
Kurz vor dem geplanten Auftritt ist Alphaville aus dem Programm des Glücksgefühle-Festivals am Hockenheimring gestrichen worden. Die in Münster gegründete Band sollte am Freitag, 4. September, um 14.30 Uhr auf der Dopamin Stage auftreten. Auslöser ist ein Streit darüber, ob politische Äußerungen auf der Festivalbühne stattfinden dürfen.
Noch am Mittwoch war Alphaville im offiziellen Zeitplan aufgeführt. Kurz darauf folgte die Absage. Die Veranstalter bestätigten, dass die Band nicht auftreten werde, weil politische Äußerungen auf den Bühnen des Festivals nicht gewünscht seien. Mitveranstalter Markus Krampe bezeichnet das Glücksgefühle-Festival als „komplett unpolitisch“. Diese Vorgabe gelte nach seiner Darstellung unabhängig davon, aus welcher politischen Richtung entsprechende Aussagen kämen.
Der Konflikt hatte sich bereits bei früheren Auftritten der Band bei Veranstaltungen derselben Veranstaltergruppe abgezeichnet. Nach Angaben der Veranstalter hatte es bei einem Konzert politische Äußerungen von der Bühne gegeben. Vor einem weiteren Auftritt sei Alphaville deshalb gebeten worden, darauf zu verzichten. Vor dem Glücksgefühle-Festival habe keine Einigung über diese Vorgabe erzielt werden können.
Alphaville-Frontmann Marian Gold reagierte scharf auf die Entscheidung. Auf der offiziellen Seite der Band bezeichnete der 72-Jährige die Vorgabe als „Maulkorberlass“ und wertete sie als Einschränkung von Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit. Alphaville kündigte zugleich an, sich weiterhin für Freiheit, Toleranz und Demokratie einzusetzen.
Dabei handelt es sich um Golds Bewertung des Vorgangs. Ein staatliches Verbot liegt nicht vor. Die Entscheidung wurde von einem privaten Festivalveranstalter getroffen. Ob sich daraus vertragliche oder rechtliche Ansprüche ergeben, ist bislang nicht öffentlich geklärt.
Krampe weist zurück, dass Alphaville wegen einer bestimmten politischen Haltung ausgeladen worden sei. Entscheidend sei vielmehr die grundsätzliche Regel, politische Statements von der Bühne fernzuhalten. Nach seiner Darstellung gelte das gleichermaßen für Aussagen aus dem rechten, linken oder jedem anderen politischen Spektrum.
Der Streit hat sich inzwischen weiter verschärft. Krampe bezeichnete das Verhalten von Alphaville und Marian Gold als „inakzeptabel“. Zudem sollen Äußerungen Golds in sozialen Netzwerken anwaltlich geprüft werden.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall auch in Münster. Alphaville wurde 1983 von Marian Gold, Bernhard Lloyd und Frank Mertens in der Stadt gegründet. Aus den frühen elektronischen Experimenten entstanden später Welthits wie „Big in Japan“ und „Forever Young“.
Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden des Streits stand Marian Gold am Mittwochabend erneut in Münster auf der Bühne. Beim ausverkauften Open-Air-Konzert der Toten Hosen am MCC Halle Münsterland wurde er überraschend als Gast geholt. Vor rund 25.000 Zuschauern sang Gold gemeinsam mit der Band „Forever Young“.
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