
Beim Kramermahl 2026 im Historischen Rathaus nutzte Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG, seine Rede für einen klaren wirtschaftspolitischen Appell. Vor Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sprach der gebürtige Schwede über die „Transformation der Automobilindustrie“ – und weit darüber hinaus über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und Europas.
Mit humorvollen Verweisen auf seine Herkunft und die Geschichte Münsters leitete Källenius seinen Vortrag ein. Doch schnell wurde deutlich, dass es ihm um Grundsätzliches ging: Die Automobilbranche befinde sich im tiefgreifendsten Wandel ihrer Geschichte. Elektromobilität, Digitalisierung und Dekarbonisierung veränderten Geschäftsmodelle, Produktionsprozesse und Märkte mit hoher Geschwindigkeit. Ein „Weiter so“ werde nicht ausreichen, um langfristig erfolgreich zu bleiben.
Källenius bekannte sich ausdrücklich zu ambitionierten Klimazielen und zur Elektrifizierung des Verkehrs. Mercedes investiere Milliardenbeträge in neue Technologien, in Batterieforschung, Softwareentwicklung und digitale Plattformen. Der Wandel sei für das Unternehmen keine Option, sondern Realität.
Zugleich betonte er, dass Elektromobilität für Kundinnen und Kunden attraktiv und wirtschaftlich sein müsse. Entscheidend sei nicht allein die politische Zielsetzung, sondern das Gesamtpaket aus Fahrzeugangebot, Preis, Ladeinfrastruktur und Energieversorgung. Hier sieht der Konzernchef noch Nachholbedarf, insbesondere beim Ausbau öffentlicher Ladepunkte in Europa. Deutschland liege im EU-Vergleich zwar weit vorne, doch viele Kommunen verfügten weiterhin über keine eigene Ladeinfrastruktur.
Mit Blick auf die europäische Regulierung sprach sich Källenius für mehr Flexibilität aus, unter anderem bei den Vorgaben zur CO₂-Reduktion. Wenn Ziele ambitioniert gesetzt würden, müssten auch die strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden. Andernfalls drohten Wettbewerbsnachteile für Industrie und Beschäftigte.
Über die Automobilbranche hinaus zeichnete der Manager ein grundsätzliches Bild der wirtschaftlichen Lage. Deutschland brauche tiefgreifende Reformen, um Wachstum zu sichern. Er nannte unter anderem den Umbau des Energiesystems, den Abbau von Bürokratie, die Modernisierung der Infrastruktur sowie die demografischen Herausforderungen in den Sozialsystemen.
Europa müsse zudem seine Wettbewerbsfähigkeit im globalen Kontext stärken. Offene Märkte und internationale Handelsabkommen seien für exportorientierte Industrien essenziell. Abschottung und zusätzliche Handelsbarrieren würden hingegen Wachstum und Wohlstand gefährden. Gerade im Wettbewerb mit China und den USA dürfe Europa nicht nur regulieren, sondern müsse innovieren.
In diesem Zusammenhang kritisierte Källenius eine ausufernde Regulierungskultur und mahnte, neue Technologien stärker chancenorientiert zu betrachten. Europa sei bei der Regulierung von Künstlicher Intelligenz früh vorangegangen, müsse aber ebenso konsequent in Entwicklung und Anwendung investieren.
Als Leitmotiv formulierte Källenius drei Werte, die aus seiner Sicht auch künftig den Erfolg sichern: Kundenorientierung, Innovationsgeist und Wettbewerbsfähigkeit. Schon die Pioniere des Automobils hätten nicht auf Sicherheit gesetzt, sondern auf Fortschritt. Dieser Geist müsse auch heute gelten.
Deutschland verfüge weiterhin über starke industrielle Substanz, gut ausgebildete Fachkräfte und weltweit gefragte Produkte. Diese Stärken müssten jedoch durch entschlossenes Handeln aktiviert werden. Statt auf ein „Wirtschaftswunder“ zu warten, brauche es konkrete Maßnahmen und klare Prioritäten.
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