
Die Samsung Aktie ist am Dienstag nach einer sehr starken Q2-Prognose deutlich unter Druck geraten. Samsung Electronics stellte für das zweite Quartal 2026 einen Konzernumsatz von rund 171 Billionen Won und einen operativen Gewinn von rund 89,4 Billionen Won in Aussicht. Damit handelt es sich nach den vorliegenden Angaben nicht um eine Gewinnwarnung, sondern um eine Vorabprognose mit sehr hohen Ergebniswerten. Die Marktreaktion fiel dennoch negativ aus, weil Anleger die Dauer des KI-getriebenen Chipbooms neu bewerten.
An der Börse wurde am 7. Juli um 15:30 Uhr koreanischer Zeit ein Kurs von 296.000 Won ausgewiesen. Das entsprach einem Tagesminus von 6,92 Prozent. Die Handelsspanne lag zwischen 286.000 und 310.000 Won. Reuters meldete, dass die Aktie zeitweise noch stärker nachgab und den Handel 6,9 Prozent tiefer beendete. Auch der südkoreanische Leitindex KOSPI geriet unter Druck.
Samsung rechnet für April bis Juni mit einem operativen Gewinn von rund 89,4 Billionen Won. Reuters ordnete dies als etwa 19-fachen Anstieg gegenüber dem Vorjahreswert von 4,7 Billionen Won ein. Die Prognose lag zudem über der von Reuters genannten LSEG-SmartEstimate-Erwartung von 87,3 Billionen Won. Der Umsatz soll nach Samsung-Angaben bei rund 171 Billionen Won liegen. Die vollständigen Quartalszahlen mit Segmentaufschlüsselung sollen am 30. Juli veröffentlicht werden.
Der zentrale Treiber bleibt das Speicherchipgeschäft. Nach Reuters-Angaben stiegen die Preise für DRAM und NAND im zweiten Quartal deutlich. Citi Research bezifferte die durchschnittlichen Preissteigerungen demnach auf 44 Prozent bei DRAM und 53 Prozent bei NAND gegenüber dem Vorquartal. Gleichzeitig verwiesen Analysten darauf, dass Samsungs Speicherbereich stark blieb, während die Foundry- und Logic-Chip-Bereiche weiter belastet sein könnten. Eine offizielle Segmentbilanz liegt erst mit den vollständigen Zahlen vor.
Die Nachfrage nach Speicherchips hängt derzeit stark an Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Reuters führt den Gewinnsprung bei Samsung auf den Boom bei KI-Rechenzentren und die daraus folgende Nachfrage nach Speicherchips zurück. Gleichzeitig liegt darin das Hauptrisiko für die Aktie. Sollten große Technologiekonzerne ihre Investitionen in KI-Infrastruktur langsamer ausweiten, könnte das die Nachfrage nach Speicherchips dämpfen.
SK Hynix hat Samsung nach Reuters-Berichten zeitweise als wertvollstes Unternehmen Südkoreas überholt, sofern Samsung-Vorzugsaktien nicht eingerechnet werden. Reuters berichtete zudem, dass SK Hynix 2025 rund 61 Prozent des weltweiten HBM-Marktes gehalten habe, während Samsung auf 17 Prozent gekommen sei. Samsung verwies darauf, dass bei Einrechnung der Vorzugsaktien die eigene Marktbewertung höher liege.
Neben SK Hynix spielt auch TSMC eine wichtige Rolle in der Einordnung. Der taiwanische Konzern ist laut Reuters der weltgrößte Auftragsfertiger für Chips und meldete im Juni weiterhin sehr hohe Nachfrage aus dem KI-Geschäft. Samsung konkurriert im Foundry-Geschäft unter anderem mit TSMC und Intel. Das Unternehmen hatte Ende April erklärt, bei fortgeschrittenen 2-Nanometer-Prozessen weitere Kunden gewinnen zu wollen.
Für die weitere Bewertung der Samsung Aktie dürfte die Segmentaufschlüsselung entscheidend sein. Relevant sind vor allem die Profitabilität im Speicherbereich, der Stand bei HBM, mögliche Belastungen in Foundry und System LSI sowie Hinweise zur Nachfrage aus KI-Rechenzentren. Die bisher vorliegenden Zahlen zeigen einen sehr starken Q2-Ausblick. Die Kursreaktion zeigt zugleich, dass Anleger nicht nur auf die Höhe des aktuellen Gewinns schauen, sondern auf die Frage, ob der Chipzyklus dauerhaft trägt.
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