
Die männliche Verhütung könnte langfristig neue Möglichkeiten bekommen. Die Universität Münster ist Teil eines bundesweiten Forschungsverbunds, der an einer sicheren, reversiblen und nicht-hormonellen Methode für Männer arbeitet.
Wie die Ludwig-Maximilians-Universität München mitteilt, läuft das Projekt unter dem Namen ContraPur. Beteiligt sind neben Münster auch die LMU München, die RWTH Aachen, die Universität Bonn und die Justus-Liebig-Universität Gießen. Koordiniert wird der Verbund von Professor Marc Spehr an der RWTH Aachen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Projekt über drei Jahre mit rund drei Millionen Euro.
Die Forschung setzt bei einer Lücke an, die seit Jahren besteht. Während für Frauen verschiedene Verhütungsmethoden verfügbar sind, bleiben die Möglichkeiten für Männer deutlich begrenzt. Genau deshalb gewinnt die Frage an Bedeutung, ob es künftig zusätzliche, verlässliche und zugleich rückgängig zu machende Optionen geben kann. Das Projekt ContraPur soll dafür keine sofort verfügbare Lösung liefern, sondern zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen klären.
Im Mittelpunkt steht der Wunsch nach Verhütung mit weniger Nebenwirkungen und mehr Wahlfreiheit. Laut Mitteilung der LMU besteht vor allem bei jüngeren Menschen ein Bedarf an nicht-hormonellen Alternativen und an einer breiteren Verteilung der Verantwortung bei der Familienplanung. Der Forschungsverbund greift damit ein Thema auf, das nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich relevant ist.
Wichtig ist die Einordnung: Es geht nicht um ein bereits fertiges Medikament und auch nicht um eine unmittelbar verfügbare neue Verhütungsmethode. Die Forschenden untersuchen biologische Prozesse, die später Ansatzpunkte für Wirkstoffe liefern könnten. Damit bleibt ContraPur ein Forschungsprojekt mit langfristiger Perspektive, aber mit einem klaren Ziel. Männer sollen künftig möglicherweise eine Methode nutzen können, die ihre Fruchtbarkeit zeitweise beeinflusst, ohne sie dauerhaft zu beeinträchtigen.
Die Universität Münster gehört zu den fünf Standorten des Forschungsverbunds ContraPur. Neben Münster sind die LMU München, die RWTH Aachen, die Universität Bonn und die Justus-Liebig-Universität Gießen beteiligt. Koordiniert wird das Projekt von Professor Marc Spehr an der RWTH Aachen. Die Förderung durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt läuft über drei Jahre und umfasst rund drei Millionen Euro.
Der Verbund ist als interdisziplinäres Forschungsprogramm angelegt. Die beteiligten Standorte untersuchen verschiedene biologische und medizinische Teilfragen, die zusammen ein genaueres Bild des Spermientransports im Hoden ergeben sollen. Dabei geht es unter anderem um Gene, Proteine und Signalwege, die an Kontraktionen bestimmter Zellen beteiligt sind.
Münster ist damit Teil einer bundesweiten Forschung zu einer Frage, die in der Verhütungsmedizin bislang ungelöst ist. Eine nicht-hormonelle, reversible Methode für Männer steht noch nicht zur Verfügung. ContraPur soll die wissenschaftliche Grundlage dafür schaffen, ob sich der Spermientransport künftig gezielt und vorübergehend beeinflussen lässt.
Der Forschungsansatz richtet sich auf einen Vorgang im Hoden, der bislang noch nicht vollständig verstanden ist. Nach Angaben der LMU geht es um die sogenannte purinerge Signalübertragung. Dabei spielt ATP eine zentrale Rolle. Dieses körpereigene Molekül ist vor allem als Energieträger der Zelle bekannt, könnte aber auch bei Kontraktionen bestimmter Zellen im Hoden wichtig sein.
Diese Kontraktionen sind für den Transport von Spermien von Bedeutung. Reife Spermien sind innerhalb des Hodens zunächst noch nicht beweglich. Sie müssen deshalb durch die Samenkanälchen weitertransportiert werden. Genau dort setzen die Forschenden an. Sie untersuchen, welche Zellen, Signalwege und molekularen Abläufe an diesem Transport beteiligt sind.
Langfristig könnte daraus ein Ansatz entstehen, bei dem der Spermientransport vorübergehend blockiert wird. Männer wären dann zeitweise unfruchtbar, ohne dass die Fruchtbarkeit dauerhaft beeinträchtigt werden soll. Ob und wie daraus später eine anwendbare Methode entsteht, ist allerdings noch offen. Deshalb bleibt die Formulierung vorsichtig: ContraPur soll die Grundlagen schaffen, auf denen künftig mögliche Wirkstoffe entwickelt und geprüft werden könnten.
Ein Schwerpunkt des Projekts liegt laut LMU auf der Suche nach möglichen Wirkstoffen, die perspektivisch beim Menschen eingesetzt werden könnten. An der LMU München leitet Professor Artur Mayerhofer ein Teilprojekt, in dem menschliche Hodenzellen untersucht werden. Dabei geht es um sogenannte peritubuläre Zellen, deren Kontraktionsfähigkeit für den Spermientransport eine Rolle spielt.
Die Forschenden wollen testen, ob bestimmte Arzneimittelkandidaten diese Kontraktionen beeinflussen können. Solche Versuche sind ein wichtiger Zwischenschritt, weil sie zeigen können, ob der biologische Ansatz grundsätzlich tragfähig ist. Gleichzeitig bedeuten erfolgreiche Laboruntersuchungen noch nicht, dass kurzfristig ein Verhütungsmittel entsteht. Zwischen Grundlagenforschung, Wirkstoffprüfung und einer späteren Anwendung am Menschen liegen mehrere weitere wissenschaftliche Schritte.
Gerade deshalb ist die genaue Einordnung wichtig. ContraPur ist kein Produktstart, sondern ein Forschungsverbund mit langfristigem Ziel. Die Förderung von rund drei Millionen Euro über drei Jahre zeigt jedoch, dass der Ansatz wissenschaftlich weiterverfolgt werden soll. Für Münster bedeutet die Beteiligung an diesem Projekt, dass die Universität an einem Forschungsfeld mitarbeitet, das neue Antworten auf eine seit langem offene Frage der Familienplanung liefern könnte.
Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München
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