Preußen Münster: 16 Abgänge und die offene Kapitänsfrage

SC Preußen Münster äußert sich zu Vorfällen beim Spiel gegen Eintracht Braunschweig
Foto: SC Preußen Münster

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Münster. Beim SC Preußen Münster beginnt nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga mehr als nur eine neue Saison. Trainer Thomas Wörle und die sportliche Leitung stellen eine Mannschaft zusammen, deren Gesicht sich innerhalb weniger Wochen grundlegend verändert hat. 16 Spieler wurden verabschiedet, acht externe Neuzugänge standen bereits zum Trainingsauftakt fest. Dazu erhalten mehrere Talente aus dem eigenen Nachwuchs eine Chance.

Der Umbruch betrifft nicht nur einzelne Positionen. Mit Jorrit Hendrix und Mikkel Kirkeskov verließen auch die bisherigen Führungsspieler den Verein. Die Frage, wer künftig die Kapitänsbinde trägt und den neuen Kader zusammenführt, ist deshalb noch offen. Erste Hinweise gab es im Testspiel gegen Eintracht Rheine.

Nach Lorenz und Hendrix endet die bisherige Hierarchie

Marc Lorenz stand wie kaum ein anderer Spieler für den Aufschwung der vergangenen Jahre. Der gebürtige Münsteraner kehrte 2022 zum damaligen Regionalligisten zurück und führte Preußen als Kapitän zu zwei Aufstiegen in Serie. Auch am Klassenerhalt in der ersten Zweitligasaison war er beteiligt. Seine Zeit im Verein endete 2025 jedoch vorzeitig. Zuvor hatte der damalige Trainer Alexander Ende Jorrit Hendrix zum neuen Kapitän bestimmt.

Hendrix führte die Mannschaft durch die Saison 2025/26, konnte den Abstieg aber ebenso wenig verhindern wie Kirkeskov, der als Stellvertreter zur Führungsgruppe gehörte. Beide verließen Münster im Sommer. Damit muss der Verein innerhalb kurzer Zeit bereits zum zweiten Mal eine neue Hierarchie aufbauen.

Insgesamt verabschiedete Preußen 16 Spieler. Neben Hendrix und Kirkeskov gingen Yassine Bouchama, Etienne Amenyido, Jano ter Horst, Marvin Benjamins, Marian Kirsch, Paul Jaeckel, Jannis Heuer, Lars Lokotsch, Marcel Benger, Marco Meyerhöfer und Oliver Batista Meier. Die Leihen von Shin Yamada, Imad Rondic und Tobias Raschl endeten ebenfalls. Der Verein erklärte, dass mehrere Verträge ausgelaufen waren oder durch den Abstieg ihre Gültigkeit verloren hatten.

Einige Abgänge bedeuten auch sportlich einen erheblichen Verlust. Jano ter Horst und Oliver Batista Meier wechselten zum Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn. Batista Meier war mit sechs Toren und vier Vorlagen einer der produktiveren Offensivspieler der vergangenen Zweitligasaison. Paul Jaeckel schloss sich dem 1. FC Magdeburg an, Jannis Heuer wechselte nach seiner Leihe vom 1. FC Kaiserslautern zur SpVgg Greuther Fürth. Yassine Bouchama unterschrieb beim Mitabsteiger Fortuna Düsseldorf.

Der personelle Einschnitt trifft damit alle Mannschaftsteile. Münster verliert Zweitligaerfahrung, Torgefahr und mehrere Spieler, die innerhalb der Kabine Verantwortung getragen haben. Für Wörle besteht die Aufgabe nicht nur darin, eine neue Startelf zu finden. Er muss auch Rollen verteilen und aus vielen jungen Spielern eine belastbare Mannschaft formen.

Acht externe Zugänge stehen für einen neuen Kurs

Die bisherigen Transfers zeigen eine klare Richtung. Preußen setzt vor allem auf jüngere Spieler, die bereits im Seniorenfußball Erfahrungen gesammelt haben, sich in der 3. Liga aber noch entwickeln können. Die acht externen Neuzugänge sind zwischen 19 und 26 Jahre alt.

Für die Innenverteidigung kamen Lucas Zeller vom 1. FC Schweinfurt und Tim Dietrich aus der U23 des FC Schalke 04. Zeller ist 1,94 Meter groß, beidfüßig und soll mit seiner Robustheit sowie seiner Geschwindigkeit für Stabilität sorgen. Dietrich absolvierte in der vergangenen Saison 31 Regionalligaspiele für Schalke, erzielte vier Tore und kam zudem einmal in der 2. Bundesliga zum Einsatz.

Auf den Außenbahnen soll Louis Kolbe neue Dynamik bringen. Der Außenverteidiger kam vom SV Sandhausen und verbuchte dort in der vergangenen Saison in 33 Regionalligapartien vier Tore und sieben Vorlagen. Mit seinem Tempo und seinem Offensivdrang passt er zu einer Spielweise, in der die Außenverteidiger weite Wege zurücklegen müssen.

