Deutsche Wirtschaft blickt optimistischer nach vorn, doch die Lage bleibt angespannt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober weiter verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex Oktober 2026 stieg auf 90,2 Punkte, nach 89,9 Punkten im September. Das teilte das Münchner ifo Institut am Montag (26. Oktober) mit. Damit legte das wichtige Konjunkturbarometer zum sechsten Mal in Folge zu und erreichte seinen höchsten Stand seit dem Frühjahr 2023. Allerdings beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als im Vormonat. Vor allem die Industrie sorgt für den erneuten Stimmungsanstieg.

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Ifo-Index steigt auf 90,2 Punkte und übertrifft Erwartungen

Der Anstieg fiel etwas stärker aus als von Volkswirten erwartet. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters hatten Analysten einen Indexstand von 90,0 Punkten prognostiziert. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen rechneten mit 90,1 Punkten. Tatsächlich verbesserte sich das Geschäftsklima gegenüber September um 0,3 Punkte.

Getragen wurde die Entwicklung vor allem von optimistischeren Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Der entsprechende Teilindex stieg von 90,4 auf 91,6 Punkte. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage verschlechterte sich dagegen von 89,5 auf 88,8 Punkte.

Besonders bei der Lagebeurteilung verfehlte das Ergebnis damit die Prognosen. Die von Dow Jones befragten Volkswirte hatten hier einen Anstieg auf 89,9 Punkte erwartet. Bei den Zukunftserwartungen lagen sie hingegen mit ihrer Prognose von 90,0 Punkten deutlich unter dem tatsächlichen Ergebnis.

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Ifo-Präsident Clemens Fuest wertete die Ergebnisse dennoch positiv. „Die Konjunkturbelebung setzt sich fort“, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler nach Veröffentlichung der neuen Daten.

Industrie meldet bessere Auftragslage und höhere Produktionspläne

Besonders deutlich verbesserte sich das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe. Die befragten Industriebetriebe bewerteten sowohl ihre laufenden Geschäfte als auch die kommenden Monate wesentlich günstiger als zuvor.

Nach Angaben des ifo Instituts drehten die beiden entsprechenden Indikatoren erstmals seit mehr als drei Jahren wieder in den positiven Bereich. Außerdem berichteten die Unternehmen von einem Anstieg der Neuaufträge. Als Reaktion darauf planen sie, ihre Produktion auszuweiten.

Die Entwicklung unterscheidet sich damit von der Situation im September. Damals hatten die Industriebetriebe zwar bereits bessere Zukunftserwartungen gemeldet, ihre gegenwärtige Lage aber noch etwas schlechter eingeschätzt. Vor allem die Elektroindustrie hatte für eine positivere Stimmung gesorgt.

Die Entwicklung der Industrie ist allerdings nicht in allen Branchen gleich. In einer gesonderten ifo-Auswertung für September war das Geschäftsklima in der Elektroindustrie auf 24,8 Saldenpunkte gestiegen, nach 16,5 Punkten im August. Gleichzeitig berichteten rund 40 Prozent der befragten Unternehmen dieser Branche von fehlenden Vorprodukten.

Deutlich schwächer fiel dagegen die Septemberbefragung in der Automobilindustrie aus. Dort sank der Geschäftsklimaindikator von minus 22,0 auf minus 35,0 Punkte. Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl verwies dabei auf die anhaltend schwierige wirtschaftliche Situation der Autobauer.

Dienstleistungssektor verliert an Schwung

Während die Industrie im Oktober zulegen konnte, entwickelte sich die Stimmung bei den Dienstleistungsunternehmen rückläufig. Der entsprechende Geschäftsklimaindikator verschlechterte sich.

Die Unternehmen zeigten sich weniger zufrieden mit ihren laufenden Geschäften. Ihre Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich dagegen. Innerhalb des Dienstleistungssektors hoben sich insbesondere die IT-Dienstleister positiv ab.

Damit zeigt sich ein Unterschied zur Septemberbefragung. Damals hatte sich das Geschäftsklima im Dienstleistungsbereich noch verbessert und war wieder in den positiven Bereich gestiegen.

