
Münster. Die Westfalen-Gruppe hat ihre Investitionen im Geschäftsjahr 2025 um rund 30 Prozent auf mehr als 90 Millionen Euro erhöht. Ein wachsender Teil des Geldes fließt allerdings nicht in Deutschland, sondern in neue Produktions- und Logistikstandorte in anderen europäischen Ländern.
Das Unternehmen reagiert damit nach eigenen Angaben auf die schwache Konjunktur, hohe Energiekosten und unsichere politische Rahmenbedingungen im deutschen Markt. Besonders das Geschäft mit Industriegasen soll durch zusätzliche Kapazitäten in Frankreich, Österreich und der Schweiz breiter aufgestellt werden.
Während zahlreiche Industrieunternehmen ihre Investitionen zurückfahren, verfolgt die Westfalen-Gruppe einen anderen Kurs. Das Unternehmen investiert mehr, verteilt seine Aktivitäten jedoch zunehmend auf mehrere europäische Märkte.
Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Thomas Perkmann soll die Internationalisierung die Wettbewerbsfähigkeit und Liefersicherheit stärken. Zudem will Westfalen neue Absatzmärkte erschließen und die wirtschaftliche Abhängigkeit vom deutschen Kerngeschäft reduzieren.
Als Belastungen für Investitionen in Deutschland nennt das Unternehmen vor allem hohe Energiepreise, komplexe Vorgaben und fehlende Planungssicherheit. Technische Lösungen für eine klimafreundlichere Industrie seien grundsätzlich vorhanden. Ihre Umsetzung werde jedoch durch hohe Stromkosten und langwierige Verfahren erschwert.
Westfalen fordert deshalb wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässlichere politische Rahmenbedingungen. Nur unter diesen Voraussetzungen könnten Investitionen in neue und klimafreundliche Technologien in Deutschland wieder stärker vorangetrieben werden.
Besonders deutlich werden die unterschiedlichen Standortbedingungen nach Einschätzung des Unternehmens beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. Im französischen Florange befindet sich ein Elektrolyseur bereits im Testbetrieb. Weitere Projekte sind dort nach Angaben der Westfalen-Gruppe in Vorbereitung.
Vergleichbare Vorhaben in Deutschland seien derzeit wirtschaftlich schwer umzusetzen. Als Beispiel nennt das Unternehmen einen geplanten Elektrolyseur in Weißenhorn bei Ulm. Die Erfahrungen mit diesem Projekt hätten gezeigt, dass insbesondere die hohen Strompreise einen wirtschaftlichen Betrieb verhinderten.
Auch im Geschäft mit Wärmepumpen und intelligentem Energiemanagement spürt Westfalen eine größere Zurückhaltung. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren mehrere Anbieter übernommen und diese in der Westfalen Energietechnik zusammengeführt.
Die lang anhaltenden politischen Diskussionen über die Vorgaben für die Modernisierung von Gebäuden hätten jedoch Investitionsentscheidungen gebremst. Das betreffe sowohl das Unternehmen selbst als auch Kunden, die angesichts wechselnder Rahmenbedingungen geplante Maßnahmen verschoben hätten.
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage erzielte die Westfalen-Gruppe 2025 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei 95 Millionen Euro.
Das Unternehmen will seine Strategie zur Verringerung von CO₂-Emissionen fortsetzen. Seit 2019 seien die eigenen Emissionen aus dem direkten Betrieb und dem Energiebezug um 72 Prozent gesunken. Bis 2030 strebt Westfalen in diesen Bereichen Netto-Null-Emissionen an.
Bei den Emissionen aus verkauften Energieträgern verzeichnet das Unternehmen seit 2019 einen Rückgang um 16 Prozent. Nach eigenen Angaben wird inzwischen die Hälfte des Ergebnisses in Produktbereichen außerhalb des fossilen Geschäfts erzielt.
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet die Westfalen-Gruppe einen deutlichen Umsatzanstieg und einen leicht höheren Gewinn. Die weitere Entwicklung dürfte jedoch auch davon abhängen, ob sich die Energiepreise und Investitionsbedingungen in Deutschland verbessern.
Quelle: Pressemitteilung der Westfalen AG & Co. KG
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