Münster glättet Kopfsteinpflaster: 95.000-Euro-Test im Hansaviertel

Münster testet im Hansaviertel ein neues Schleifverfahren, das Kopfsteinpflaster ebener und sicherer machen soll.
Die Stadt Münster testet ein neues Verfahren, mit dem Kopfsteinpflaster geglättet wird. ©Fräsdienst E. Feind

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Münster. Weniger Rütteln auf dem Fahrrad, weniger Stolperkanten und möglicherweise auch weniger Verkehrslärm: Im Hansaviertel lässt die Stadt Münster rund 500 Quadratmeter historisches Kopfsteinpflaster abschleifen. Das sogenannte Grinding-Verfahren soll die Straßen komfortabler und sicherer machen, ohne das mehr als 100 Jahre alte Natursteinpflaster durch Asphalt zu ersetzen. Der Modellversuch kostet rund 95.000 Euro.

Stadt Münster testet Grinding auf zwei Straßen

Der Testlauf begann am Montag, 3. August 2026, und soll innerhalb von etwa fünf Tagen abgeschlossen werden. Bearbeitet werden zwei kleinere Flächen sowie ein insgesamt rund 125 Meter langer Abschnitt der Leerer Straße und der Dortmunder Straße. Während der Arbeiten sind die betroffenen Straßenabschnitte für den Verkehr gesperrt. Fußgänger können die Baustelle weiterhin passieren.

Vor dem eigentlichen Schleifen wurden zunächst abgesackte Pflastersteine angehoben. Anschließend fährt eine Spezialmaschine langsam über die Straße. Eine schnell rotierende Welle mit 385 nebeneinander angeordneten Diamantschleifscheiben trägt die unebenen Oberflächen der Steine schrittweise ab. Pro Durchgang werden abhängig vom Zustand des Pflasters wenige Millimeter entfernt. Wasser kühlt die Werkzeuge und bindet den entstehenden Staub, während das abgetragene Material abgesaugt wird. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Fläche mit einem Hochdruckreiniger gesäubert.

Feine Rillen sollen auch bei Nässe Halt bieten

Das Kopfsteinpflaster wird durch das Precision Grinding nicht vollständig glatt. Auf den Steinen bleiben zahlreiche feine Rillen zurück, die für Griffigkeit sorgen und Wasser besser verdrängen sollen. Dadurch soll die Oberfläche auch bei Nässe ausreichend Halt bieten. Ziel ist es, Höhenunterschiede, Ausbrüche und Stolperkanten zu verringern und die Straße auf ein möglichst einheitliches Niveau zu bringen.

Von der Bearbeitung sollen nicht nur Radfahrer profitieren. Auch für Fußgänger, Rollstuhlnutzer und Menschen mit Rollatoren soll das Pflaster leichter zu passieren sein. Gleichzeitig bleibt der historische Charakter der Straßen erhalten. Eine Asphaltdecke ist deshalb nicht vorgesehen. Die zunächst helleren Schleifspuren sollen nach Angaben des ausführenden Unternehmens innerhalb mehrerer Monate wieder nachdunkeln. Wie sich die Flächen langfristig optisch entwickeln und ob sie nahezu wie das ursprüngliche Pflaster aussehen, gehört zur praktischen Erprobung.

Schleifen kostet rund 45.000 Euro weniger

Die Stadt veranschlagt für den Modellversuch rund 95.000 Euro. Eine konventionelle Erneuerung der betroffenen Straßenabschnitte würde nach ihrer Schätzung etwa 140.000 Euro kosten. Das Grinding ist bei diesem Projekt damit rund 45.000 Euro oder etwa 32 Prozent günstiger. Bezogen auf die genannten 500 Quadratmeter ergeben sich rechnerisch Kosten von rund 190 Euro pro Quadratmeter. Bei einer herkömmlichen Erneuerung wären es etwa 280 Euro.

In den 95.000 Euro sind voraussichtlich nicht nur die reinen Schleifarbeiten enthalten, sondern auch die Vorbereitung der Flächen, die Anreise und der Einsatz der Spezialmaschine, die Baustelleneinrichtung sowie die abschließende Reinigung. Eine detaillierte Kostenaufstellung hat die Stadt bislang nicht veröffentlicht. Die Maschine selbst, die je nach Ausführung bis zu 1,4 Millionen Euro kosten kann, wird von Münster nicht gekauft. Die Stadt bezahlt ausschließlich die beauftragte Baumaßnahme.

Weniger Lärm und Erschütterungen erhofft

Neben dem Fahrkomfort könnten durch die gleichmäßigere Oberfläche auch Erschütterungen und Verkehrsgeräusche abnehmen. Das ausführende Unternehmen nennt bei vergleichbaren Projekten Lärmminderungen von etwa vier bis sechs Dezibel. Die Stadt Münster legt sich für das Hansaviertel bislang jedoch nicht auf einen konkreten Wert fest. Unabhängig veröffentlichte Vorher-Nachher-Messungen für die beiden Straßenabschnitte liegen noch nicht vor.

Wie stark der Lärm tatsächlich sinkt, hängt unter anderem von der Geschwindigkeit der Fahrzeuge, der Verkehrsmenge, den Reifentypen und dem Zustand des Pflasters ab. Eine Verringerung um fünf Dezibel wäre deutlich wahrnehmbar, würde den Verkehrslärm aber nicht vollständig beseitigen. Ob die erhoffte Wirkung im Hansaviertel erreicht wird, soll nach dem Abschluss der Arbeiten geprüft werden.

Weitere Einsätze auf der Salzstraße denkbar

Verläuft der Test erfolgreich, könnte die Stadt das Grinding-Verfahren künftig auf weiteren Pflasterstraßen einsetzen. Als möglicher Standort werden Teilbereiche der Salzstraße genannt. Eine Entscheidung soll allerdings erst nach der technischen Auswertung und den Erfahrungen im alltäglichen Verkehr fallen.

Das Schleifen eingebauter Pflasterstraßen wird seit 2020 im Forschungsprojekt „NUDAFA – Reallabor für interkommunale Radverkehrsförderung“ erprobt und weiterentwickelt. Versuchsflächen entstanden unter anderem im brandenburgischen Eichwalde und in Berlin. Bei neueren Projekten wird das Pflaster teilweise zunächst mit einem 3D-Laser vermessen. Anschließend lässt sich am Computer berechnen, wie viel Material an den einzelnen Stellen entfernt werden muss. Münster gehört nach Angaben der Stadt zu den ersten Kommunen, die das Verfahren unter eigenen örtlichen Bedingungen testen.

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