Siemens Energy vor Quartalszahlen: US-Geschäft im Fokus

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Siemens Energy Quartalszahlen 2026 sollen am Mittwoch zeigen, ob der Energietechnikkonzern seinen starken Wachstumskurs fortsetzen kann. Analysten rechnen im dritten Geschäftsquartal mit deutlich höheren Erlösen und Gewinnen. Besonders aufmerksam dürften Anleger auf das Geschäft in den USA, die Entwicklung der Netzsparte und den weiteren Turnaround der Windkrafttochter Siemens Gamesa schauen.

Analysten erwarten Umsatzsprung und deutlich höheren Gewinn

Der von Siemens Energy zusammengestellte Konsens von 17 Analysten sieht für das dritte Quartal einen Auftragseingang von rund 16,84 Milliarden Euro vor. Im Vorjahresquartal waren es 16,61 Milliarden Euro. Der Umsatz soll von 9,75 Milliarden auf etwa 11,22 Milliarden Euro steigen.

Beim Ergebnis wird eine wesentlich stärkere Verbesserung erwartet. Der Konsens liegt für den Gewinn vor Sondereffekten bei 1,38 Milliarden Euro, nach 497 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Daraus ergäbe sich eine Marge von 12,3 Prozent. Einschließlich der erwarteten Sondereffekte rechnen die Analysten mit einem Gewinn von rund 1,35 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von etwa 1,05 Milliarden Euro.

Die Schätzungen sind keine Vorabzahlen des Unternehmens. Erst die für Mittwochmorgen angekündigte Veröffentlichung wird zeigen, ob Siemens Energy die Erwartungen erreicht.

Gas Services profitiert von knappem Turbinenangebot

Für Gas Services erwarten die Analysten einen Auftragseingang von 8,47 Milliarden Euro. Der Umsatz dürfte auf 3,66 Milliarden Euro wachsen. Beim Gewinn vor Sondereffekten liegt der Konsens bei 573 Millionen Euro, entsprechend einer Marge von 15,7 Prozent.

Der Geschäftsbereich profitiert von einer weltweit hohen Nachfrage nach Gas- und Dampfturbinen. Neben dem steigenden Strombedarf treiben Rechenzentren und Anwendungen der künstlichen Intelligenz den Bau neuer Kraftwerkskapazitäten voran. Siemens Energy geht für die kommenden Jahre von einem globalen Gasturbinenmarkt mit durchschnittlich 110 bis 120 Gigawatt pro Jahr aus.

Das Unternehmen erweitert deshalb seine Fertigungskapazitäten. Im laufenden Halbjahr soll die Produktion mittelgroßer Gasturbinen um 30 Einheiten steigen. Für das Geschäftsjahr 2027 ist zudem eine Erhöhung der jährlichen Kapazität für große Turbinen von etwa 35 auf rund 50 Stück vorgesehen.

Grid Technologies bleibt wichtigster Wachstumstreiber

Auch bei Grid Technologies rechnen Analysten mit kräftigen Zuwächsen. Der Umsatz soll von 2,82 Milliarden auf 3,63 Milliarden Euro steigen. Für den Auftragseingang werden 5,54 Milliarden Euro erwartet. Das Ergebnis vor Sondereffekten dürfte 714 Millionen Euro erreichen, was einer Marge von 19,7 Prozent entspräche.

Die Sparte liefert unter anderem Transformatoren, Schaltanlagen und Systeme für Hochspannungsnetze. Der Investitionsbedarf ist hoch, weil Stromnetze ausgebaut, alternde Anlagen ersetzt und erneuerbare Energien integriert werden müssen. Zusätzliche Nachfrage kommt von Rechenzentren, die für ihre Stromversorgung leistungsfähige Netzanschlüsse benötigen.

Siemens Energy hatte die Jahresziele für Grid Technologies im Frühjahr deutlich angehoben. Erwartet werden nun ein vergleichbares Umsatzwachstum von 25 bis 27 Prozent und eine bereinigte Marge von 18 bis 20 Prozent. Damit würde die Sparte ihre ursprünglich für 2028 gesetzten Margenziele bereits zwei Jahre früher erreichen.

Transformation of Industry liefert stabile Margen

Für Transformation of Industry liegt die Umsatzerwartung bei 1,45 Milliarden Euro. Der Auftragseingang soll rund 1,43 Milliarden Euro erreichen. Beim Ergebnis vor Sondereffekten rechnen die Analysten mit 174 Millionen Euro und einer Marge von 12,0 Prozent.

Die Sparte bündelt Technologien für energieintensive Industrien, darunter Kompressoren, Dampfturbinen und Lösungen zur Elektrifizierung und Dekarbonisierung. Siemens Energy erwartet für das Gesamtjahr ein vergleichbares Umsatzwachstum von 5 bis 7 Prozent sowie eine bereinigte Marge von 11 bis 13 Prozent.

Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben die langfristige Aufstellung des Bereichs. Eine Entscheidung über strukturelle Veränderungen war zuletzt jedoch nicht getroffen. Operativ hat sich das Geschäft stabilisiert und trägt inzwischen verlässlich zum Konzernergebnis bei.

Siemens Gamesa soll erstmals wieder positiv beitragen

Besonders wichtig ist die Entwicklung von Siemens Gamesa. Die Windkrafttochter hatte Siemens Energy über mehrere Jahre mit hohen Verlusten belastet. Ursache waren unter anderem technische Qualitätsprobleme bei bestimmten Onshore-Turbinen, höhere Projektkosten und Schwierigkeiten bei der industriellen Umsetzung.