Auch eine im Oktober veröffentlichte Einkaufsmanagerbefragung von S&P Global deutete auf eine nachlassende Wachstumsdynamik bei den Dienstleistungen hin. Zugleich zeigte diese Erhebung eine stärkere Entwicklung der Industrie.

Handel stagniert, Bauunternehmen werden zuversichtlicher

Im Handel blieb das Geschäftsklima gegenüber September unverändert. Die Händler beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage schlechter, während sie etwas optimistischer auf die kommenden Monate blickten.

Dabei verlief die Entwicklung zwischen den beiden Handelsbereichen unterschiedlich. Der Großhandel schnitt in der Befragung günstiger ab als der Einzelhandel.

Im Bauhauptgewerbe verbesserte sich die Stimmung hingegen. Die Betriebe waren mit ihren laufenden Geschäften deutlich zufriedener als im September. Auch ihre Erwartungen stiegen leicht.

Bereits im Vormonat hatten die Bauunternehmen eine etwas bessere Geschäftslage gemeldet. Allerdings waren ihre Zukunftserwartungen damals geringfügig gesunken. Im Oktober verbesserten sich nun beide Komponenten.

Energiepreise und schwache Nachfrage belasten die Konjunktur

Trotz der besseren Unternehmensstimmung bleibt die gesamtwirtschaftliche Entwicklung von erheblichen Belastungen geprägt. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte in seiner Konjunkturanalyse vom 14. Oktober auf eine voraussichtlich schwächere wirtschaftliche Dynamik im dritten Quartal hingewiesen.

Als Gründe nannte das Ministerium unter anderem gestiegene Energiepreise, Kaufkraftverluste, höhere Finanzierungskosten und Unsicherheiten. Hinzu kommen Einschränkungen beim Warentransport auf wichtigen Binnenwasserstraßen infolge von Niedrigwasser.

Die Verbraucherpreise lagen im September nach Angaben des Ministeriums um 3,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Energie hatte sich gegenüber September 2025 um knapp 15 Prozent verteuert.

Auch aus dem Außenhandel kamen zuletzt gemischte Signale. Die Auftragseingänge aus dem Ausland waren im August gegenüber dem Vormonat um 5,4 Prozent zurückgegangen. Dagegen stieg die Produktion im Produzierenden Gewerbe im August preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,0 Prozent gegenüber Juli.

Diese Entwicklung verdeutlicht, dass bessere Unternehmenserwartungen und die tatsächliche Wirtschaftsleistung nicht zwangsläufig im gleichen Tempo steigen.

Sechster Anstieg in Folge beim ifo-Geschäftsklima

Der Oktoberwert setzt eine längere Erholungsphase fort. Im April hatte der ifo-Geschäftsklimaindex mit 84,5 Punkten einen Tiefstand erreicht. Danach stieg er im Mai auf 85,0 Punkte, im Juni auf 85,6 Punkte und im Juli auf 86,7 Punkte.

Im August folgte ein deutlicherer Anstieg auf 88,8 Punkte. Im September erreichte das Barometer schließlich 89,9 Punkte. Mit den jetzt gemeldeten 90,2 Punkten liegt der Index auch über seinem Stand von Oktober 2025, als er 88,3 Punkte erreicht hatte.

Die Daten des ifo Instituts beruhen auf rund 9.000 monatlichen Unternehmensmeldungen aus Industrie, Dienstleistungen, Bauwirtschaft sowie Groß- und Einzelhandel. Die Betriebe beurteilen ihre aktuelle Lage und geben an, wie sie ihre Geschäfte in den kommenden sechs Monaten einschätzen.

Aus diesen Angaben berechnet das Institut einen gewichteten und saisonbereinigten Geschäftsklimaindex. Er dient als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung, misst jedoch weder unmittelbar die Wirtschaftsleistung noch die tatsächliche Produktion.

Die Oktoberergebnisse liefern damit ein verbessertes Stimmungsbild für die deutsche Wirtschaft. Gleichzeitig zeigen die schwächere aktuelle Geschäftslage und die Unterschiede zwischen den Branchen, dass die wirtschaftliche Erholung weiterhin uneinheitlich verläuft.

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