
Münster. Im Historischen Rathaus in Münster wird heute erstmals der Alternative Westfälische Friedenspreis vergeben. Entstanden ist die neue Auszeichnung als Reaktion auf die Entscheidung, den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 an die NATO zu verleihen. Die Initiatoren kritisieren diese Wahl und verstehen ihren Preis ausdrücklich als friedenspolitischen Gegenentwurf. Erster Preisträger ist Connection e.V. aus Offenbach, ein Verein, der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure unterstützt. Bevor um 18 Uhr die Verleihung im Rathaus beginnt, findet ab 14 Uhr auf dem Domplatz ein öffentliches Friedens- und Kulturfest statt.
Das Friedens- und Kulturfest „Bühne frei für den Frieden!“ läuft von 14 bis 18 Uhr auf dem Domplatz. Geplant sind Live-Musik, gemeinsames Singen von Friedensliedern, Improvisationstheater, Poetry Slam, Satire und die Präsentation eines Gemeinschaftskunstwerks. Für Kinder tritt ab 15.30 Uhr „Winne der Zauberer“ im Kreisel der FH in unmittelbarer Nähe der Bühne auf. Der Eintritt ist frei, die beteiligten Künstlerinnen und Künstler verzichten nach Angaben der Veranstalter auf eine Gage.
Zum angekündigten Programm gehören unter anderem Cadillac, Duo Annatomi, Pam & The Papas, die Stephan Sundrup Band mit Chor, Heute Hübsch, Duo Contraviento, Andreas Neumann und Törner Stier. Das Fest gehört zum Friedenskulturmonat in Münster und führt unmittelbar zur anschließenden Preisverleihung.
Um 18 Uhr beginnt im Historischen Rathaus die eigentliche Verleihung. Rund 240 geladene Gäste werden erwartet. Oberbürgermeister Tilman Fuchs soll die Gäste begrüßen, auch die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann und der Journalist Heribert Prantl wirken an der Würdigung des Preisträgers mit. Die Veranstaltung im Rathaus ist im Gegensatz zum Fest auf dem Domplatz nicht frei zugänglich.
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis geht an Connection e.V. Der 1993 gegründete Verein setzt sich international für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure ein und unterstützt Betroffene unter anderem bei Schutz- und Asylfragen. Nach Angaben der Jury spielte bei ihrer Entscheidung insbesondere das länderübergreifende Engagement für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung eine Rolle. Der Verein arbeitet dabei nicht nur zu Russland, Belarus und der Ukraine, sondern auch zu anderen Staaten. Zusätzlich zum Preisgeld wird eine eigens für den neuen Friedenspreis gestaltete Skulptur übergeben.
Dass Münster heute einen zweiten Friedenspreis bekommt, geht unmittelbar auf eine Entscheidung aus dem vergangenen Jahr zurück. Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe hatte angekündigt, ihren Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 an die NATO zu vergeben. Daraufhin gründete sich Ende 2025 der Verein hinter dem Alternativen Westfälischen Friedenspreis. Nach Auffassung seiner Initiatoren widerspricht die Ehrung eines Militärbündnisses ihrem Verständnis des Westfälischen Friedens. Der neue Preis soll deshalb Initiativen würdigen, die nach Vorstellung des Vereins für Konfliktlösung durch Dialog und zivile Friedensarbeit stehen.
Der Internationale Preis des Westfälischen Friedens ist davon organisatorisch unabhängig. Er wird von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe vergeben und geht am 1. Oktober 2026 an die NATO; der Jugendpreis wird an socioMovens verliehen. Die WWL begründet die NATO-Auszeichnung ihrerseits mit deren Beitrag zu Zusammenarbeit, Bündnisbindung und Sicherheit.
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