Fünf neue Exzellenzstandorte: Jena schafft historischen Sprung

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Deutschland bekommt ab 2027 fünf neue Exzellenzstandorte. Die Universität Freiburg, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Universität zu Köln waren mit ihren Einzelbewerbungen erfolgreich. Hinzu kommen zwei Universitätsverbünde: die Rhein-Main-Universitäten aus Darmstadt, Frankfurt am Main und Mainz sowie das Ruhr Innovation Lab der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund.

Die Exzellenzkommission traf die Entscheidung am Freitag, 2. Oktober 2026, in Bonn. Elf Universitäten und Verbünde hatten sich um die zusätzlichen Förderplätze beworben. Zusammen mit den zehn bereits im Frühjahr bestätigten Standorten werden damit vom 1. Januar 2027 an insgesamt 15 Exzellenzstandorte gefördert.

Besonders weitreichend ist die Entscheidung für Jena. Die Friedrich-Schiller-Universität steigt erstmals in die höchste institutionelle Förderlinie der deutschen Exzellenzstrategie auf. Freiburg und Köln dagegen kennen den Status bereits aus früheren Wettbewerbsrunden und kehren nun in den Kreis der geförderten Spitzenstandorte zurück.

Jena, Freiburg und Köln setzen sich durch

Die Universität Jena hatte sich mit ihrer Strategie „Light. Life. Liberty“ beworben. Voraussetzung für den Antrag waren ihre beiden erfolgreichen Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ und „Imaginamics“. Für Thüringen ist die Aufnahme Jenas ein Novum. Bislang gab es dort keine Exzellenzuniversität.

Auch Freiburg gehört ab 2027 wieder zu den geförderten Standorten. Die Universität war bereits in der früheren Exzellenzinitiative ausgezeichnet worden, hatte ihren Status jedoch 2012 verloren. Für die neue Bewerbung konnte sie auf zwei erfolgreiche Forschungscluster aufbauen.

Köln gelingt ebenfalls die Rückkehr. Die Universität hatte 2019 den Exzellenzstatus verloren. Ihr neuer Antrag zur strategischen Entwicklung der gesamten Hochschule war nun erfolgreich.

Damit sorgen die Exzellenzuniversitäten 2026 nicht nur für neue Standorte auf der Förderkarte. Zwei frühere Titelträger kehren zurück, während Jena erstmals aufgenommen wird.

Rhein-Main und Ruhrgebiet werden neue Exzellenzverbünde

Neben den drei Einzeluniversitäten entschied sich die Kommission für zwei Kooperationen mehrerer Hochschulen.

Die Rhein-Main-Universitäten verbinden die Technische Universität Darmstadt, die Goethe-Universität Frankfurt und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die drei Hochschulen hatten sich gemeinsam mit der Strategie „EXCITE“ beworben. Ihre Zusammenarbeit erstreckt sich über die Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz.

Der zweite neue Verbund entsteht im Ruhrgebiet. Im Ruhr Innovation Lab arbeiten die Ruhr-Universität Bochum und die Technische Universität Dortmund zusammen. Beide Universitäten wollen ihre Forschungsstrukturen und strategischen Entwicklungsprojekte stärker miteinander verzahnen.

Mit den beiden erfolgreichen Verbünden wächst die Zahl der institutionell geförderten Hochschulallianzen. Neben ihnen wird die bereits bestehende Berlin University Alliance aus Freier Universität, Humboldt-Universität und Technischer Universität weitergefördert.

Sechs Bewerbungen erhalten keinen Zuschlag

Nicht erfolgreich waren sechs der elf Neuanträge. Ohne Förderung als neuer Exzellenzstandort bleiben die Northwest Alliance der Universitäten Bremen und Oldenburg, der mittelhessische Verbund der Universitäten Gießen und Marburg, die Leibniz Universität Hannover, die Medizinische Hochschule Hannover, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und die Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Mehrere der nicht ausgewählten Hochschulen kündigten nach der Entscheidung an, Teile ihrer im Bewerbungsverfahren entwickelten Strategien dennoch weiterzuverfolgen. Die Leibniz Universität Hannover erklärte etwa, ihre strategische Weiterentwicklung trotz des ausgebliebenen Zuschlags fortsetzen zu wollen. Auch die Universität Kiel will zentrale Elemente ihrer Bewerbung beibehalten.

