
Münster. Eines der letzten großen unbebauten Grundstücke direkt am Stadthafen Münster hat einen neuen Eigentümer: Die Landmarken AG hat am Freitag, 2. Oktober 2026, den Kaufvertrag mit den Stadtwerken Münster unterzeichnet. Auf der Fläche zwischen Hafenweg und Hafenbecken sollen 115 Wohnungen, ein Hotel mit bis zu 200 Zimmern, Büros und Gastronomie entstehen. Ein öffentlich zugänglicher Platz am Wasser und eine Rooftop-Bar in rund 50 Metern Höhe gehören ebenfalls zum Konzept.
Der Vertragsabschluss ist mehr als die Bekanntgabe eines neuen Bauprojekts. Das rund 10.500 Quadratmeter große Grundstück gilt als letzter noch zu entwickelnder Baustein des früheren Osmo-Areals am nördlichen Hafenbecken. Noch Ende 2024 war offen, wie es dort weitergeht: Die LVM Versicherung zog sich nach mehreren Jahren aus ihrem Bauprojekt zurück und gab die Fläche an die Stadtwerke zurück. Nun steht fest, welcher Investor die prominente Wasserlage entwickeln soll.
Landmarken plant auf dem Grundstück insgesamt rund 25.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Den Auftakt sollen drei sechsgeschossige Wohngebäude bilden. Vorgesehen sind 115 Wohnungen, wobei nach Angaben der Stadt rund ein Drittel der Wohnfläche öffentlich gefördert werden soll. In den Erdgeschossen zum Hafenweg und zur Promenade sind Gewerbeflächen vorgesehen.
Zwischen den Wohnhäusern sollen Grün- und Spielflächen entstehen. Unterirdisch ist eine Tiefgarage mit mehr als 200 Stellplätzen geplant. Die Gebäude sollen zudem so angeordnet werden, dass vom Hafenweg aus weiterhin teilweise der Blick auf das Wasser möglich bleibt.
Östlich davon ist ein viergeschossiges Gebäude vorgesehen. Im Erdgeschoss soll Gastronomie einziehen, darüber sind drei Büroetagen geplant. Besonders sichtbar wird die Veränderung an der Stelle des früheren Coconut Beach: Dort soll bewusst nicht bis an die Wasserkante gebaut werden. Stattdessen ist ein öffentlicher Platz direkt am Hafenbecken vorgesehen, der auch ohne gastronomischen Konsum genutzt werden kann.
Den östlichen Abschluss bildet nach dem derzeitigen Entwurf ein Hotel mit bis zu 200 Zimmern. Auf dessen Dach ist eine öffentlich zugängliche Rooftop-Bar in etwa 50 Metern Höhe geplant. In Richtung des bestehenden Speichers soll ein weiteres sechsgeschossiges Gebäude Raum für gewerbliche Nutzungen schaffen. Die Planung stammt von Kleihues + Kleihues, die Freiräume wurden von brandenfels landscape + environment entworfen.
Die Entwicklung der Fläche zieht sich bereits seit Jahren. Die Stadtwerke hatten das Grundstück nach einem früheren Konzeptverfahren 2017 an die LVM Versicherung verkauft. Ende 2024 machte das Unternehmen von einem vertraglich vereinbarten Rücktrittsrecht Gebrauch. Die LVM begründete den Schritt damit, ihre Immobilienentwicklung in Münster auf das größere Projekt „Auf der Friedrichsburg“ konzentrieren zu wollen.
Die tatsächliche Rückübertragung an die Stadtwerke erfolgte nach deren Angaben Anfang August 2025. Wenige Tage später startete das kommunale Unternehmen ein neues mehrstufiges Auswahlverfahren. Dabei sollten nicht allein der Kaufpreis, sondern auch Nutzungskonzept und Realisierungsperspektive berücksichtigt werden.
Im August 2026 wurde schließlich bekannt, dass Landmarken den Zuschlag erhalten hatte. Damals sprach der Projektentwickler bereits von rund 25.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche für Wohnen, Hotel, Gastronomie, Büros und weitere Nutzungen. Mit der Unterschrift vom 2. Oktober ist nun auch der Grundstückskauf vertraglich besiegelt.
Dass der Kaufvertrag unterschrieben ist, bedeutet allerdings noch nicht, dass unmittelbar gebaut werden kann. Grundlage für das Vorhaben soll der Bebauungsplan Nr. 600 „Stadthafen Nord“ werden. Das Verfahren läuft noch. Die Stadt hatte den Entwurf vom 5. Januar bis 5. Februar 2026 öffentlich ausgelegt; aktuell bezeichnet sie die Planung als in der finalen Erarbeitungsphase. Parallel wird der Flächennutzungsplan geändert.
Einen konkreten Termin für den Baustart oder die Fertigstellung des Landmarken-Projekts nennt die Stadt in ihrer aktuellen Mitteilung nicht. Geplant ist allerdings, die verschiedenen Gebäude des Projekts in einem Zug zu realisieren. Die Erschließung soll später über die verlängerte Ewaldistraße und im westlichen Bereich über den Hafenweg erfolgen. Außerdem soll die bisher unterbrochene Promenade entlang des Hafenbeckens geschlossen werden. Neue Durchgänge sollen Hafenweg und Wasserkante miteinander verbinden.
Das Landmarken-Projekt ist nur ein Teil der deutlich größeren Entwicklung zwischen Schillerstraße und Hafenbecken. Auf dem früher gewerblich genutzten Osmo-Areal sollen Wohnungen, Büros, Gastronomie, Hotels und eine Kita miteinander kombiniert werden.
Bei der Zahl der geplanten Wohnungen gibt es derzeit unterschiedliche Angaben der Stadt: Auf der offiziellen Seite zum Bebauungsplan ist von rund 770 Wohneinheiten die Rede. In der aktuellen Mitteilung vom 2. Oktober nennt die Stadt für den derzeitigen Planungsstand dagegen 800 bis 900 Wohnungen im gesamten Quartier. Das zeigt zugleich, dass sich die Planung noch verändert.






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