Neue QuartiersKisten in Münster: Teilen statt kaufen im Alltag

Münster testet QuartiersKisten in York und Oxford: Alltagsgegenstände leihen, Ressourcen sparen und künftig auch tauschen.
Wie hier im Oxford-Quartier steht den Bewohnerinnen und Bewohnern des York-Quartiers seit dem 1. Juni die „QuartiersKiste“ zum Ausleihen von Gebrauchsgegenständen zur Verfügung. ©awm

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In Münster können Bewohnerinnen und Bewohner der Quartiere York und Oxford seit dem 1. Juni 2026 Alltagsgegenstände direkt im eigenen Wohnumfeld ausleihen. Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster haben dafür zwei sogenannte QuartiersKisten eröffnet. Das app-gestützte Angebot soll helfen, Ressourcen zu schonen, Kosten zu senken und Dinge des täglichen Bedarfs gemeinschaftlich nutzbar zu machen.

Die beiden Standorte befinden sich am Treff C im Surreyweg 5 im York-Quartier in Gremmendorf sowie an der Mobilstation Nord im Oxford-Quartier in Gievenbeck. Nutzen können das Angebot zunächst Menschen aus den beiden Quartieren und angrenzenden Straßen. Die Ausleihe ist rund um die Uhr möglich.

Teppichreiniger, Bohrer und Spiele statt eigener Anschaffung

Die Idee hinter den QuartiersKisten ist einfach: Viele Gegenstände werden im Alltag nur selten gebraucht, müssen aber trotzdem angeschafft, gelagert und gepflegt werden. Genau hier setzt das neue System an. Ausgeliehen werden können unter anderem Teppichreiniger, Akku-Bohrer, Trittleitern und Gesellschaftsspiele.

Die Gegenstände liegen in stabilen Kunststoffboxen, die zugleich den Transport erleichtern. Auf den Deckeln befinden sich Hinweise zur Nutzung, Rückgabe und Bedienung. Zusätzlich führt ein QR-Code zur jeweiligen Anleitung. Damit sollen auch Menschen ohne Vorerfahrung die ausgeliehenen Geräte sicher verwenden können.

App regelt Reservierung, Ausleihe und Verlängerung

Die QuartiersKisten funktionieren über eine App. Dort können Nutzer verfügbare Gegenstände auswählen, Zeiten reservieren und eine Ausleihe bei Bedarf verlängern. Eine Verlängerung ist möglich, wenn für den jeweiligen Gegenstand noch keine Anschlussreservierung vorliegt.

In einer Testphase mit 110 Personen wurde das System vor dem offiziellen Start erprobt. Besonders positiv bewerteten die Teilnehmenden nach Angaben der awm den Reservierungskalender mit direkter Zeitauswahl und die geschützte Aufbewahrung der Gegenstände in den Transportboxen.

Feedback aus den Quartieren floss in die Entwicklung ein

Die QuartiersKisten wurden nicht allein am Schreibtisch entwickelt. Nach Angaben der awm entstand das Angebot gemeinsam mit Menschen aus den Quartieren. Wünsche und Rückmeldungen aus der Bürgerschaft wurden in die Umsetzung aufgenommen.

Nach der Erprobungsphase wurde das System weiter angepasst. Unter anderem ergänzten die Verantwortlichen eine Zubehör-Checkliste in der App und als Aufkleber auf den Transportboxen. So lässt sich bereits bei der Ausleihe prüfen, ob alle Teile vorhanden sind. Das soll Rückfragen vermeiden und die Nutzung für alle Beteiligten einfacher machen.

Tausch- und Verschenkfunktion soll folgen

Bis Ende 2026 sollen die QuartiersKisten erweitert werden. Geplant ist eine zusätzliche Funktion, mit der Gegenstände nicht nur ausgeliehen, sondern auch getauscht oder verschenkt werden können. Damit würde aus dem bisherigen Leihsystem ein breiteres Angebot für gemeinschaftliche Nutzung im Quartier.

Nach Abschluss des Modellprojekts „Abfallfreie Quartiere“ Mitte 2027 sollen die Standorte in York und Oxford für alle Münsteranerinnen und Münsteraner geöffnet werden. Dann soll auch geprüft werden, ob das Konzept auf weitere Stadtteile übertragen wird.

Teil der Smart-City-Strategie Münster

Die QuartiersKisten sind Bestandteil der Smart-City-Strategie Münster und des Modellprojekts „Abfallfreie Quartiere“. Die awm haben das Sharing-System gemeinsam mit der Reboot Mobility GmbH und der PAUL WOLFF GmbH entwickelt. Die Nutzung ist zunächst kostenlos. Zu einem späteren Zeitpunkt soll je nach Gegenstand und Leihdauer ein Entgelt erhoben werden.

Ab Herbst 2026 soll die Software der QuartiersKisten frei verfügbar sein. Der Quellcode wird als Open-Source-Lösung bereitgestellt und kann damit auch von anderen Kommunen genutzt werden.

Das Projekt wird im Rahmen der „Modellprojekte Smart Cities“ vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gefördert. Wissenschaftlich begleitet wird es vom Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management GmbH Ahlen. Neben den QuartiersKisten testen die awm in York und Oxford auch Künstliche Intelligenz zur Erkennung von Störstoffen im Bioabfall.

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