
Münster. Erst vor wenigen Tagen ging das traditionsreiche Turnier der Sieger vor dem Schloss unter dem Namen Al Shira’aa zu Ende. Nun bekommt die Verbindung zum prominenten Geldgeber aus Abu Dhabi eine völlig neue Dimension: Veranstalter großer deutscher Reitturniere warten offenbar auf zugesagte Sponsorenzahlungen. Betroffen ist nach Angaben von Pferdesport Deutschland ausdrücklich auch Münster. Gleichzeitig gibt es Fragen um Sheikha Fatima bint Hazza bin Zayed Al Nahyan, die hinter den Al Shira’aa Stables steht und für deutsche Ansprechpartner offenbar nur schwer oder gar nicht erreichbar ist.
Dass es tatsächlich finanzielle Probleme mit den vereinbarten Sponsorengeldern gibt, ist inzwischen offiziell bestätigt. Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender von Pferdesport Deutschland, erklärte am Donnerstag, dass die für 2026 vereinbarte Zahlung von Al Shira’aa Stables für die Bundeschampionate in Warendorf noch aussteht. Dort geht es um 200.000 Euro. Der entsprechende Sponsoringvertrag läuft nach Verbandsangaben noch bis einschließlich 2027.
Noch wichtiger aus Münsteraner Sicht: Peiler bestätigte zugleich Medienberichte, wonach auch die von Al Shira’aa unterstützten Veranstaltungen in Münster und Hamburg auf Geld warten. Damit ist erstmals von Verbandsseite eindeutig bestätigt, dass auch das Turnier der Sieger von den Zahlungsproblemen betroffen ist.
Wie hoch die offene Forderung des Westfälischen Reitervereins konkret ist, wurde bislang nicht öffentlich bekannt.
Brisant ist der Zeitpunkt. Vom 3. bis 6. September fand auf dem Schlossplatz das 69. Turnier der Sieger statt – offiziell unter dem Namen Al Shira’aa Turnier der Sieger. Selbst der wichtigste Wettbewerb am Sonntag wurde als Al Shira’aa Großer Preis von Münster ausgetragen. Gerrit Nieberg gewann die Prüfung vor vollen Rängen.
Nach außen war von einem Konflikt mit dem Titelsponsor während des Turnierwochenendes nichts zu erkennen. Al Shira’aa war fest in Namen, Programm und Außendarstellung der Veranstaltung eingebunden.
Dabei besteht die Partnerschaft noch gar nicht lange. Ende 2024 war Al Shira’aa als neuer Haupt- und Titelsponsor vorgestellt worden. Seit 2025 trägt das traditionsreiche Turnier offiziell den Namen des Gestüts. Die Verbindung galt als bedeutender Schritt für die langfristige Finanzierung einer Veranstaltung, die jedes Jahr erhebliche Kosten verursacht.
Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte bereits am Dienstag über erheblich größere Probleme berichtet. Demnach sollen Veranstalter mehrerer Reitturniere seit März auf vertraglich vereinbarte Zahlungen warten. Je Veranstaltung gehe es um sechsstellige Summen, zusammengerechnet um einen Millionenbetrag. Nach Darstellung der Zeitung seien lediglich Teilzahlungen eingegangen.
Diese Gesamtsumme ist bislang jedoch nicht von allen betroffenen Veranstaltern einzeln bestätigt worden. Belastbar bestätigt sind derzeit die 200.000 Euro für Warendorf sowie die Tatsache, dass auch Münster und Hamburg auf Zahlungen warten.
Für zusätzliche Unruhe sorgt die Frage, was hinter den ausbleibenden Zahlungen steckt. Hinter Al Shira’aa steht Sheikha Fatima bint Hazza bin Zayed Al Nahyan aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi. Sie ist seit Jahren im internationalen Pferdesport aktiv und hat über ihr Gestüt zahlreiche Turniere und Reitsportprojekte unterstützt.
Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet unter Berufung auf Martin Richenhagen, Präsident von Pferdesport Deutschland, dass selbst der Vermittler der Sponsoringvereinbarungen seit Monaten nichts mehr von Sheikha Fatima gehört habe.
Von einem tatsächlichen „Verschwinden“ der Sheikha lässt sich nach dem derzeitigen Informationsstand allerdings nicht gesichert sprechen. Es gibt keine behördliche Mitteilung darüber, dass sie vermisst werde. Bekannt ist lediglich, dass offenbar wichtige deutsche Ansprechpartner keinen direkten Kontakt herstellen können. Auch Al Shira’aa Stables hat die Hintergründe der ausstehenden Zahlungen bislang nicht öffentlich erläutert.
Spekulationen über finanzielle, persönliche oder politische Ursachen sind deshalb derzeit nicht belastbar.
Wie ernst die Lage inzwischen genommen wird, zeigt ein ungewöhnlicher Schritt von Pferdesport Deutschland. Der Verband hat sich nach eigenen Angaben schriftlich an den Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Berlin gewandt und um Unterstützung gebeten.
Parallel werden auch rechtliche Möglichkeiten geprüft. Denkbar sind nach Angaben von Peiler ein Mahnverfahren gegen den Vertragspartner oder ein gerichtliches Vorgehen. Gleichzeitig erklärte der Verbandschef, man stehe mit dem Vertragspartner in Kontakt. Al Shira’aa Stables selbst hat sich zu den offenen Zahlungen bislang nicht öffentlich geäußert.
Für den Westfälischen Reiterverein trifft die Entwicklung einen der wichtigsten Partner der jüngeren Turniergeschichte. Das Turnier der Sieger gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Sportveranstaltungen Münsters. Nach Angaben des Veranstalters kommen Jahr für Jahr rund 28.000 Zuschauer auf den Schlossplatz; allein die ausgeschütteten Preisgelder liegen bei insgesamt mehr als 300.000 Euro. Sponsoren sind entsprechend ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung.
Umso bemerkenswerter ist, wie schnell sich die Situation verändert hat. Noch Ende August liefen die Vorbereitungen für das Turnier unter dem Al-Shira’aa-Branding auf Hochtouren. Anfang September wurde vier Tage lang internationaler Spitzensport unter diesem Namen ausgetragen. Weniger als zwei Wochen später ist öffentlich bekannt, dass offenbar auch in Münster Sponsorengeld fehlt.
Ein Ende des traditionsreichen Turniers bedeutet die Entwicklung allerdings nicht. Der Westfälische Reiterverein veranstaltet das Turnier der Sieger lange länger, als die Partnerschaft mit Al Shira’aa besteht. Erst seit 2025 trägt die Veranstaltung den Namen des Sponsors aus Abu Dhabi. Die Geschichte des Turniers reicht dagegen weit zurück; der Westfälische Reiterverein selbst wurde bereits 1835 gegründet.
Damit dürfte sich für Münster nun vor allem die Frage stellen, ob und wie die Zusammenarbeit mit Al Shira’aa fortgesetzt werden kann – und ob die ausstehenden Gelder noch fließen.
Fest steht bislang nur: Das Problem ist real, Münster ist betroffen und die Hintergründe sind weiterhin ungeklärt. Was dagegen mit Sheikha Fatima selbst passiert ist und warum vereinbarte Zahlungen ausbleiben, lässt sich derzeit nicht seriös beantworten.






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