Mehr als eine warme Mahlzeit: Münster soll Mittagstische neu denken

Die Bahnhofsmission Münster öffnet wieder ihre Türen mit einem neuen Konzept und reduzierten Öffnungszeiten. Erfahre mehr über die Hintergründe und die Reaktionen der Besucher.
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Münster. Ein warmes Essen, ein gedeckter Tisch und vor allem Menschen, mit denen man ins Gespräch kommt: Offene Mittagstische können im Alltag eine soziale Funktion erfüllen, die weit über die Mahlzeit hinausgeht. Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Münster will deshalb genauer untersuchen lassen, welche Angebote es bereits gibt, wer sie nutzt und wie sie dauerhaft abgesichert werden können.

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Die Fraktion hat dazu einen Antrag ins Rathaus eingebracht. CDU-Ratsherr Andreas Bracht fordert eine Übersicht über bestehende Mittagstische und vergleichbare Einrichtungen im Stadtgebiet. Dabei soll nicht nur erfasst werden, wo solche Angebote vorhanden sind. Die Verwaltung soll nach dem Willen der CDU auch untersuchen, wie stark sie genutzt werden und ob sie künftig für weitere Zielgruppen geöffnet werden könnten.

CDU bringt offene Mittagstische in Münster auf die Agenda

Im Mittelpunkt des Antrags steht die Frage, wie offene Mittagstische Begegnungen ermöglichen und Einsamkeit vorbeugen können. Zwar richten sich viele Angebote grundsätzlich nicht ausschließlich an Seniorinnen und Senioren, tatsächlich werden sie nach Einschätzung der CDU jedoch vor allem von älteren Menschen besucht.

Bracht bezeichnet die Einrichtungen deshalb als wichtige Treffpunkte für die Nachbarschaften. Gemeinsames Essen könne Kontakte entstehen lassen, dem Tag Struktur geben und Menschen erreichen, die sonst möglicherweise einen großen Teil ihres Alltags allein verbringen.

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Die CDU möchte nun prüfen lassen, ob aus einigen Angeboten sogenannte Familien-Mittagstische werden könnten. Damit würde der Kreis der Gäste erweitert: Denkbar wären generationenübergreifende Treffpunkte, an denen beispielsweise ältere Menschen, Alleinerziehende, Familien und andere Bewohner eines Stadtteils gemeinsam essen. Ob und an welchen Standorten ein solches Modell umsetzbar wäre, ist allerdings noch offen.

Stadt Münster führt 27 Anlaufstellen auf

Ganz neu sind offene Mittagstische in Münster nicht. Das Sozialamt führt auf seiner Internetseite derzeit 27 Einrichtungen und Anlaufstellen auf, die gemeinschaftliche Mahlzeiten anbieten. Dazu gehören Altenheime, Seniorenzentren, Kirchengemeinden, Stadtteiltreffs und Wohlfahrtsverbände.

Auf der städtischen Liste stehen unter anderem das Klarastift, mehrere Einrichtungen der Caritas, der Stadtteiltreff Rumphorst, der Treff Nienberge, das Mehrgenerationenhaus MuM in Gievenbeck sowie Angebote in Hiltrup, Albachten und Mauritz. Die konkreten Bedingungen unterscheiden sich allerdings: Nicht überall gibt es täglich ein Essen, teilweise ist eine vorherige Anmeldung notwendig.

Ein Beispiel ist der Mittagstisch 50+ im Mehrgenerationenhaus MuM. Dort wird dienstags ein vegetarisches Drei-Gänge-Menü angeboten. Das Essen kostet derzeit 6,50 Euro einschließlich Wasser und Dessert. Menschen mit einer kleinen Rente können unter bestimmten Voraussetzungen Unterstützung bei den Kosten erhalten.

Die städtische Übersicht allein beantwortet jedoch noch nicht, wie gut die einzelnen Stadtteile versorgt sind, wie viele Plätze tatsächlich zur Verfügung stehen und welche Angebote regelmäßig ausgelastet sind. Genau diese Informationslücke soll der politische Antrag schließen.

Wuddi zeigt, wie schnell ein Angebot wegfallen kann

Dass solche Mittagstische trotz Nachfrage nicht automatisch dauerhaft gesichert sind, zeigt die Entwicklung im Stadtteilhaus Wuddi in Kinderhaus. Dort wurde das bisherige Angebot mit Beginn der Sommerferien 2026 eingestellt. Als Gründe nannte die Stadt eine kurzfristig unbesetzte Stelle in der Küche sowie wirtschaftliche Probleme.

Nach Angaben der Verwaltung konnte der Mittagstisch wegen gestiegener Lebensmittelpreise und höherer Personalkosten nicht mehr kostendeckend betrieben werden. Genutzt worden war er sowohl von Menschen aus Kinderhaus als auch von zwei Gruppen der Offenen Ganztagsschule der Grundschule am Kinderbach. Die Versorgung der Schulkinder wurde anderweitig gesichert. Ob in Kinderhaus künftig wieder ein vergleichbares öffentliches Angebot entsteht, war zuletzt offen.

Der Fall macht deutlich, dass nicht nur Räume und Küchen benötigt werden. Entscheidend sind auch Personal, eine verlässliche Finanzierung und ausreichend viele Gäste.

Finanzierung wird zur zentralen Frage

Die CDU nennt mehrere Möglichkeiten, mit denen offene Mittagstische getragen werden könnten. Dazu gehören Beiträge der Teilnehmenden, städtische Zuschüsse, Spenden und Sponsoring. Denkbar seien zudem Kooperationen mit bereits vorhandenen Küchen, etwa in Pflegeeinrichtungen, Schulen oder sozialen Einrichtungen.

Gleichzeitig soll geprüft werden, wie Menschen mit geringem Einkommen unterstützt werden können. Denn gerade für sie kann bereits ein kleiner regelmäßiger Teilnahmebeitrag zur Hürde werden. Eine Erweiterung der Angebote wäre daher nur sinnvoll, wenn soziale Treffpunkte nicht ausgerechnet diejenigen ausschließen, die besonders von ihnen profitieren könnten.

Die Verbraucherzentrale NRW und der Pflegewegweiser NRW bewerten offene Mittagstische als niedrigschwellige Bausteine einer altersfreundlichen Stadt. Neben einer regelmäßigen warmen Mahlzeit könnten sie soziale Teilhabe, Alltagsstruktur und selbstständiges Leben im Alter fördern. Kommunale Unterstützung könne unter anderem durch Räume, Zuschüsse, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit erfolgen.

Noch ist keine Förderung beschlossen

Der CDU-Vorstoß ist zunächst ein Prüfauftrag. Ein Ausbau der Mittagstische, zusätzliche Zuschüsse oder neue Familienangebote sind damit noch nicht beschlossen. Auch ein konkreter Zeitplan und mögliche Kosten liegen bislang nicht vor.

Als nächster Schritt soll sich der zuständige Ausschuss mit dem Antrag befassen. Erst wenn die Verwaltung eine belastbare Übersicht über Standorte, Nutzung und Finanzierungsmöglichkeiten vorlegt, lässt sich beurteilen, wo in Münster tatsächlich Lücken bestehen – und in welchen Stadtteilen aus einer gemeinsamen Mahlzeit ein neuer sozialer Treffpunkt werden könnte.

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