Kinderwunsch geht zurück: Warum Wunsch und Wirklichkeit auseinanderliegen

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Der Kinderwunsch junger Erwachsener in Deutschland ist erstmals seit mehreren Jahren gesunken. Neue Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen zugleich, dass die gewünschte Familiengröße weiterhin deutlich oberhalb der tatsächlich erreichten Geburtenzahl liegt. Während Frauen zwischen 18 und 39 Jahren zuletzt durchschnittlich rund 1,7 Kinder und Männer etwa 1,6 Kinder einplanten, sehen beide Geschlechter rund 2,2 Kinder als ideale Familiengröße an.

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Parallel dazu ist die tatsächliche Geburtenhäufigkeit weiter zurückgegangen. Nach endgültigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die zusammengefasste Geburtenziffer 2025 bei 1,32 Kindern je Frau. Das waren 2,7 Prozent weniger als 2024 und der niedrigste Stand seit 1997. Insgesamt wurden 654.241 Kinder geboren, so wenige wie seit 1946 nicht mehr.

Kinderwunsch in Deutschland sinkt erstmals seit Jahren

Die aktuellen Ergebnisse stammen aus dem familiendemografischen Panel FReDA. Dafür werden zweimal jährlich rund 30.000 Menschen in Deutschland befragt. Noch in den vorausgegangenen Befragungsjahren hatte der durchschnittliche Kinderwunsch der 18- bis 39-Jährigen bei etwa 1,8 Kindern gelegen. In der Erhebung 2024/25 ging er auf rund 1,7 bei Frauen und 1,6 bei Männern zurück.

Bemerkenswert ist dabei die Unterscheidung zwischen gewünschter und idealer Kinderzahl. Die Vorstellung davon, wie viele Kinder Menschen unter idealen Bedingungen gerne hätten, hat sich kaum verändert. Sie liegt bei Frauen und Männern weiterhin bei durchschnittlich etwa 2,2 Kindern. Der jüngste Rückgang betrifft damit stärker die unter den tatsächlichen Lebensbedingungen angestrebte Familiengröße.

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Das Bundesinstitut sieht darin einen Hinweis darauf, dass Kinderwünsche nicht einfach verschwinden. Familiengründungen werden teilweise aufgeschoben oder Planungen nach unten angepasst. Dadurch kann eine ursprünglich gewünschte Kinderzahl später nicht mehr vollständig erreicht werden.

Krieg, Demokratie und Klimawandel beeinflussen Familienplanung

Die neuen FReDA-Daten zeigen einen Zusammenhang zwischen Zukunftssorgen und Kinderwünschen. Mehr als vier von zehn Befragten gaben an, wegen Kriegen sehr besorgt zu sein. Stark zugenommen haben dem Institut zufolge außerdem Befürchtungen vor einer Schwächung der Demokratie. Auch Klimawandel und wirtschaftliche Krisen beschäftigen viele junge Erwachsene.

Die Analyse zeigt dabei Zusammenhänge, aber keinen einfachen Ursache-Wirkungs-Mechanismus. Bei Männern und Frauen gehen starke Sorgen um Demokratie und Klimawandel mit einem geringeren Kinderwunsch einher. Nach Darstellung der Studienautoren fällt der Kinderwunsch bei sehr großen Zukunftssorgen im Durchschnitt etwa zehn Prozent niedriger aus.

Neben übergeordneten Krisen spielen konkrete Lebensbedingungen eine Rolle. Besonders kritisch bewerten viele Befragte das Wohnungsangebot sowie Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten in ihrer Region. Nur etwa ein Viertel zeigt sich mit der örtlichen Wohnsituation zufrieden. Kinderlose Menschen, die ihre Wohnungs- und Arbeitsmarktsituation positiv einschätzen, planen häufiger innerhalb der nächsten drei Jahre ein Kind.

