Großer Erdbeerpflanzenproduzent KRAEGE aus Telgte setzt auf Marokko

roßer Erdbeerpflanzenproduzent aus Telgte setzt auf Marokko
Symbolfoto mit Ki erstellt: Erdbeeranbau

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Telgte. Ein großer Erdbeerpflanzenbetrieb aus Telgte rückt in den Mittelpunkt der Debatte über den Mindestlohn und die Zukunft des deutschen Obstbaus. KRAEGE Beerenpflanzen produziert bereits seit mehreren Jahren einen Teil seiner Erdbeerstecklinge in Marokko.

Neu ist die Auslandsproduktion nicht. Aktuelle Bedeutung erhält das Thema jedoch durch einen Bericht des WDR vom 27. Juli 2026. Darin bringt Geschäftsführer Markus Staden die Produktion in Marokko auch mit den deutlich niedrigeren Lohnkosten in Verbindung. Gleichzeitig warnt die deutsche Obstbaubranche in einem Brandbrief vor steigenden Kosten, günstigen Importen und einem weiteren Verlust heimischer Betriebe.

KRAEGE produziert seit 2019 Erdbeerstecklinge in Marokko

KRAEGE ist auf die Vermehrung von Erdbeerpflanzen spezialisiert. Nach eigenen Angaben besteht der Betrieb seit 1958. Das Unternehmen bewirtschaftet etwa 300 Hektar gepachtete Flächen und produziert mehr als 50 verschiedene Erdbeersorten. Dazu gehören Grünpflanzen, Frigopflanzen und Wartebeetpflanzen. Die Pflanzenproduktion wird nach Unternehmensangaben von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen kontrolliert.

Laut WDR verkauft das Unternehmen jährlich rund 150 Millionen Erdbeerpflanzen an Betriebe in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Allein in den kommenden Wochen sollen etwa 20 Millionen Pflanzen den Standort in Telgte verlassen. Neben rund 80 Festangestellten beschäftigt der Betrieb demnach jährlich ungefähr 600 Saisonkräfte.

Der WDR berichtet unter Berufung auf Markus Staden, dass KRAEGE einen Teil seiner Produktion nach Marokko verlagert habe. Dort müsse das Unternehmen nach seinen Angaben nur etwa 20 Prozent der Lohnkosten tragen, die aufgrund des deutschen Mindestlohns am heimischen Standort anfielen. Staden sieht deshalb erhebliche Nachteile im Wettbewerb mit ausländischen Produzenten.

Die unternehmenseigenen Angaben zeigen allerdings, dass die Produktion in Marokko bereits seit 2019 besteht. KRAEGE vermehrt dort zertifizierte Mutterpflanzen auf Freilandflächen. Die gewonnenen Stecklinge werden anschließend nach Deutschland gebracht und hier zu Tray- oder Wartebeetpflanzen weiterkultiviert. Als Vorteil nennt das Unternehmen vor allem die frühere Verfügbarkeit. In Marokko können Stecklinge bereits ab Mitte Mai geerntet werden. Die Produktion in Deutschland beginnt später.

Es handelt sich deshalb nicht um eine aktuell angekündigte Verlagerung. Der neue Nachrichtenwert liegt vielmehr darin, dass Staden die bestehende Auslandsproduktion nun öffentlich auch mit dem wachsenden Kostendruck in Deutschland begründet.

Mindestlohn und Importware setzen Obstbau unter Druck

Die Aussagen aus Telgte stehen im Zusammenhang mit einem aktuellen Brandbrief der Bundesfachgruppe Obstbau. Der Verband richtet sich darin an Politik, Handel und Verbraucher. Nach Darstellung der Branche steigen vor allem die Produktions- und Lohnkosten stark. Gleichzeitig fehlten Sonderregelungen für arbeitsintensive Kulturen. Auch günstige Importware erschwere es deutschen Betrieben, ihre Produkte wirtschaftlich zu vermarkten.

Der Verband warnt deshalb vor einem zunehmenden Rückgang des heimischen Obstbaus. Nach Angaben des WDR gibt es in Deutschland noch rund 6.500 Obstbaubetriebe. Jährlich sollen knapp 150 davon aufgeben. Damit verschwindet rechnerisch etwa alle zwei bis drei Tage ein Betrieb.

Besonders betroffen sind Kulturen, bei denen viele Arbeiten von Hand erledigt werden müssen. Dazu gehören Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren und Heidelbeeren. Weil sich Pflanzung, Pflege, Sortierung oder Ernte nur begrenzt automatisieren lassen, machen Löhne einen erheblichen Teil der Kosten aus.

Die Obstbaubranche fordert deshalb eine besondere Regelung für Saisonarbeitskräfte. Nach Angaben des WDR hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Ausnahme vom gesetzlichen Mindestlohn bereits geprüft. Das Ministerium kam demnach zu dem Ergebnis, dass der Mindestlohn als gesetzliche Untergrenze auch für Saisonkräfte gilt. Die CDU unterstützt weiterhin Forderungen nach einer Ausnahme, während SPD, Grüne und Linke diese ablehnen.

Der Fall KRAEGE macht die wirtschaftspolitische Debatte im Münsterland konkret. Das Unternehmen will nach Angaben Stadens weiterhin in Nordrhein-Westfalen produzieren, solange dies wirtschaftlich möglich bleibt. Zugleich zeigt die Produktion in Marokko, dass arbeitsintensive Schritte zunehmend an Standorte mit niedrigeren Kosten verlagert werden können. Für die Region geht es deshalb nicht nur um Erdbeerpflanzen, sondern auch um Arbeitsplätze, Wertschöpfung und die Zukunft landwirtschaftlicher Betriebe.

Quellen: WDR, „NRW-Landwirte schlagen Alarm: Jeden zweiten Tag gibt ein Obstbauer auf“, veröffentlicht am 27. Juli 2026. KRAEGE Beerenpflanzen, Unternehmensseite und Produktkatalog. Bundesfachgruppe Obstbau, „Brandbrief der deutschen Obstbauern“, Juli 2026.

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