„Männerfresserin“ breitet sich aus: Gottesanbeterin erobert das Münsterland

„Männerfresserin“ breitet sich aus: Gottesanbeterin lebt schon im Münsterland
Europäische Gottesanbeterin im Münsterland, 1.9.2024. Foto: Winfried Rusch/Observation.org

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Münsterland. Die Gottesanbeterin wird 2026 ungewöhnlich früh und häufig in Deutschland beobachtet. Auch für das Münsterland ist die auffällige Fangschrecke längst kein unbekannter Gast mehr. Forschende des LWL-Museums für Naturkunde in Münster haben bereits nachgewiesen, dass sich die Art in der Region angesiedelt hat und hier vermehrt.

Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland, kurz NABU, gingen allein in der letzten Juliwoche mehr als 2.000 Beobachtungen von Gottesanbeterinnen über das Portal NABU-naturgucker.de ein. Die Zahl liegt dem Verband zufolge deutlich über den Vorjahren. Zugleich werden ausgewachsene Tiere 2026 besonders früh entdeckt.

Gottesanbeterin hat im Münsterland bereits Fuß gefasst

Dass Gottesanbeterinnen mittlerweile auch im Münsterland vorkommen, ist wissenschaftlich belegt. Ein Forschungsteam des LWL-Museums für Naturkunde in Münster hatte die Ausbreitung der Europäischen Gottesanbeterin in Nordrhein-Westfalen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die wärmeliebende Art inzwischen weit über ihre früheren Verbreitungsgebiete im Süden Deutschlands hinaus vorgedrungen ist.

Nach Angaben des LWL haben die bis zu acht Zentimeter langen Tiere auch an mehreren Stellen im Münsterland Fuß gefasst und vermehren sich dort bereits seit einigen Jahren. Konkrete Fundorte veröffentlicht das Museum allerdings nicht. Die Gottesanbeterin steht unter besonderem gesetzlichen Schutz, deshalb sollen bekannte Vorkommen nicht unnötig gefährdet werden.

Für ihre Untersuchung werteten die Forschenden unter anderem Tausende Beobachtungen aus Bürgerforschungsprojekten aus. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Ausbreitung nach Norden. Mittlerweile reichen Funde in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus bis ins niedersächsische Emsland.

Damit liegt das Münsterland inzwischen in einem Gebiet, in dem Begegnungen mit der Gottesanbeterin durchaus möglich sind. Ein aktueller Beleg dafür, dass es im Sommer 2026 speziell im Stadtgebiet Münster außergewöhnlich viele Tiere gibt, liegt allerdings nicht vor. Der bundesweite Anstieg der Meldungen macht weitere Sichtungen in der Region dennoch wahrscheinlicher.

Hitze lässt die Tiere 2026 besonders früh auftauchen

Normalerweise werden ausgewachsene Gottesanbeterinnen vor allem ab Mitte August häufiger entdeckt. In diesem Jahr sind viele Tiere nach Angaben des NABU jedoch rund zwei bis drei Wochen früher unterwegs. Als wesentlichen Faktor nennt der Verband die hohen Temperaturen während der Entwicklung von Eiern und Larven.

Auf dem Weg zum ausgewachsenen Insekt häutet sich die Gottesanbeterin mindestens sechs Mal. Erst erwachsene Tiere besitzen Flügel. Sobald sie auf der Suche nach Nahrung oder einem Paarungspartner kurze Strecken zurücklegen, werden sie auch für Menschen leichter sichtbar. Dann landen sie beispielsweise in Gärten, auf Balkonen oder gelegentlich in Häusern.

Besonders stark ist der aktuelle Anstieg der Beobachtungen im Westen Deutschlands. Nach Angaben des NABU entwickeln sich Eier und Larven bei Durchschnittstemperaturen ab etwa 17 Grad schneller. Solche Bedingungen gab es im Mai und Juni 2026 insbesondere im Südwesten häufig.

Auch die langfristige Entwicklung im Münsterland passt zu diesem Muster. Das LWL-Forschungsteam sieht steigende Temperaturen als wichtigen Faktor für die Ausbreitung der wärmeliebenden Art. Allerdings können Gottesanbeterinnen auch unbeabsichtigt über größere Entfernungen transportiert werden, etwa mit Fahrzeugen oder Güterverkehr.

Für Menschen ist die Gottesanbeterin ungefährlich

Trotz ihres auffälligen Aussehens stellt die Gottesanbeterin für Menschen keine Gefahr dar. Die Tiere sind weder giftig noch besitzen sie einen Stachel. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus anderen Insekten und Spinnen.

Bei der Jagd verharren Gottesanbeterinnen häufig lange regungslos. Nähert sich ein geeignetes Beutetier, greifen sie mit ihren kräftigen Vorderbeinen innerhalb kürzester Zeit zu. Ihre grüne oder braune Färbung dient dabei als Tarnung zwischen Pflanzen und Gebüschen.

Besonders gute Chancen auf eine zufällige Entdeckung bestehen an sonnigen Stellen. Die Tiere sitzen häufig auf Stauden oder an Gebüschrändern. Außerdem werden sie zunehmend in Wohngebieten beobachtet, etwa an Fenstern, in Gärten oder auf Gegenständen im Freien.

In den kommenden Wochen beginnt zugleich die Fortpflanzungszeit. Dabei kann es vorkommen, dass Weibchen ihre männlichen Partner nach der Paarung fressen. Nach Angaben des NABU betrifft dies schätzungsweise etwa ein Drittel der Männchen. Die zusätzliche Nahrung hilft den Weibchen bei der anschließenden Produktion der Eier.

Sichtungen können bei der Forschung helfen

Wer im Münsterland eine Gottesanbeterin entdeckt, kann damit auch zur wissenschaftlichen Beobachtung der Art beitragen. Sowohl der NABU als auch Forschende setzen bei der Erfassung der Ausbreitung auf sogenannte Citizen-Science-Projekte. Dabei melden Bürger ihre Beobachtungen und laden im besten Fall Fotos der Tiere hoch.

Die Gottesanbeterin eignet sich dafür besonders gut. Ihre langen Fangarme, der dreieckige Kopf und die ungewöhnliche Körperhaltung machen sie vergleichsweise leicht erkennbar. Gleichzeitig bewegt sie sich häufig langsam oder bleibt längere Zeit an einer Stelle sitzen.

Bis in die zweite Septemberhälfte können ausgewachsene Gottesanbeterinnen noch häufiger auftreten. Danach nimmt ihre Zahl deutlich ab. Im Herbst sterben die erwachsenen Tiere, während ihre Eipakete den Winter überstehen.

Für Münster und das Münsterland dürfte deshalb vor allem spannend sein, wie weit sich die bereits vorhandenen Populationen in den kommenden Jahren ausbreiten. Dass die Gottesanbeterin hier angekommen ist, gilt inzwischen als gesichert. Wie häufig sie im Hitzesommer 2026 tatsächlich in der Region auftaucht, wird sich dagegen erst anhand weiterer Fundmeldungen zeigen.

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