Für das offensive Mittelfeld und die Flügel verpflichtete Münster Ryan Johansson und Montell Ndikom. Johansson kam vom SV Wehen Wiesbaden. Der luxemburgische Nationalspieler kann im Zentrum und auf den Außenpositionen eingesetzt werden. In seiner Ausbildung spielte er unter anderem beim FC Metz und beim FC Bayern München, später lief er für Sevilla Atlético, Fortuna Sittard und die U23 des SC Freiburg auf. Ndikom wurde bei Hannover 96 ausgebildet und soll mit Tempo, Kreativität und Einsatzbereitschaft den Konkurrenzkampf in der Offensive erhöhen.

Mika Stuhlmacher kam vom Drittliga-Aufsteiger SV Meppen. Der 1,97 Meter große Angreifer kann zentral und auf den Flügeln spielen. Trotz seiner Größe soll er nicht nur als Zielspieler dienen, sondern mit Tempo in die Tiefe gehen. Stuhlmacher gehört damit zu den Spielern, die dem Angriff ein neues Profil geben können.

Im zentralen Mittelfeld verstärkt Wesley Adeh den Kader. Der 19-Jährige wurde für eine Saison von Werder Bremen ausgeliehen. Er durchlief dort seit 2019 die Nachwuchsmannschaften, sammelte Regionalligaerfahrung und gehörte bereits mehrfach zum Bremer Bundesligakader. Preußen beschreibt ihn als dynamischen und spielintelligenten Mittelfeldspieler.

Mit Matthis Harsman kam außerdem ein erfahrenerer Torhüter vom SV Rödinghausen. Der 26-Jährige kennt die 3. Liga aus seiner Zeit beim SV Meppen und arbeitete dort bereits mit dem Münsteraner Torwarttrainer André Poggenborg zusammen.

Die Transferstrategie ist erkennbar: Preußen holt keine fertige Mannschaft aus bekannten Drittliganamen. Der Verein setzt auf entwicklungsfähige Spieler aus Regionalligen, Nachwuchsleistungszentren und Reservemannschaften. Das birgt sportliche Risiken, eröffnet aber auch die Möglichkeit, eine neue Mannschaft über mehrere Jahre aufzubauen.

Der eigene Nachwuchs soll eine größere Rolle spielen

Neben den externen Transfers setzt Münster stärker auf den eigenen Unterbau. Linksverteidiger Niklas Varelmann erhielt ebenso einen Profivertrag wie Torwart Paul Ervens und Offensivspieler Mikail Demirhan.

Varelmann spielt seit der U14 für Preußen. Der Verein hebt vor allem seine Geschwindigkeit und Zielstrebigkeit hervor. Ervens kam 2025 aus der Jugend von Alemannia Aachen und trainierte bereits regelmäßig mit den Profis. Demirhan empfahl sich durch seine Leistungen in der U23 für den nächsten Schritt.

Beim Trainingsauftakt standen zudem mehrere Rückkehrer auf dem Platz. Jakob Korte, Leon Tasov und Marvin Schulz Junior waren zuvor ausgeliehen. Gemeinsam mit den Nachwuchsspielern erhöhen sie die Zahl der Akteure, die den Verein bereits kennen und nicht vollständig neu integriert werden müssen.

Dieser Weg ist für Preußen auch wirtschaftlich wichtig. Nach dem Abstieg sinken die Einnahmen, während der Verein gleichzeitig einen konkurrenzfähigen Drittligakader benötigt. Eigene Talente verursachen in der Regel keine Ablösesummen und können sich bei erfolgreicher Entwicklung zu sportlich und wirtschaftlich wertvollen Spielern entwickeln.

Der Fall Jano ter Horst zeigt, wie dieses Modell funktionieren kann. Der Verteidiger durchlief die Münsteraner Jugend, schaffte den Sprung zu den Profis und wechselte nach zwei Aufstiegen und zwei Zweitligajahren zum Bundesligisten SC Paderborn. Sein Abgang ist sportlich schmerzhaft, bestätigt aber zugleich den vom Verein ausgerufenen Preußenweg.

Preißinger und Mees tragen im ersten Test die Binde

Wer die neue Mannschaft als Kapitän anführt, hat Thomas Wörle noch nicht festgelegt. Der Trainer erklärte zu Beginn der Vorbereitung, dass sein Team bereits Ideen habe, zunächst aber die Entwicklung innerhalb der Gruppe beobachten wolle. Eine Abstimmung der Spieler soll es nicht geben. Die Entscheidung trifft das Trainerteam.

Beim ersten Testspiel gegen den Oberligisten Eintracht Rheine gab es einen ersten Hinweis auf mögliche Kandidaten. Rico Preißinger führte die Mannschaft in der ersten Hälfte aufs Feld, Joshua Mees übernahm die Binde nach der Pause. Münster gewann die Partie nach nur einer Trainingswoche mit 1:0.

