
Münster. Lange bevor Disney mit abendfüllenden Zeichentrickfilmen weltberühmt wurde, schuf Lotte Reiniger bereits einen Meilenstein der Animationsgeschichte. Ihr 1926 erschienener Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ gilt heute als ältester erhaltener abendfüllender Animationsfilm der Welt. Zwei noch frühere Animationslangfilme aus Argentinien sind nicht erhalten geblieben.
Genau diese Pionierin steht am Mittwoch, 23. September, beim LITFILMS Festival in Münster im Mittelpunkt. Autorin Rike Reiniger liest um 20 Uhr im LWL-Museum für Kunst und Kultur aus ihrer Romanbiografie „24 Bilder pro Sekunde“. Begleitet wird die Lesung von Filmausschnitten, außerdem geht es um das Leben und Werk Lotte Reinigers.
„Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ kam 1926 heraus und damit mehr als ein Jahrzehnt vor Disneys „Snow White and the Seven Dwarfs“ von 1937. Reiniger arbeitete dabei nicht mit klassisch gezeichneten Figuren, sondern mit kunstvoll ausgeschnittenen Silhouetten. Diese wurden Bild für Bild bewegt und aufgenommen. Der Film hat eine Laufzeit von rund 65 Minuten.
Gerade die Technik macht Reinigers Werk bis heute außergewöhnlich. Für ihre Animationen entwickelte sie einen sogenannten Tricktisch, bei dem Figuren, Hintergründe, Licht und Kamera zusammenwirkten. Nach Angaben der Library of Congress setzte sie zudem bereits Verfahren ein, die räumliche Tiefe erzeugen sollten. Damit gehörte sie zu den frühen technischen Wegbereiterinnen des Animationsfilms.
Auch beim LITFILMS-Abend in Münster soll das nicht nur theoretisch erklärt werden. Filmausschnitte ergänzen die Lesung und geben dem Publikum die Möglichkeit, Reinigers charakteristische Silhouetten selbst zu sehen. Die Pressemitteilung des Festivals bezeichnet „Prinz Achmed“ als den ersten abendfüllenden Trickfilm der Filmgeschichte. Historisch genauer ist jedoch die Einordnung als ältester heute erhaltener abendfüllender Animationsfilm.
Rike Reiniger beschränkt sich in „24 Bilder pro Sekunde“ nicht auf die Entstehung des berühmten Films. Ihre Romanbiografie verfolgt Lotte Reinigers Weg durch die 1920er-Jahre, ihr Exil und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Wiederentdeckte Briefe eröffnen laut LITFILMS außerdem neue Einblicke in ihr persönliches Leben und eine lange geheim gehaltene Liebe zu einer Frau.
Rike Reiniger wuchs in Bochum auf, arbeitete zunächst in einem Puppentheater und studierte anschließend in Prag und Gießen. Später gründete sie in Berlin eine eigene Compagnie. „24 Bilder pro Sekunde“ ist ihr Debütroman. Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 23. September 2026, um 20 Uhr im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Sie gehört zum LITFILMS Festival, das noch bis zum 27. September an verschiedenen Kulturorten in Münster läuft. Tickets sind über localticketing.de erhältlich.
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