
Münster. Die Zukunft der Tierheime in Münster und NRW stand am 20. Juni im Mittelpunkt eines WDR5 Stadtgesprächs bei den Tierfreunden Münster. Thema war die angespannte Lage vieler Einrichtungen, die steigende Kosten tragen müssen und zugleich immer stärker auf Spenden, Mitgliedsbeiträge und ehrenamtliches Engagement angewiesen sind.
Viele Tierheime in NRW arbeiten nach den geschilderten Eindrücken aus der Diskussion längst an ihrer Belastungsgrenze. Das betrifft nicht nur die Zahl der Tiere, sondern auch die laufenden Ausgaben. Personal, Futter und tierärztliche Untersuchungen werden teurer, während die finanzielle Unterstützung vielerorts nicht im gleichen Maß mitwächst. Für die Tierfreunde Münster nannte Leiter Ingmar Karrie laut den Angaben aus dem Stadtgespräch ein konkretes Beispiel: Wenn ein Tier gesundheitliche Probleme habe, könnten schon bei einem Kaninchen Kosten von 300 bis 400 Euro entstehen.
Besonders schwierig ist die Finanzierung, weil Tierheime unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Für Fundtiere und sichergestellte Tiere gibt es vielerorts kommunale Zahlungen. Bei abgegebenen Tieren müssen Einrichtungen jedoch häufig stärker auf eigene Mittel, Spenden und Mitgliedsbeiträge zurückgreifen. Zugleich stehen viele Kommunen selbst unter finanziellem Druck. Deshalb wird die Frage, wer welche Kosten dauerhaft trägt, für den Tierschutz NRW immer drängender.
Das WDR5 Stadtgespräch im Tierheim der Tierfreunde Münster brachte Vertreter aus Tierschutz, Politik, Verwaltung und Ehrenamt zusammen. Neben Ingmar Karrie waren unter anderem Gerd Kortschlag vom Tierschutzverband NRW, Sandra Kassenböhmer vom Tierheim Coesfeld, Norwich Rüße von den Grünen im NRW-Landtag, Gerlinde von Dehn als Tierschutzbeauftragte des Landes NRW und Norbert Vechtel vom Ordnungsamt Münster beteiligt.
Aus der Diskussion wurde deutlich, dass viele Tierheime ihre Rolle nicht nur als private Hilfsangebote verstehen. Gerd Kortschlag stellte heraus, dass Tierheime Leistungen für Kommunen übernehmen und deshalb nicht als Bittsteller auftreten. Sandra Kassenböhmer berichtete aus Coesfeld von einem voll belegten Tierheim und kritisierte, dass politische Unterstützung nach Wahlkampfbesuchen häufig nicht ausreichend folge. Damit wurde in Münster eine Frage verhandelt, die weit über die Stadt hinausweist: Wie verlässlich müssen Kommunen und Land den Tierschutz absichern, wenn Tierheime öffentliche Aufgaben mittragen?
Ein Ansatz in der Debatte war eine einheitlichere Grundlage für Verhandlungen zwischen Kommunen und Tierheimen. Gerd Kortschlag verwies auf eine Pauschale, die er für sein Tierheim in Leverkusen mit der Kommune ausgehandelt habe. Nach seinem Vorschlag könnte ein solches Modell auch für andere Einrichtungen interessant sein, weil es Fundtiere, sichergestellte Tiere und abgegebene Tiere gemeinsam berücksichtigen würde.
Norwich Rüße verwies auf Richtsätze, die als Orientierung für solche Verhandlungen dienen könnten. Gerlinde von Dehn erklärte, dass solche Richtsätze bereits Thema an einem runden Tisch gewesen seien. Ziel wäre demnach eine verlässlichere und einheitlichere Grundlage für Tierheime und Ehrenamtliche. Auch die Hundesteuer kam zur Sprache. Aus dem Publikum wurde angeregt, Hunde aus dem Tierheim von der Steuer zu befreien. Norbert Vechtel bewertete den Vorschlag positiv, machte aber deutlich, dass die Entscheidung darüber bei der Politik liegt.
Neben den Tierheimen war auch die Wildtierhilfe Münster Thema der Gesprächsrunde. Thomas Voß von der Aktiven Wildtierhilfe Münster forderte mehr Unterstützung durch die Kommunen. Die Einrichtung erhält inzwischen zwar Geld von der Stadt, bleibt aber weiterhin zu einem großen Teil auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. Damit zeigt sich auch in diesem Bereich, wie stark Tierschutzarbeit vom Engagement einzelner Menschen und Vereine abhängt.
Norwich Rüße schlug vor, in jedem Regierungsbezirk eine hauptverantwortliche Wildtierhilfestation zu benennen. Andere Einrichtungen könnten dieser Station dann zuarbeiten. Im Kreis Düren werde ein solches Modell nach seinen Angaben derzeit erprobt oder vorbereitet. Für Münster und andere Städte stellt sich damit die Frage, ob Wildtierhilfe künftig stärker strukturiert und verlässlicher finanziert werden kann. Denn auch hier übernehmen Ehrenamtliche Aufgaben, die ohne ihren Einsatz kaum aufzufangen wären.
Quelle: Angaben der Tierfreunde Münster zum WDR5 Stadtgespräch sowie zusammengefasste Inhalte der Diskussion.
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