Preißinger ist ein naheliegender Kandidat. Der zentrale Mittelfeldspieler gehört seit 2023 zum Verein und erlebte sowohl den Aufstieg in die 2. Bundesliga als auch den Abstieg. Nach zunächst offener Zukunft verlängerte er seinen Vertrag und erklärte, den Neuaufbau aus Überzeugung mittragen zu wollen.

Auch Mees bringt die notwendige Erfahrung mit. Der Offensivspieler kennt die Bundesliga, die 2. Bundesliga und die 3. Liga. Zudem gehört er zu den älteren Spielern im neu zusammengestellten Kader. Dass er im ersten Test eine Halbzeit lang die Binde trug, macht ihn zumindest zu einem ernsthaften Anwärter.

Ein weiterer Kandidat ist Niko Koulis. Der Innenverteidiger verlängerte nach dem Abstieg seinen Vertrag und geht in seine fünfte Saison bei Preußen. Er bestritt bereits mehr als 100 Pflichtspiele für den Verein. Sportdirektor Jan Uphues bezeichnete ihn bei der Vertragsverlängerung als Orientierungspunkt, der auf und neben dem Platz Verantwortung übernimmt.

Simon Scherder bleibt unabhängig von der offiziellen Kapitänsentscheidung die wichtigste Identifikationsfigur. Er spielt seit 2006 für den Verein und gehört seit 2012 zum Profikader. Wegen seines Kreuzbandrisses befindet er sich allerdings weiterhin im Aufbau. Eine dauerhafte Rolle als Kapitän auf dem Spielfeld ist deshalb zumindest zu Saisonbeginn kaum planbar. In der Kabine kann Scherder dennoch eine wichtige Funktion übernehmen.

Auch Marvin Schulz und Torge Paetow bringen Erfahrung aus höheren Ligen mit. Wörle könnte deshalb auf eine breitere Führungsgruppe setzen, statt die Verantwortung allein auf einen neuen Kapitän zu konzentrieren.

Die Transferphase ist noch nicht abgeschlossen

Obwohl der Kader früh große Konturen angenommen hat, sind noch nicht alle Fragen beantwortet. Medienberichten zufolge sucht Preußen weiterhin nach einem klassischen Mittelstürmer. Mit Malik Batmaz fehlt ein Angreifer nach einer schweren Knieverletzung noch länger. Stuhlmacher kann zwar im Zentrum spielen, gilt aber nicht ausschließlich als Strafraumstürmer.

Zudem ist die Zukunft von Johannes Schenk offen. Der Stammtorhüter der vergangenen Zweitligajahre besitzt einen langfristigen Vertrag, wird jedoch mit höherklassigen Vereinen in Verbindung gebracht. Die Verpflichtung Harsmans und der vorhandene Torhüterkreis mit Morten Behrens und Paul Ervens würden einen Abgang auffangen. Solange kein Wechsel feststeht, bleibt Schenk allerdings Spieler von Preußen Münster.

Sportlich ließ Wörle im ersten Test in einem 3-4-3-System spielen. Nach wenigen Trainingstagen ist das noch keine dauerhafte Festlegung, zeigt aber, welche Anforderungen auf die Neuzugänge zukommen könnten: aktive Innenverteidiger, laufstarke Außenspieler, ein bewegliches Mittelfeld und mehrere offensive Spieler, die flexibel ihre Positionen wechseln.

Die vielen Veränderungen machen Prognosen für die neue Saison schwierig. Im Zusammenhang mit Fußballwetten auf die Bundesliga können solche Entwicklungen Teil einer allgemeinen sportlichen Einordnung der kommenden Spiele sein. Für Preußen Münster betrifft die konkrete Bewertung allerdings die 3. Liga. Dort wird entscheidend sein, wie schnell aus den zahlreichen neuen Spielern eine eingespielte Einheit entsteht.

Wörle hat das Ziel für die erste Phase klar umrissen. Zunächst soll der Abstieg verarbeitet, Stabilität geschaffen und Schritt für Schritt ein neues Team aufgebaut werden. Ein unmittelbarer Wiederaufstieg wurde nicht zur Pflicht erklärt. Der Verein plant vielmehr, innerhalb der kommenden Jahre wieder den Weg in die 2. Bundesliga zu finden.

Die neue Drittligasaison beginnt für Preußen Münster auswärts beim SV Wehen Wiesbaden. Eine Woche später folgt das erste Heimspiel gegen den FC Ingolstadt. Spätestens dann muss die neue Mannschaft zeigen, wie weit der Umbruch bereits gelungen ist.

Bis dahin bleibt die Kapitänsfrage ein sichtbares Symbol für den gesamten Neustart. Nach Marc Lorenz und Jorrit Hendrix sucht Preußen nicht nur einen neuen Spieler mit Binde. Gesucht wird eine Führungsstruktur, die Erfahrung, Identifikation und die vielen jungen Kräfte im Kader miteinander verbindet.

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