LMC Sassenberg: 104 wechseln in Transfergesellschaft

104 Beschäftigte von LMC in Sassenberg wechseln nach dem Stellenabbau in eine Transfergesellschaft. So läuft die Neuorientierung
Symbolbild mit KI ersteller

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Sassenberg. Nach dem LMC Stellenabbau in Sassenberg steht fest, wie die meisten betroffenen Beschäftigten ihren beruflichen Übergang gestalten. 104 der insgesamt 106 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze wegfallen, wechseln in eine Transfergesellschaft. Dort sollen sie finanziell abgesichert, qualifiziert und bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützt werden.

Stellenabbau fällt geringer aus als zunächst angekündigt

Die Einschnitte bei dem Caravan-Hersteller hatten sich bereits im Herbst 2025 abgezeichnet. Damals informierte die LMC-Geschäftsführung die Stadt Sassenberg über den geplanten Abbau von rund 160 Stellen. Als Begründung wurde die schwierige Lage auf dem europäischen Wohnwagenmarkt genannt. Der Rat der Stadt nahm den Bericht am 11. November 2025 zur Kenntnis.

Die inzwischen feststehende Zahl von 106 betroffenen Beschäftigten liegt deutlich unter der damaligen Planung. Öffentlich erläutert wurde bislang nicht, wodurch sich die Zahl verringerte. Nach dem aktuellen Zeitplan verlassen 88 Mitarbeiter das Unternehmen zum 31. Juli 2026. Weitere 18 Arbeitsverhältnisse enden zum 31. Januar 2027. Die Beschäftigten mussten sich Anfang Juli entscheiden, ob sie das Angebot der Transfergesellschaft annehmen.

Was der Wechsel in eine Transfergesellschaft bedeutet

Eine Transfergesellschaft soll verhindern, dass Beschäftigte nach einem Stellenabbau unmittelbar arbeitslos werden. Üblicherweise wird das bisherige Arbeitsverhältnis beendet und gleichzeitig ein befristetes Arbeitsverhältnis mit der Transfergesellschaft begründet. Die Betroffenen werden dort in einer sogenannten betriebsorganisatorisch eigenständigen Einheit zusammengefasst.

Vor dem Wechsel müssen sie sich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden und an einem sogenannten Profiling teilnehmen. Dabei werden Berufserfahrung, Qualifikationen, persönliche Stärken und mögliche Weiterbildungsbedarfe ermittelt. Anschließend soll ein individueller Integrationsplan festlegen, welche Schulungen und Vermittlungsschritte sinnvoll sind. Die Förderung über Transferkurzarbeitergeld ist gesetzlich auf höchstens zwölf Monate begrenzt.

Für die erste Gruppe der LMC-Beschäftigten beginnt diese Phase nach dem Ausscheiden Ende Juli. Statt weiterhin in der Produktion in Sassenberg zu arbeiten, konzentrieren sie sich dann auf Weiterbildung, Bewerbungen und die Suche nach einem neuen Arbeitgeber.

LMC-Modell liegt über der gesetzlichen Absicherung

Das gesetzliche Transferkurzarbeitergeld ersetzt grundsätzlich 60 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Nettoentgelts. Lebt mindestens ein Kind im Haushalt, beträgt der Satz 67 Prozent. Arbeitgeber können diese Leistung im Rahmen eines Sozialplans oder einer betrieblichen Vereinbarung aufstocken.

Bei LMC fällt die Absicherung nach den bislang veröffentlichten Angaben höher aus. Demnach erhalten die Teilnehmer zunächst für mehrere Monate ihr volles bisheriges Gehalt. Anschließend sollen sie für bis zu sechs Monate 80 Prozent ihres bisherigen Einkommens bekommen. Das deutet auf eine zusätzliche Aufstockung über das gesetzliche Transferkurzarbeitergeld hinaus hin. Wie lange die erste Phase mit vollständiger Gehaltszahlung dauert und wie die zusätzlichen Kosten verteilt werden, wurde bislang nicht öffentlich aufgeschlüsselt.

Qualifizierungen richten sich nach den beruflichen Chancen

Zum LMC-Angebot gehören nach Medienberichten unter anderem Bewerbungstrainings, Computerkurse und die Möglichkeit, einen Gabelstaplerschein zu erwerben. Damit sollen sowohl vorhandene Fähigkeiten erweitert als auch Wechsel in andere Tätigkeitsfelder ermöglicht werden.

Solche Angebote entsprechen dem vorgesehenen Ablauf von Transfermaßnahmen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt neben Bewerbungshilfen und Stellensuche ausdrücklich berufliche Weiterbildungen, Mobilitätshilfen und zeitlich begrenzte Tätigkeiten bei anderen Arbeitgebern als mögliche Instrumente. Die Transfergesellschaft muss den Teilnehmern außerdem geeignete Stellen vorschlagen und festgestellten Qualifizierungsbedarf berücksichtigen.

Schwäche betrifft vor allem klassische Wohnwagen

Die Entwicklung der Caravanbranche ist differenzierter als ein allgemeiner Markteinbruch. Europaweit wurden 2025 rund 215.000 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen. Das war weiterhin das fünftbeste Ergebnis der Branche. Während das Reisemobilsegment insgesamt stabil blieb, gingen die Zulassungen klassischer Wohnwagen jedoch um rund elf Prozent zurück. Besonders in Deutschland, Österreich und der Schweiz meldete der Branchenverband deutliche Rückgänge. Zudem wurden Produktion und Händlerbestände reduziert.

Dieser Unterschied ist für LMC relevant, weil das Unternehmen in Sassenberg sowohl Wohnwagen als auch Wohnmobile und Camper Vans produziert. Geschäftsführer Bodo Diller hatte besonders auf die sinkende Nachfrage nach klassischen Caravans verwiesen. Gleichzeitig werden das Ersatzteillager und Teile der Gewährleistungsabwicklung ausgelagert, um das Unternehmen nach eigenen Angaben schlanker aufzustellen.

Auch die Zahlen des LMC-Mutterkonzerns Thor Industries zeigen ein gemischtes Bild. Im europäischen Geschäft stiegen Absatzmenge und Umsatz im dritten Geschäftsquartal 2026 gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sank die Gewinnmarge, während Restrukturierungskosten anfielen. Die Konzernzahlen lassen keine direkten Rückschlüsse auf die Auftragslage bei LMC zu, zeigen aber, dass Absatz, Kosten und Ertragslage innerhalb der Branche unterschiedlich verlaufen können.

Arbeitsmarkt im Kreis Warendorf bleibt grundsätzlich stabil

Für die berufliche Neuorientierung bietet der regionale Arbeitsmarkt zumindest eine vergleichsweise stabile Ausgangslage. Im Juni 2026 waren im Kreis Warendorf 9.154 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,2 Prozent. Gleichzeitig waren bei der Agentur für Arbeit 2.378 offene Stellen registriert. Im Laufe des Monats kamen 400 neue Stellenangebote hinzu.

Die Arbeitsagentur bewertet die Lage im Kreis grundsätzlich als stabil, weist jedoch auf eine weiterhin gedämpfte Bereitschaft der Unternehmen zu Neueinstellungen hin. Für die ehemaligen LMC-Mitarbeiter wird daher entscheidend sein, wie gut sich ihre bisherigen Kenntnisse aus Produktion, Holzverarbeitung, Montage und Logistik mit den Anforderungen anderer Betriebe verbinden lassen. Erste Angaben dazu, wie viele Teilnehmer bereits eine neue Stelle gefunden haben, liegen noch nicht vor.

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