Geburtenrate fällt auf 1,32 Kinder je Frau

Der Rückgang des Kinderwunsches trifft auf eine ohnehin schwache demografische Entwicklung. Die zusammengefasste Geburtenziffer sank in Deutschland von 1,58 im Jahr 2021 über 1,35 im Jahr 2024 auf 1,32 Kinder je Frau im Jahr 2025. Damit liegt sie deutlich unter dem Niveau, das langfristig ohne Zuwanderung für eine stabile Bevölkerungsgröße erforderlich wäre.

Auch die absoluten Geburtenzahlen gehen zurück. 2025 kamen 3,4 Prozent weniger Kinder zur Welt als 2024. Von Januar bis April 2026 wurden nach vorläufigen Angaben weitere 2,5 Prozent weniger Kinder geboren als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Rückgang verlangsamte sich damit allerdings gegenüber Anfang 2025.

Die demografischen Folgen sind bereits sichtbar. Ende 2025 lebten 83,5 Millionen Menschen in Deutschland, rund 110.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Nettozuwanderung von rund 235.000 Personen konnte das Geburtendefizit von etwa 352.000 Menschen nicht mehr ausgleichen.

Die Lücke zwischen idealer und tatsächlicher Kinderzahl wächst

Besonders auffällig ist die wachsende Differenz zwischen der als ideal angesehenen Familiengröße und der gegenwärtigen Geburtenziffer. Bei einer idealen Kinderzahl von rund 2,2 und einer Geburtenziffer von 1,32 ergibt sich rechnerisch eine Differenz von fast 0,9 Kindern. Das Bundesinstitut bezeichnet diese Lücke als Fertility Gap.

Allerdings sind beide Werte methodisch nicht identisch. Die Geburtenziffer beschreibt das Geburtenverhalten sämtlicher Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren innerhalb eines bestimmten Jahres. Der Kinderwunsch wird dagegen über Befragungen erhoben. Die Differenz ist deshalb vor allem ein Maß für die unterschiedliche Größenordnung von Idealvorstellungen und aktuellem Geburtenverhalten, nicht die Zahl der Kinder, die jeder einzelnen Person tatsächlich fehlen wird.

Niedrige Geburtenzahlen sind internationales Phänomen

Deutschland steht mit dieser Entwicklung nicht allein. Die durchschnittliche Geburtenziffer in der Europäischen Union sank nach Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung von 1,53 Kindern je Frau im Jahr 2021 auf 1,34 im Jahr 2024. Deutschland lag mit damals 1,35 ungefähr im europäischen Mittelfeld.

Auch international zeigen Untersuchungen, dass Kinder und Partnerschaft für viele junge Erwachsene weiterhin wichtige Lebensziele sind. Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen UNFPA befragte für seinen Demographic Futures Survey mehr als 108.000 internetnutzende Menschen zwischen 18 und 39 Jahren in 73 Ländern. Zwei Kinder waren in fünf von sieben untersuchten Weltregionen die am häufigsten genannte ideale Familiengröße.

Als besonders wichtige Voraussetzungen für Elternschaft nannten 88 Prozent finanzielle Sicherheit, 87 Prozent eine stabile Beschäftigung und 85 Prozent emotionale Bereitschaft. Wirtschaftliche Unsicherheit und Wohnprobleme gehören international zu den besonders häufig genannten Hindernissen bei der Familiengründung.

Die Ergebnisse dürfen allerdings nicht als repräsentative Weltbevölkerungsumfrage verstanden werden. UNFPA weist ausdrücklich darauf hin, dass die Befragten internetnutzende junge Erwachsene waren und die Daten weder auf nationaler noch auf globaler Ebene repräsentativ sind. Sie zeigen dennoch über zahlreiche Länder hinweg ein ähnliches Muster: Der Wunsch nach Partnerschaft und Elternschaft ist bei vielen jungen Erwachsenen vorhanden, während wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen seine Umsetzung beeinflussen.

Für Deutschland kommt nun eine zusätzliche Entwicklung hinzu. Nicht nur die Zahl der tatsächlichen Geburten ist niedrig. Erstmals seit Jahren gibt auch der unter realen Bedingungen formulierte Kinderwunsch junger Erwachsener nach. Die ideale Vorstellung von Familie bleibt dagegen weitgehend unverändert.

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