Zellforschung aus Münster: Sara Wickström erhält Millionenpreis

Sara Wickström vom Max-Planck-Institut Münster erhält den mit einer Million Euro dotierten Körber-Preis 2026.
Foto: Marcus Gloger / Körber-Stiftung

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Münster/Hamburg. Wie merken Zellen, dass sie gedrückt, gedehnt oder verletzt werden – und was machen sie mit dieser Information? Mit genau diesen Fragen beschäftigt sich Sara Wickström am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. Für ihre Forschung hat die finnische Medizinerin und Zellbiologin am Freitag, 18. September, den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2026 erhalten. Die Auszeichnung ist mit einer Million Euro dotiert.

Überreicht wurde der Preis im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses von Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, und Thomas Paulsen, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher nahm an der Zeremonie teil und hielt eine Rede. Die Preisverleihung war zugleich Teil des Hamburg Science Summit.

Sara Wickström erforscht, wie Zellen auf Kräfte reagieren

Wickström untersucht, wie mechanische Kräfte wie Druck, Zug oder Dehnung von Zellen wahrgenommen und bis in deren Zellkern weitergegeben werden. Dort können solche Einflüsse die Struktur des Chromatins verändern – also jenes Materials, in dem die Erbinformation organisiert ist. Dadurch kann wiederum beeinflusst werden, welche Gene innerhalb einer Zelle aktiv sind.

Ihre Arbeiten tragen damit zum Verständnis bei, wie mechanische Belastungen die Entwicklung von Stammzellen, die Regeneration von Gewebe und langfristige Veränderungen von Zellen beeinflussen. Wickström gilt als eine der Wegbereiterinnen der sogenannten Zellkern-Mechanobiologie.

Langfristig könnten daraus neue Ansätze für Erkrankungen entstehen, bei denen veränderte Gewebestrukturen eine Rolle spielen. Dazu zählen unter anderem Krebs, Fibrosen und weitere altersbedingte Erkrankungen. Dabei handelt es sich bislang um Forschungsperspektiven und nicht um bereits verfügbare Therapien.

Mit dem Preisgeld will Wickström das „Gedächtnis“ von Zellen untersuchen

Die eine Million Euro Preisgeld soll in weitere Forschung fließen. Wickström möchte untersuchen, ob Zellen eine Art Gedächtnis für Verletzungen und mechanische Belastungen entwickeln.

Die zentrale Frage ist, ob frühere Belastungen längerfristige Spuren in der Zelle hinterlassen und ob sich solche Prozesse gezielt beeinflussen lassen. Das könnte beispielsweise für Erkrankungen interessant sein, bei denen Gewebe vernarbt und sich Fibrosen entwickeln.

Starker Münster-Bezug durch Max-Planck-Institut

Wickström arbeitet seit November 2021 als Direktorin am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster und leitet dort die Abteilung Zell- und Gewebedynamik. Für die Amtsperiode 2025 bis 2027 ist sie zudem Geschäftsführende Direktorin des Instituts.

Mit der Universität Münster ist sie eng über Forschungsverbünde und Nachwuchsprogramme verbunden. Unter anderem arbeitet sie im Cells in Motion Interfaculty Centre und im gemeinsamen Graduiertenprogramm von Universität und Max-Planck-Institut. Ihre zentrale institutionelle Position in Münster liegt jedoch am Max-Planck-Institut. Zusätzlich ist Wickström in Teilzeit Forschungsdirektorin an der Medizinischen Fakultät der Universität Helsinki.

Die 1976 in Finnland geborene Wissenschaftlerin studierte Medizin in Helsinki, schloss ihr Studium 2001 ab und arbeitete zunächst als Allgemeinärztin. 2004 promovierte sie an der Universität Helsinki. Später führte ihr wissenschaftlicher Weg unter anderem an Max-Planck-Institute in Deutschland.

Körber-Preis wurde bereits an spätere Nobelpreisträger vergeben

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft wird seit 1985 von der Körber-Stiftung vergeben. Ausgezeichnet werden Forschungsarbeiten aus den Natur- und Lebenswissenschaften, denen besonderes Zukunfts- und Anwendungspotenzial zugeschrieben wird.

Acht frühere Preisträgerinnen und Preisträger erhielten später einen Nobelpreis. Mit Sara Wickström geht die mit einer Million Euro dotierte Auszeichnung 2026 an eine Wissenschaftlerin, deren Forschungsschwerpunkt seit mehreren Jahren in Münster liegt.

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