Für das dritte Quartal erwarten die Analysten einen Umsatz von 2,61 Milliarden Euro. Der Auftragseingang dürfte mit rund 1,58 Milliarden Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 4,89 Milliarden Euro bleiben. Siemens Energy hatte bereits angekündigt, dass sich mehrere größere Offshore-Aufträge in das Geschäftsjahr 2027 verschoben haben.

Beim Gewinn vor Sondereffekten erwartet der Konsens einen kleinen positiven Beitrag von 17 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte Siemens Gamesa noch einen Verlust von 438 Millionen Euro ausgewiesen. Die Marge würde damit bei 0,6 Prozent liegen. Für das Gesamtjahr hält Siemens Energy am Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses vor Sondereffekten fest. Der freie Cashflow der Windkrafttochter soll allerdings bis einschließlich 2027 negativ bleiben.

US-Geschäft gewinnt strategisch an Gewicht

Die USA gehören zu den wichtigsten Wachstumsmärkten des Konzerns. Im ersten Geschäftshalbjahr verbuchte Siemens Energy allein bei Grid Technologies Aufträge im Wert von rund zwei Milliarden Euro für Rechenzentrumsprojekte. Das entsprach fast dem Volumen des gesamten vorangegangenen Geschäftsjahres.

Um näher am Absatzmarkt zu produzieren, investiert Siemens Energy eine Milliarde Dollar in den Ausbau seiner US-Fertigung. Mehr als 1.500 zusätzliche Arbeitsplätze sind geplant. Die Investitionen betreffen insbesondere Komponenten für Stromnetze und Gasturbinen. Eine stärkere lokale Produktion kann Lieferzeiten verkürzen, zusätzliche Kapazitäten schaffen und die Abhängigkeit von Importen verringern.

Mögliche US-Zölle bleiben dennoch ein Kostenfaktor. Im vergangenen Geschäftsjahr beliefen sich die Belastungen nach Unternehmensangaben auf rund 200 Millionen Euro. Für 2026 hatte der Konzern einen niedrigeren Betrag im unteren dreistelligen Millionenbereich erwartet. Wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen, hängt von Warenströmen, Ausnahmeregelungen und der weiteren Handelspolitik ab.

Die Nachfrage in den USA blieb nach Angaben des Konzerns zuletzt hoch. Siemens Energy berichtete zugleich von begrenzten Kapazitäten bei externen Projektentwicklern und von üblichen Verzögerungen bei Genehmigungen. Eigene Auftragsstornierungen oder Projektverzögerungen seien bis Ende Juni nicht festgestellt worden.

Auftragsbestand bietet langfristige Auslastung

Siemens Energy verfügte nach dem zweiten Geschäftsquartal über einen Auftragsbestand von 154 Milliarden Euro. Damit ist ein großer Teil der Fertigung über mehrere Jahre ausgelastet. Der hohe Bestand umfasst langfristige Netzprojekte, Gas- und Dampfturbinen, Serviceverträge sowie Windkraftanlagen.

Im Gasgeschäft kamen zum Ende des ersten Halbjahres reservierte und fest gebuchte Turbinenkapazitäten von rund 60 Gigawatt hinzu. Solche Reservierungsvereinbarungen sollen nach Unternehmensangaben im Durchschnitt innerhalb von sechs bis zwölf Monaten in feste Aufträge umgewandelt werden.

Der Auftragsbestand erhöht die Planbarkeit, stellt den Konzern aber auch vor operative Herausforderungen. Entscheidend sind der rechtzeitige Ausbau der Produktion, verfügbare Zulieferteile und die profitable Abwicklung großer Projekte. Besonders bei Grid Technologies begrenzen derzeit eher die Fertigungs- und Ausführungskapazitäten als eine fehlende Nachfrage das Wachstum.

Jahresprognose war bereits deutlich angehoben worden

Nach dem starken ersten Halbjahr hatte Siemens Energy seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 angehoben. Der Konzern erwartet ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent. Zuvor hatte die Zielspanne bei 11 bis 13 Prozent gelegen.

Die Marge vor Sondereffekten soll 10 bis 12 Prozent erreichen. Beim Nettogewinn stellt Siemens Energy rund vier Milliarden Euro in Aussicht. Der freie Cashflow vor Steuern soll etwa acht Milliarden Euro betragen, nachdem zuvor lediglich vier bis fünf Milliarden Euro erwartet worden waren.

Für Gas Services gelten weiterhin Wachstumsziele von 16 bis 18 Prozent und eine bereinigte Marge von 14 bis 16 Prozent. Siemens Gamesa soll im Gesamtjahr einen Umsatzanstieg von 3 bis 5 Prozent und ein ausgeglichenes operatives Ergebnis vor Sondereffekten erreichen.

Siemens-Energy-Aktie bleibt trotz Rücksetzer stark bewertet

Die Siemens-Energy-Aktie notierte am Dienstag vor den Zahlen zeitweise bei rund 151 Euro und damit mehr als zwei Prozent über dem Vortagesschluss. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr belief sich das Plus auf etwa 50 Prozent. Seit Jahresbeginn lag der Kurs nach Marktdaten ebenfalls deutlich im Gewinn.

Vom zwischenzeitlichen 52-Wochen-Hoch von knapp 192 Euro hatte sich das Papier allerdings merklich entfernt. Die starke Bewertung erhöht die Erwartungen an das operative Wachstum. Anleger dürften deshalb nicht allein auf Umsatz und Gewinn achten, sondern auch auf die Höhe neuer Aufträge, die Margenentwicklung in den Kernsparten und mögliche Änderungen der Jahresprognose.

Besondere Bedeutung hat Siemens Gamesa. Ein nachhaltiger positiver Ergebnisbeitrag der Windkrafttochter würde bestätigen, dass sich Siemens Energy vom früheren Sanierungsfall zunehmend zu einem profitablen Anbieter für Kraftwerks- und Netztechnik entwickelt.

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