
Münster. Berg Fidel Solidarisch zündet im Streit mit der LEG die nächste Eskalationsstufe. Nachdem die Kündigung der eigenen Räume längst vor Gericht gelandet ist, nimmt die Initiative nun auch Oberbürgermeister Tilman Fuchs öffentlich in die Pflicht. Er soll sich klar zu dem Konflikt positionieren und Stellung zur Rolle der LEG in Berg Fidel beziehen.
In einem offenen Brief fordert Berg Fidel Solidarisch den Oberbürgermeister auf, sich öffentlich gegen die Kündigung der Räume und zu den von der Initiative kritisierten Zuständen im Wohnungsbestand der LEG zu äußern. Nach eigenen Angaben hatte sie bereits seit Januar mehrfach versucht, mit Fuchs ins Gespräch zu kommen.
Im Juli habe Fuchs schließlich eine Mitnutzung städtischer Räume außerhalb des Zentrums von Berg Fidel angeboten. Eine öffentliche Bewertung des Konflikts lehne er mit Verweis auf das laufende Gerichtsverfahren bislang ab.
Für Berg Fidel Solidarisch reicht das nicht. Die Initiative erinnert den Grünen-Politiker an Aussagen aus seinem Wahlkampf. Fuchs hatte unter anderem erklärt: „Wohnen ist ein Grundrecht und darf kein Luxus sein.“ Zudem hatte er Unterstützung für Quartiersmanagement und Nachbarschaftsinitiativen angekündigt.
Ausgangspunkt des Konflikts ist die Kündigung der Räume am Rincklakeweg 21. Die LEG hatte dem Nachbarschaftstreff Berg Fidel e.V., dem Trägerverein von Berg Fidel Solidarisch, im September 2025 zum 31. März 2026 gekündigt. Nach Angaben der Initiative führte das Unternehmen dabei unter anderem einen fehlenden Mehrwert für die Nachbarschaft und „geschäftsschädigende“ öffentliche Kritik an.
Berg Fidel Solidarisch wertet die Kündigung als Versuch, eine kritische Stimme im Stadtteil unter Druck zu setzen. LEG und Initiative streiten inzwischen vor Gericht über die Räume. Eine Verhandlung ist nach Angaben von Berg Fidel Solidarisch für Anfang Januar vorgesehen.
Juristisch ist damit noch nichts entschieden. Da es sich um Vereins- beziehungsweise Gewerberäume und nicht um eine Wohnung handelt, gelten andere Kündigungsschutzregeln als im Wohnraummietrecht. Ob die Kündigung wirksam ist, muss das Gericht klären.
Die politische Dimension des Streits hängt auch mit der Stellung der LEG im Stadtteil zusammen. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über rund 690 Wohnungen in Berg Fidel und verweist auf Investitionen von etwa zwölf Millionen Euro in Modernisierungen in den vergangenen Jahren.
Die Initiative geht in ihrer Kritik noch weiter und spricht von einem „faktischen Monopol auf Gewerberäume“. Mitglied Leonard Beving sagt: „Wenn ein Konzern entscheidet, welche Initiativen Raum bekommen und welche nicht, wird daraus eine politische Frage.“
Die Bezeichnung als Monopol ist allerdings eine Bewertung von Berg Fidel Solidarisch. Belastbar belegt ist der umfangreiche Wohnungsbestand der LEG im Viertel.
Für Fuchs ist die Situation auch deshalb politisch interessant, weil sich seine eigene Partei bereits zu dem Konflikt positioniert hat. Die Grünen-Ratsfraktion forderte die LEG im Februar öffentlich dazu auf, den Dialog mit der Initiative zu suchen und die Kündigung zurückzunehmen.
Gleichzeitig beschäftigt sich die Stadt schon länger mit der Entwicklung Berg Fidels. Im 2025 abgeschlossenen Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept stehen unter anderem Wohnen, soziale Infrastruktur, Bildung, Integration sowie Sicherheit und Sauberkeit im Mittelpunkt. Auch eine stärkere Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft gehört zu den Themen.
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