
Gronau. Rund 100 Menschen haben am Sonntag, 2. August 2026, in Gronau an einer Demonstration gegen die Urananreicherungsanlage teilgenommen. Nach Angaben der Kreispolizeibehörde Borken verlief die Versammlung ohne Zwischenfälle.
Die Teilnehmer versammelten sich zunächst zu einer Auftaktkundgebung am Bahnhof. Anschließend führte ein von der Polizei begleiteter Fahrradaufzug zur Urananreicherungsanlage an der Röntgenstraße. Die beteiligten Organisationen verbanden den Protest mit Forderungen nach einer Stilllegung des Gronauer Betriebs.
Die Polizei begleitete sowohl die Kundgebung als auch die anschließende Fahrraddemo. Störungen, Straftaten oder größere Verkehrsprobleme wurden in der Mitteilung der Behörde nicht genannt. Damit endete die Anti-Atom-Demo in Gronau aus polizeilicher Sicht friedlich.
Zu der Versammlung hatten mehrere Initiativen aus dem Münsterland, dem Emsland und weiteren Regionen aufgerufen. Dazu gehörten unter anderem das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, der Arbeitskreis Umwelt Gronau, die Initiative Sofortiger Atomausstieg Münster und die Bürgerinitiative gegen das Atommülllager in Ahaus.
Die Veranstalter stellten die Kundgebung in einen zeitlichen Zusammenhang mit den Jahrestagen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945. Außerdem richtete sich der Protest nach ihren Angaben gegen eine mögliche stärkere Einbindung des Urananreicherungsunternehmens Urenco in militärische Atomprojekte.
Die britische Regierung fördert den Ausbau der Urananreicherung am Urenco-Standort Capenhurst. Offiziell wird das dort geplante HALEU-Projekt jedoch als Teil der zivilen Energieversorgung und zur Herstellung von Brennstoff für neue Reaktortypen dargestellt. Eine militärische Nutzung der Anlage wird in den öffentlich zugänglichen Regierungsinformationen nicht bestätigt.
Nach Darstellung der Veranstalter soll die Bundesregierung möglichen britischen Plänen widersprechen, Urenco an militärischen Nuklearvorhaben zu beteiligen. Sie berufen sich dabei auf den Vertrag von Almelo, der die Zusammenarbeit Deutschlands, der Niederlande und Großbritanniens beim Unternehmen Urenco regelt. Die von den Initiativen erhobenen Vorwürfe wurden in der Polizeimeldung nicht bewertet.
Urenco selbst beschreibt seine Geschäftstätigkeit als Versorgung ziviler Kernkraftwerke mit angereichertem Uran. Das Unternehmen baut seine Kapazitäten derzeit unter anderem in Großbritannien und den USA aus. Die britische Regierung unterstützt außerdem einen Liefervertrag, durch den Urenco angereichertes Uran für ukrainische Atomkraftwerke bereitstellen soll.
Bei der Demonstration Urananreicherungsanlage Gronau ging es nach Angaben der Organisatoren zudem um weitere Atomprojekte in der Region. Genannt wurden die Brennelementefertigung im niedersächsischen Lingen sowie Überlegungen zum Bau neuer Kernkraftwerke in den Niederlanden.
Die Polizei machte keine Angaben zu einzelnen Redebeiträgen oder zu den inhaltlichen Positionen der Teilnehmer. Ihre Bilanz beschränkt sich auf die Teilnehmerzahl von rund 100 Menschen und den störungsfreien Verlauf der begleiteten Versammlung.
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