GSK kauft Nuvalent und setzt Milliarden auf Lungenkrebs

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der britische Pharmakonzern GSK übernimmt das US-Biotechunternehmen Nuvalent für rund 10,6 Milliarden US-Dollar in bar. Für die Aktionäre von Nuvalent sieht die Vereinbarung einen Preis von 124 US-Dollar je Aktie vor. Das entspricht nach Unternehmensangaben einer Prämie von etwa 40 Prozent auf den letzten Schlusskurs. An der Börse reagierte die Nuvalent Aktie deutlich: Im US-Handel legte sie am Dienstag zeitweise um rund 39 Prozent zu und näherte sich damit dem Übernahmepreis.

Mit dem Schritt stärkt GSK sein Geschäft mit Krebsmedikamenten. Nuvalent entwickelt gezielte Therapien gegen bestimmte Formen von Lungenkrebs. Im Mittelpunkt stehen zwei Wirkstoffkandidaten, die sich bereits in einem fortgeschrittenen Zulassungsprozess in den USA befinden. Für GSK ist die Übernahme deshalb nicht nur ein Zukauf von Forschung, sondern auch ein Versuch, schneller in einem wichtigen Onkologie-Segment zu wachsen.

GSK bietet 124 US-Dollar je Aktie in bar

Nach der Vereinbarung will GSK alle ausstehenden Aktien der Klassen A und B von Nuvalent erwerben. Das Angebot soll innerhalb von zehn Geschäftstagen starten. Der Kaufpreis beträgt 124 US-Dollar je Aktie in bar. Insgesamt bewertet GSK die Transaktion mit einem Eigenkapitalwert von rund 10,6 Milliarden US-Dollar. Nach Abzug der übernommenen Barmittel beziffert der Konzern die tatsächliche Investition auf rund 9,4 Milliarden US-Dollar.

Der Abschluss ist noch nicht vollzogen. Er hängt unter anderem davon ab, dass eine Mehrheit der Nuvalent-Aktien angedient wird und die üblichen regulatorischen Bedingungen erfüllt werden. GSK rechnet mit einem Abschluss im dritten Quartal 2026. Danach sollen verbleibende Aktien im Rahmen einer weiteren Verschmelzung übernommen werden.

Nuvalent bringt späte Programme gegen Lungenkrebs ein

Nuvalent ist ein Biotechunternehmen aus dem Raum Boston und konzentriert sich auf zielgerichtete Krebsmedikamente. Besonders wichtig sind die beiden Programme Zidesamtinib und Neladalkib. Sie richten sich gegen bestimmte Formen des nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms, bei denen genetische Veränderungen wie ROS1 oder ALK eine Rolle spielen.

Beide Wirkstoffkandidaten befinden sich nach Angaben von GSK in den USA unter Prüfung der Arzneimittelbehörde FDA. Für Zidesamtinib nennt GSK den 18. September 2026 als Zieltermin der Behörde. Für Neladalkib wird der 27. November 2026 genannt. Eine Zulassung ist damit nicht garantiert. Sicher ist nur, dass die Programme weit genug fortgeschritten sind, um für GSK strategisch bedeutsam zu sein.

Zusätzlich übernimmt GSK mit Nuvalent auch NVL-330. Dieser Wirkstoffkandidat befindet sich in Phase-I-Studien und zielt auf HER2-veränderten nichtkleinzelligen Lungenkrebs. Hinzu kommt eine präklinische Pipeline weiterer Programme.

Warum der Deal für GSK strategisch wichtig ist

GSK baut mit dem Kauf seine Onkologie-Pipeline aus. Der Konzern bezeichnet die Übernahme als Mehrproduktgeschäft mit validierten Zielstrukturen. Gemeint sind Programme, die auf bekannte biologische Angriffspunkte setzen und zugleich bestehende Grenzen heutiger Behandlungen überwinden sollen.

Für GSK geht es dabei auch um künftiges Wachstum. Das Unternehmen erwartet, dass die Akquisition ab 2027 zum Umsatzwachstum beiträgt. Beim Kernbetriebsergebnis rechnet GSK ebenfalls ab 2027 mit positiven Effekten. Beim Kerngewinn je Aktie erwartet der Konzern den positiven Beitrag ab 2029. Für die Jahre 2026 bis 2028 stellt GSK dagegen eine niedrige einstellige prozentuale Verwässerung des Kerngewinns je Aktie in Aussicht, sofern die Transaktion im dritten Quartal 2026 abgeschlossen wird.

Finanziert werden soll die Übernahme vor allem über neue und bestehende Kreditlinien sowie Barmittel. GSK erwartet nach eigenen Angaben keine Auswirkungen auf das Kreditrating. Die Dividendenplanung für 2026 bleibt laut Konzern unverändert.

Nuvalent Aktie steigt nahe an den Übernahmepreis

Im US-Handel notierte die Nuvalent Aktie am Dienstag bei rund 123 US-Dollar. Damit lag sie nur noch knapp unter dem von GSK angebotenen Preis von 124 US-Dollar je Aktie. Der starke Kursanstieg zeigt, dass der Markt den vereinbarten Übernahmepreis weitgehend einpreist.

Für Anleger bleibt dennoch wichtig, dass die Transaktion formal noch nicht abgeschlossen ist. Das Übernahmeangebot muss zunächst starten. Danach müssen genügend Aktionäre ihre Aktien andienen. Zusätzlich sind regulatorische Bedingungen zu erfüllen. Solche Schritte sind bei großen Pharmaübernahmen üblich, können aber den Zeitplan beeinflussen.

Keine Gewissheit über Zulassungen

Trotz des hohen Kaufpreises bleibt Nuvalent ein Unternehmen mit klinischen Entwicklungsprogrammen. Die wichtigsten Wirkstoffe sind noch nicht zugelassen. GSK verweist zwar auf fortgeschrittene Daten und laufende FDA-Prüfungen. Eine positive Entscheidung der Behörde darf daraus aber nicht als sicher abgeleitet werden.

Für die Pharmabranche ist die Transaktion dennoch ein klares Signal. Große Konzerne setzen weiter Milliardenbeträge ein, um sich Zugang zu spät entwickelten Krebsmedikamenten zu sichern. Damit zeigt sich, dass zielgerichtete Therapien eine zentrale Rolle spielen.

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