
Urzeitliche Meereswelten sollen im LWL-Museum für Naturkunde in Münster bald digital erlebbar werden. Ein neues Paläoaquarium gehört zu den zentralen Elementen der Paläontologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen, die ab dem 10. Juli im Museum zu sehen ist. Die Ausstellung trägt den Titel „Überleben zwischen Dinos und Schuppenbäumen“ und will Besucherinnen und Besuchern zeigen, wie sich das Leben auf der Erde über gewaltige Zeiträume verändert hat.
Nach Angaben des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zählt das Paläoaquarium zu den besonderen Höhepunkten der Ausstellung. Besucher sehen dort unter anderem urzeitliche Meeresreptilien, riesige Knochenfische und Ammoniten in einer digital rekonstruierten Unterwasserwelt.
Das Paläoaquarium besteht aus einer rund 13 mal 4 Meter großen, gebogenen Projektionsfläche. Sie soll den Eindruck vermitteln, als stünde das Publikum vor einer großen Aquariumsscheibe. Durch die gebogene Form entsteht eine räumliche Wirkung, die den Blick in den oberflächennahen Wasserbereich offener Urzeit-Meere ermöglichen soll.
Die Animation läuft nicht in einer einfachen Wiederholungsschleife. Stattdessen setzt das Museum auf eine nicht-lineare Szenenabfolge. Dadurch sollen immer wieder neue Bewegungen und Begegnungen der Tiere sichtbar werden.
Die Sparkasse Münsterland Ost unterstützt das Paläoaquarium finanziell. Peter Scholz, stellvertretender Vorsitzender der Sparkasse Münsterland Ost, bezeichnete das Projekt als Beispiel moderner Wissensvermittlung. „Modernes Lernen ist eine Mischung aus Zuhören, Anfassen, Erleben und digitaler Hilfe“, sagte Scholz.
LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger sieht in dem Paläoaquarium eine Verbindung von Forschung und Erlebnis. Museen hätten den Auftrag, Wissen zugänglich und verständlich zu machen. Das neue Ausstellungselement erfülle diesen Anspruch auf besondere Weise.
Für das Paläoaquarium wurden Meeresbewohner aus Jura und Kreide als lebensgroße 3D-Animationen rekonstruiert. Am Beispiel des Riesenammoniten Parapuzosia seppenradensis zeigt das Museum, wie aus einem Fossil ein animiertes Tier entsteht. Grundlage ist ein detaillierter 3D-Scan des Originals.
Darauf aufbauend werden Schale, Proportionen und Bewegungen digital rekonstruiert. Farben und Oberflächen orientieren sich an heutigen Meerestieren wie Muscheln, Schnecken und Perlbooten. So entsteht eine wissenschaftlich fundierte Darstellung eines Tieres, das vor Millionen Jahren in den Meeren lebte.
Die Ausstellung in Münster ist Teil der Paläontologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen. Beteiligt sind neben dem LWL-Museum für Naturkunde auch das Ruhr Museum in Essen und das Lippische Landesmuseum Detmold. Von April 2026 bis September 2027 zeigen die drei Häuser unterschiedliche Perspektiven auf den Wandel des Lebens.
Museumsdirektor Prof. Dr. Jan Ole Kriegs bezeichnete das Paläoaquarium als „besonderen Baustein“ der neuen Landesausstellung. Es ermögliche den Besuchern, Tiere nicht nur als Fossilien zu sehen, sondern in einer rekonstruierten Lebenswelt zu erleben.
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