Konjunkturforscher werden für Deutschlands Wirtschaft optimistischer

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich deutlich aufgehellt. Mehrere führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für das laufende Jahr nach oben korrigiert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, kurz DIW, erwartet inzwischen ein Wachstum von 1,2 Prozent. Das ifo Institut geht mit 1,4 Prozent noch weiter. Auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft und das RWI haben ihre Erwartungen angehoben. Damit rechnen die Institute inzwischen mit einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung als noch vor wenigen Monaten.

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Die Wachstumsprognose für Deutschland 2026 liegt bei den aktuell veröffentlichten Einschätzungen damit zwischen 1,2 und 1,4 Prozent. Grundlage für den zunehmenden Optimismus sind vor allem überraschend starke Exporte, höhere staatliche Ausgaben und nachträgliche Revisionen der bisherigen Wirtschaftsdaten.

DIW hebt Prognose auf 1,2 Prozent an

Das DIW hatte bereits am Mittwoch seine Herbstprognose vorgestellt. Danach dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2026 um 1,2 Prozent wachsen. In der Sommerprognose hatte das Institut lediglich 0,5 Prozent erwartet. Für 2027 rechnet das DIW nun mit einem Plus von 1,0 Prozent, für 2028 mit 0,7 Prozent.

Als wesentlichen Grund nennt das Institut die überraschend starke Entwicklung des Außenhandels. Zugleich fiel der wirtschaftliche Bremseffekt der gestiegenen Energiepreise geringer aus als im Frühsommer angenommen. Die Erholung bleibt nach Einschätzung des DIW allerdings anfällig. Hohe Gaspreise, eine zurückhaltende private Nachfrage sowie strukturelle Probleme der Industrie belasteten weiterhin die Entwicklung.

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Die amtlichen Zahlen stützen zumindest den Befund einer stärkeren ersten Jahreshälfte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im ersten Quartal hatte das Plus nach der jüngsten Überarbeitung bei 0,4 Prozent gelegen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 wuchs die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 1,0 Prozent.

ifo erwartet sogar 1,4 Prozent Wachstum

Noch optimistischer fällt die am Donnerstag veröffentlichte Herbstprognose des ifo Instituts aus. Die Münchner Wirtschaftsforscher rechnen für 2026 nun mit einem realen Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent. Im Sommer waren sie lediglich von 0,8 Prozent ausgegangen. Die Prognose wurde damit um 0,6 Prozentpunkte angehoben. Für 2027 erwartet ifo 1,2 Prozent Wachstum und für 2028 noch 0,8 Prozent.

Nach Einschätzung des Instituts sorgen eine stärkere Nachfrage aus dem Ausland sowie zusätzliche staatliche Ausgaben für Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung für Impulse. Außerdem bewerten die Forscher die Belastungen durch den Energiepreisschock inzwischen weniger stark als noch im Sommer.

Die Erholung ist allerdings nicht gleichmäßig verteilt. Der private Konsum bleibt nach der ifo-Prognose wegen der erhöhten Inflation gedämpft. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Institut einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,8 Prozent. Für 2027 werden 3,0 Prozent prognostiziert. Erst 2028 dürfte die Inflationsrate nach Einschätzung der Forscher wieder auf 2,3 Prozent sinken.

Auch IfW und RWI korrigieren Erwartungen nach oben

Das Kiel Institut für Weltwirtschaft hat seine Prognose für 2026 ebenfalls deutlich erhöht. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Angaben erwartet das IfW ein Wachstum von 1,3 Prozent, nachdem zuvor 0,8 Prozent prognostiziert worden waren. Für 2027 bleibt die Erwartung bei 1,0 Prozent. Für 2028 rechnet das Institut mit einem Wachstum von 0,5 Prozent.

Auch das RWI hat seine Prognose angehoben. Das Essener Institut erwartet für 2026 nun ein BIP-Wachstum von 1,3 Prozent. Zuvor hatte die Prognose bei 0,8 Prozent gelegen. Für 2027 rechnen die Forscher mit einem Plus von 1,1 Prozent.

Noch im Frühjahr war die Einschätzung vieler Ökonomen deutlich pessimistischer gewesen. In der Gemeinschaftsdiagnose der führenden Institute vom Frühjahr 2026 war lediglich ein Wachstum von 0,6 Prozent für das laufende Jahr erwartet worden. Für 2027 hatten die beteiligten Institute damals 0,9 Prozent prognostiziert.

Exporte treiben die Erholung stärker als erwartet

Ein wichtiger Grund für die Aufwärtskorrekturen ist die Entwicklung des Außenhandels. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die preisbereinigten Exporte im zweiten Quartal 2026 um 3,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals. Die Warenexporte stiegen sogar um 5,0 Prozent. Besonders kräftig entwickelten sich unter anderem Ausfuhren chemischer Erzeugnisse sowie von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Produkten. Auch der Handel mit anderen EU-Staaten legte zu.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die Binnenwirtschaft nicht im selben Tempo wächst. Die privaten Konsumausgaben lagen im zweiten Quartal saisonbereinigt lediglich 0,1 Prozent über dem Vorquartal. Die Ausrüstungsinvestitionen gingen um 1,4 Prozent zurück. Damit bleibt die Investitionstätigkeit der Unternehmen ein Schwachpunkt.

Staatliche Ausgaben gewinnen als Wachstumstreiber an Bedeutung

Neben dem Außenhandel spielen die staatlichen Ausgaben eine immer größere Rolle. Die Institute verweisen insbesondere auf Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Das ifo Institut erwartet zugleich, dass die höheren Ausgaben das staatliche Finanzierungsdefizit deutlich vergrößern. Nach seiner Prognose steigt das Defizit von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 4,0 Prozent 2026 und 4,6 Prozent im Jahr 2027.

Damit verbessert sich zwar die kurzfristige Wachstumsperspektive, die langfristigen strukturellen Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Mehrere Institute verweisen weiterhin auf hohe Energiekosten, schwache private Investitionen, demografische Belastungen und Wettbewerbsprobleme der deutschen Industrie.

Die neuen Prognosen markieren deshalb keine Rückkehr zu hohen Wachstumsraten. Sie zeigen aber, dass die deutsche Wirtschaft 2026 bislang widerstandsfähiger ist als noch im Frühjahr angenommen. Ob sich daraus eine dauerhaft stärkere Entwicklung ergibt, hängt nach Einschätzung der Institute insbesondere davon ab, ob neben Exporten und staatlichen Ausgaben auch private Investitionen und Konsum wieder stärker zulegen.

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