
Münster/NRW. Künftige Landärzte für Nordrhein-Westfalen durchlaufen einen entscheidenden Teil des Auswahlverfahrens in Münster. Am Standort der Medizinischen Fakultät finden die Gespräche mit den Bewerbern statt. Nun erhöht das Land die Zahl der reservierten Studienplätze. Ab dem Wintersemester 2026/27 stehen insgesamt 227 Plätze über die Landarztquote NRW zur Verfügung. Das sind 25 mehr als bisher.
Für Münster kommt die Ausweitung zu einem wichtigen Zeitpunkt. Die Stadt ist derzeit noch vergleichsweise gut mit Hausärzten versorgt. Eine langfristige Prognose zeigt jedoch, dass sich die Lage bis 2035 deutlich verschlechtern könnte.
Das Auswahlverfahren für angehende Landärzte wird jeweils im Sommer- und Wintersemester in Münster durchgeführt. Zuständig ist eine Abteilung des Instituts für Ausbildung und Studienangelegenheiten der Medizinischen Fakultät. Sie organisiert die Gespräche im Auftrag des Landesamtes für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen.
Dabei geht es nicht allein um Schulnoten. Berücksichtigt werden außerdem das Ergebnis des Tests für Medizinische Studiengänge und einschlägige Berufserfahrungen im Gesundheitswesen. Hinzu kommt ein persönliches Auswahlgespräch. Dort sollen insbesondere soziale Fähigkeiten und Einfühlungsvermögen bewertet werden. Die endgültige Zulassung erfolgt anschließend über die Stiftung für Hochschulzulassung.
Wer über die Landarztquote Münster einen Studienplatz erhält, geht eine langfristige Verpflichtung ein. Nach dem Medizinstudium und der erforderlichen Weiterbildung müssen die Teilnehmer zehn Jahre als Hausärzte arbeiten. Vorgesehen ist eine Tätigkeit in einer Region, die unterversorgt oder von einer Unterversorgung bedroht ist.
Das Studium muss dabei nicht zwingend in Münster stattfinden. Das Auswahlverfahren am Standort Münster entscheidet über Studienplätze an den medizinischen Fakultäten in Nordrhein-Westfalen. Die Universität übernimmt somit eine zentrale Aufgabe für die spätere hausärztliche Versorgung im gesamten Bundesland.
Nach Angaben der Landesregierung sind inzwischen mehr als 1.100 angehende Hausärzte über die Landarztquote gebunden. Erste Teilnehmer haben ihr Studium bereits abgeschlossen. Sie befinden sich derzeit in der fachärztlichen Weiterbildung.
Die Hausarztversorgung in Münster liegt derzeit über dem rechnerischen Bedarf. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe lebten im Planungsbereich Münster zum Stichtag 18. Mai 2026 insgesamt 308.258 Menschen. In der Bedarfsplanung wurden 197,48 Hausarztstellen berücksichtigt.
Daraus ergibt sich ein Versorgungsgrad von 114,8 Prozent. Zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten weist die KVWL aktuell nicht aus. Planungsbereiche mit einem Versorgungsgrad von mehr als 110 Prozent gelten grundsätzlich als überversorgt. Neue Vertragsarztsitze können dort in der Regel nur entstehen, wenn bestehende Sitze frei werden oder reduziert werden.
Langfristig könnte die Entwicklung jedoch in eine andere Richtung gehen. Eine gemeinsame Bedarfsprognose der Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe rechnet für Münster bis 2035 mit einem deutlichen Rückgang.
Die Modellrechnung basiert auf dem Stand vom 1. Januar 2025 und berücksichtigt die Altersstruktur der Ärzteschaft. Demnach könnten bis 2035 rechnerisch 100,25 Hausarztstellen durch altersbedingte Abgänge betroffen sein. Zugleich werden 74,94 Zugänge erwartet. Unter diesen Annahmen würde die Zahl der angerechneten Hausarztstellen von 197,75 auf 172,44 sinken.
Weil gleichzeitig mit 321.432 Einwohnern gerechnet wird, könnte der Versorgungsgrad auf 96,2 Prozent fallen. Das entspräche einem rechnerischen Rückgang um 25,31 Vollzeitstellen. Die Werte sind allerdings keine sichere Vorhersage. Sie beruhen auf Annahmen zu Ruhestand, bisherigen Zugängen und der künftigen Bevölkerungsentwicklung.
Nordrhein-Westfalen erhöht den Anteil der staatlichen Medizin-Studienplätze, die über die Landarztquote vergeben werden. Bislang waren 7,8 Prozent der Plätze dafür reserviert. Ab dem Wintersemester 2026/27 steigt der Anteil auf 8,8 Prozent.
Damit können im kommenden Studienjahr 227 Bewerber über das besondere Auswahlverfahren zugelassen werden. Das sind 25 Studienplätze mehr als zuvor und entspricht einem Anstieg um rund zwölf Prozent. Seit der Einführung im Wintersemester 2019/20 ist die Zahl der Plätze laut Landesregierung insgesamt um etwa 32 Prozent gestiegen.
Insgesamt bietet Nordrhein-Westfalen rund 2.750 Studienplätze für Studienanfänger der Humanmedizin an. Nach Angaben des Landes ist das bundesweit die höchste Zahl. Ein größerer Teil des medizinischen Nachwuchses soll künftig gezielt für ländliche Regionen und kleinere Kommunen gewonnen werden.
Die aktuelle Lage im Münsterland zeigt, warum das Land seinen Kurs ausweitet. Während Münster selbst einen Versorgungsgrad von 114,8 Prozent erreicht, liegen andere Planungsbereiche der Region deutlich niedriger. Für Gronau weist die KVWL 83,3 Prozent aus. In Bocholt sind es 84,4 Prozent, in Ahlen 85,9 Prozent, in Oelde 87,2 Prozent und in Dülmen 87,4 Prozent. Dort bestehen jeweils mehrere Möglichkeiten für zusätzliche Niederlassungen.
Die höhere Studienquote löst diese Unterschiede nicht kurzfristig. Zwischen Studienbeginn und einer eigenständigen hausärztlichen Tätigkeit liegen mehrere Jahre. Dennoch soll die Landarztquote langfristig dazu beitragen, frei werdende Praxen neu zu besetzen und größere Versorgungslücken zu verhindern.
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