichen Bauarbeiten starten, dürften zunächst vorbereitende Maßnahmen entlang der bestehenden Schienenstrecke notwendig werden. Nach Informationen des VCD gehören dazu insbesondere Baum- und Strauchschnitte. Hintergrund sind die heutigen Sicherheitsanforderungen an Bahnstrecken, die größere Abstände zwischen Gleisen und angrenzender Vegetation vorsehen.
Der Umweltverband sieht diese Eingriffe durchaus kritisch, hält sie an vielen Stellen jedoch für notwendig. „So sehr wir als umweltorientierter Verband Baumfällungen vom Grundsatz her ablehnen, ist dies hier an vielen Stellen leider notwendig“, erklärt Lins. Zugleich betrachtet der VCD die WLE-Reaktivierung als möglichen Auftakt für weitere Schienenprojekte in der Region. Langfristig soll auch die geplante S-Bahn Münsterland das öffentliche Verkehrsangebot verbessern.
Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte mit Beschlüssen vom 21. Oktober 2026 die Eilanträge von insgesamt 15 Anwohnern gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Reaktivierung der WLE zurückgewiesen. Die Entscheidungen im Eilverfahren sind unanfechtbar. Allerdings sind weiterhin sieben Klageverfahren anhängig, über die noch nicht abschließend entschieden wurde. Die genehmigten Bauarbeiten dürfen dennoch vorläufig beginnen.
Die Westfälische Landes-Eisenbahn und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe wollen nun die Ausschreibungen für Bauleistungen an der Strecke und den Stationen vorantreiben. Für die Modernisierung der rund 21 Kilometer langen Verbindung sind Gesamtkosten von etwa 187 Millionen Euro vorgesehen. Bund und Land übernehmen davon zusammen rund 170 Millionen Euro. Künftig sollen batteriebetriebene Züge Münster und Sendenhorst in etwa 30 Minuten verbinden.
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