
Der Streit um Alphaville und das Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring nimmt eine neue Wendung: Nur einen Tag nach der öffentlich gewordenen Ausladung hat Mitveranstalter Markus Krampe seine Entscheidung als Fehler bezeichnet und die in Münster gegründete Band wieder eingeladen. Für einen Auftritt am Freitag kommt die Kehrtwende allerdings zu spät. Alphaville lehnt die Wiedereinladung ab – und will die Gage für das ausgefallene Konzert spenden.
„Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid“, erklärte Krampe gegenüber der „Bild“. Zugleich änderte er den Ton gegenüber der Band deutlich. Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut und müsse geschützt werden. Alphaville solle deshalb wie ursprünglich geplant Teil des Festivals sein. Krampe organisiert das Glücksgefühle-Festival seit 2023 gemeinsam mit dem früheren Fußballnationalspieler Lukas Podolski.
Damit vollzog der Veranstalter innerhalb kurzer Zeit eine deutliche Kehrtwende. Zuvor hatten die Festivalverantwortlichen noch erklärt, ihre Bühne solle nicht für politische Äußerungen genutzt werden. Hintergrund waren Aussagen von Alphaville-Sänger Marian Gold, der sich bei früheren Konzerten gegen rechtsradikale Tendenzen sowie für Freiheit, Toleranz und Demokratie ausgesprochen hatte. Weil sich Veranstalter und Band nicht auf einen Verzicht auf entsprechende Äußerungen verständigen konnten, war der geplante Auftritt zunächst gestrichen worden.
Die Entschuldigung führt allerdings nicht dazu, dass Alphaville nun doch auf dem Hockenheimring auftreten wird. Sänger Marian Gold erklärte am Donnerstagabend auf Instagram, die Band nehme die Entschuldigung und Wiedereinladung zur Kenntnis. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass künftig die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit bei dem Festival respektiert werde.
Die vorangegangenen Äußerungen hätten jedoch eine Atmosphäre geschaffen, in der die Band von einem Auftritt absehe, erklärte Gold. Damit ist die Entscheidung endgültig: Alphaville wird am Freitag nicht beim Glücksgefühle-Festival spielen. Die für den nicht stattfindenden Auftritt vorgesehene Gage soll nach Angaben der Band an eine gemeinnützige Organisation gehen. Welche Organisation das Geld erhalten soll und wie hoch die Gage ist, wurde zunächst nicht bekannt.
Der Kurswechsel der Veranstalter erfolgte nach deutlicher Kritik aus der Musikszene und der Politik. Eine besondere Rolle spielte dabei auch Münster. Am Mittwochabend trat Marian Gold überraschend beim Konzert der Toten Hosen auf dem Freigelände der Halle Münsterland auf. Campino kritisierte die Ausladung vor rund 25.000 Konzertbesuchern deutlich und bezeichnete es als fragwürdig, einen Künstler auszuladen, der sich gegen die AfD oder Donald Trump und für Demokratie positioniere. Anschließend sangen die Toten Hosen gemeinsam mit Marian Gold den Alphaville-Klassiker „Forever Young“.
Auch weitere Musiker reagierten. Mateo von Culcha Candela, deren Auftritt beim Glücksgefühle-Festival weiterhin geplant ist, kündigte beispielsweise an, seine Band werde auch auf der Festivalbühne ihre Haltung gegen Rechtsextremismus deutlich machen. Die ursprüngliche Entscheidung des Veranstalters löste damit genau jene politische Debatte aus, die dieser nach eigener Darstellung von seiner Veranstaltung fernhalten wollte.
Das Glücksgefühle-Festival läuft vom 3. bis 6. September am Hockenheimring. Alphaville war ursprünglich für Freitag um 14.30 Uhr auf der Dopamin Stage vorgesehen. Trotz der nun ausgesprochenen Entschuldigung bleibt dieser Auftritt gestrichen.
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