Davon zu unterscheiden ist die Universität Konstanz. Sie gehörte in der bisherigen Förderphase zu den Exzellenzuniversitäten, wird aber ab 2027 nicht mehr in dieser Förderlinie unterstützt. Ursache ist keine Niederlage im Neuantragsverfahren vom Freitag. Bereits nach der Auswahl der Exzellenzcluster stand fest, dass Konstanz die vorgeschriebene Mindestzahl geförderter Cluster nicht mehr erreicht und deshalb die formalen Voraussetzungen für eine Fortsetzung nicht erfüllt.

Zehn bisherige Standorte behalten ihren Status

Die Weiterförderung der bisherigen Exzellenzstandorte war bereits im März entschieden worden. Erfolgreich evaluiert wurden die RWTH Aachen, die Berlin University Alliance, die Universität Bonn, die TU Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Universität Tübingen.

Sie werden ab Januar gemeinsam mit den fünf neu ausgewählten Standorten in die nächste siebenjährige Förderphase gehen. Voraussetzung für den Exzellenzstatus sind erfolgreiche Exzellenzcluster und eine positive Bewertung der strategischen Entwicklung der Universität oder des Verbunds.

Die institutionelle Förderung ist langfristig angelegt. Die Standorte müssen sich jedoch regelmäßig einer Evaluation unterziehen und weiterhin die notwendigen Voraussetzungen erfüllen.

208 Millionen Euro pro Jahr für Exzellenzuniversitäten

Für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten stellen Bund und Länder künftig insgesamt 208 Millionen Euro pro Jahr bereit. Das sind 60 Millionen Euro mehr als bisher. Der Bund finanziert 75 Prozent der Kosten, die beteiligten Länder übernehmen zusammen 25 Prozent.

Einzeluniversitäten konnten für ihre Strategien grundsätzlich zwischen zehn und 15 Millionen Euro pro Jahr beantragen. Bei Universitätsverbünden liegt der vorgesehene Rahmen zwischen 15 und 28 Millionen Euro jährlich.

Die vollständige Ausschöpfung der fünf neuen Förderplätze hat allerdings finanzielle Folgen. Nahezu alle Universitäten und Verbünde beantragten Beträge nahe den jeweiligen Höchstgrenzen. Die Summe der Anträge liegt damit über dem verfügbaren Gesamtbudget.

Nach Angaben von Wissenschaftsrat und Deutscher Forschungsgemeinschaft müssen deshalb die jeweils beantragten jährlichen Fördersummen der 15 Standorte für die kommenden sieben Jahre im Durchschnitt um rund 21 Prozent angepasst werden. Die Aufnahme in die Exzellenzförderung bedeutet damit nicht automatisch, dass ein Standort den ursprünglich beantragten Betrag vollständig erhält.

Zusätzlich fließen erhebliche Mittel in die zweite Säule der Exzellenzstrategie. Für 70 Exzellenzcluster stehen seit 2026 bis zu 539 Millionen Euro jährlich bereit. Von 2027 an umfasst der Finanzrahmen für beide Förderlinien zusammen damit bis zu 747 Millionen Euro pro Jahr.

Bund und Länder setzen auf internationale Sichtbarkeit

Die Exzellenzstrategie soll besonders forschungsstarke Hochschulen und Forschungsfelder international konkurrenzfähiger machen. Über die Aufnahme neuer Standorte entscheidet die Exzellenzkommission. Ihr gehören internationale Wissenschaftsexperten sowie die für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Minister von Bund und Ländern an.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär verband die Entscheidung mit dem Ziel, international sichtbare und leistungsfähige Universitäten zu stärken. Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft verwiesen zugleich darauf, dass die Auswahl auf internationalen Begutachtungen der eingereichten Strategien basiert.

Mit der Entscheidung vom 2. Oktober ist die zweite Wettbewerbsrunde der Exzellenzstrategie abgeschlossen. Für Freiburg, Jena, Köln, Rhein-Main und das Ruhr Innovation Lab beginnt die institutionelle Förderung am 1. Januar 2027.

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