
Der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer hat nach dem deutlichen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt scharfe Kritik an der Partei geübt. Beim traditionellen St.-Michael-Jahresempfang der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin erklärte Wilmer am Mittwochabend, das Ergebnis habe ihn zunächst „sprachlos“ gemacht. Zugleich kündigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz an, sich weiter gegen völkisch-nationalistisches Gedankengut zu stellen.
Rund 600 Gäste aus Politik, Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft kamen zu dem Empfang in Berlin. Wilmers Rede stand unter dem Titel „Die Zukunft der Freiheit beginnt mit der Wahrheit. Woran unsere Demokratie hängt“.
Den stärksten politischen Bezug stellte Wilmer zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September her. „Wie viele hier im Saal bin auch ich angesichts dieses Wahlergebnisses sprachlos“, sagte der Bischof. Das gelte allerdings nur für den ersten Moment. Er sei „entschlossen im weiteren Handeln“.
Wilmer bezeichnete die AfD als nationalistisch und völkisch geprägt. „Für dieses völkische Gedankengut ist weder in noch außerhalb von Gotteshäusern, weder im Christentum noch im Judentum, noch im Islam Platz“, sagte er.
Nach dem vorläufigen Ergebnis kommt die AfD in Sachsen-Anhalt auf 43,8 Prozent. Die CDU erreicht 17,2 Prozent, dahinter folgen SPD mit 9,3 Prozent, Grüne mit 8,9 Prozent, Linke mit 8,6 Prozent und BSW mit 5,3 Prozent.
Im vorläufig 83 Sitze umfassenden Landtag erhält die AfD 39 Mandate und verfehlt damit die absolute Mehrheit von 42 Sitzen. Das Ergebnis ist noch nicht endgültig, da in einzelnen Wahlbezirken wegen Unstimmigkeiten nachgezählt wurde.
Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft.
Wilmers Aussagen markieren keinen grundsätzlich neuen Kurs. Bereits 2024 hatte die Deutsche Bischofskonferenz einstimmig erklärt, dass völkischer Nationalismus und Christentum unvereinbar seien.
Gleichzeitig betont die Kirche, dass der Dialog mit Menschen nicht abgebrochen werden dürfe, die für extremistische Botschaften empfänglich, aber weiterhin gesprächsbereit seien.
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