SAP-Aktie steigt rund 40 Prozent vom Tief: Die Risiken bleiben

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die SAP-Aktie 2026 hat innerhalb weniger Wochen eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen. Nach einem Mehrjahrestief von 127,50 Euro am 23. Juli stieg der Kurs bis zum Xetra-Schluss am Freitag, 7. August, auf knapp 178 Euro. Das entspricht einer Erholung von rund 40 Prozent. Allein innerhalb der vergangenen Woche gewann das Papier gut zwölf Prozent, über 30 Tage waren es rund 29 Prozent. Am Freitag war SAP zudem der stärkste Wert im DAX. Trotz der Rally notiert die Aktie weiterhin deutlich unter den Höchstständen des vergangenen Jahres.

SAP bleibt eines der Schwergewichte im DAX

Mit einem Börsenwert von zuletzt rund 200 Milliarden Euro gehört SAP weiterhin zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Je nach Kurszeitpunkt lag die Marktkapitalisierung zuletzt bei etwa 197 bis 205 Milliarden Euro. Der Anteil am DAX bewegte sich Anfang August bei rund neun Prozent. Damit haben Kursbewegungen der Walldorfer auch spürbaren Einfluss auf den deutschen Leitindex.

Die Erholung ist umso auffälliger, weil SAP noch am 23. Juli auf 127,50 Euro gefallen war. Am vergangenen Freitag schloss die Aktie bei rund 178 Euro und legte an diesem Handelstag erneut deutlich zu. Zum 52-Wochen-Hoch von mehr als 250 Euro besteht allerdings weiterhin ein erheblicher Abstand. Auch seit Jahresbeginn liegt die Aktie trotz der jüngsten Rally noch im Minus.

Cloud-Geschäft wächst kräftig, Margen geben nach

Operativ lieferte SAP im zweiten Quartal vor allem im Cloud-Geschäft weiter hohe Wachstumsraten. Der Cloud-Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkurse betrug das Wachstum 24 Prozent. Besonders wichtig für den zukünftigen Umsatz ist der Current Cloud Backlog, also bereits vertraglich vereinbarte Cloud-Umsätze, die innerhalb der kommenden zwölf Monate erwartet werden. Dieser Bestand erhöhte sich um 27 Prozent auf 22,93 Milliarden Euro, währungsbereinigt waren es 26 Prozent.

Gleichzeitig zeigte sich Margendruck. Die IFRS Cloud-Bruttomarge sank von 74,7 auf 74,3 Prozent. Die bereinigte Cloud-Bruttomarge fiel von 75,2 auf 74,6 Prozent. Auch die operative Marge ging im Quartalsvergleich zurück. Nach IFRS sank sie von 27,2 auf 26,8 Prozent, auf Non-IFRS-Basis von 28,5 auf 27,8 Prozent. SAP begründete die schwächere Ergebnisdynamik unter anderem mit höheren Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Effekten aus Übernahmen.

SAP senkt Ergebnisprognose leicht

Für das Gesamtjahr erwartet SAP nun ein bereinigtes Betriebsergebnis von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro bei konstanten Wechselkursen. Zuvor hatte die Spanne bei 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro gelegen. Hintergrund sind vor allem die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs. SAP rechnet dadurch mit einem Ergebnisbelastung von mehr als 100 Millionen Euro.

Die übrigen zentralen Wachstumsziele ließ der Konzern unverändert. Der Cloud-Umsatz soll 2026 währungsbereinigt 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro erreichen, ein Wachstum von 23 bis 25 Prozent. Für Cloud und Software zusammen erwartet SAP 36,3 bis 36,8 Milliarden Euro. Der freie Cashflow soll bei etwa zehn Milliarden Euro liegen. Beim Gesamtumsatz erwartet das Unternehmen 2026 währungsbereinigt weiterhin ungefähr die Wachstumsrate des Vorjahres von 10,6 Prozent.

Bundeskartellamt beendet Vorermittlungen

Zusätzliche Entlastung kam zuletzt von den Wettbewerbsbehörden. Das Bundeskartellamt schloss seine Vorermittlungen gegen SAP am 30. Juli ab und leitete kein Missbrauchsverfahren ein. Ausgangspunkt waren Beschwerden unter anderem des Münchner Softwareunternehmens Celonis. Im Raum stand die Frage, ob SAP Wettbewerbern den Zugang zu Daten aus seinen ERP-Systemen erschweren und dadurch eigene Angebote, insbesondere im Bereich Process Mining, bevorzugen könnte.

Das Bundeskartellamt untersuchte dazu unter anderem die Bedingungen des Datenzugangs bei SAP-Kunden. Nach Abschluss der Vorermittlungen sah die Behörde derzeit keine ausreichenden Anhaltspunkte für ein missbräuchliches Verhalten. Die Entscheidung bedeutet keine generelle kartellrechtliche Freistellung für SAP, beendet aber die konkrete Vorprüfung.

EU-Verfahren endet mit verbindlichen Zusagen

Bereits im Juli war ein separates Wettbewerbsverfahren der Europäischen Kommission abgeschlossen worden. Dabei ging es nicht um Process Mining, sondern um Wartung und Support für lokal installierte ERP-Software. Die EU-Kommission hatte untersucht, ob SAP Kunden beim Wechsel zu anderen Wartungsanbietern behindert, Zahlungen für nicht mehr benötigte Software verlangt oder einen späteren Wiedereinstieg in den SAP-Support unnötig verteuert.

SAP machte daraufhin Zusagen, die von der Kommission für rechtlich verbindlich erklärt wurden. Kunden erhalten unter anderem mehr Möglichkeiten, Softwarelandschaften aufzuteilen und verschiedene Supportanbieter zu nutzen. Gebühren für die Wiederaufnahme des SAP-Supports werden abgeschafft, bestimmte nachträgliche Wartungsgebühren reduziert und die Berechnung von Wartungskosten flexibler gestaltet. Die Zusagen gelten nach Angaben der EU weltweit für zehn Jahre. Das Verfahren wurde damit ohne Feststellung eines Kartellrechtsverstoßes und ohne Geldbuße beendet.

SAP verschiebt Ressourcen in Richtung Künstliche Intelligenz

Parallel dazu richtet SAP seine Organisation stärker auf Künstliche Intelligenz aus. Anfang Juli bestätigte das Unternehmen Einschränkungen bei Neueinstellungen. Neue Stellen sollen sich vor allem auf ausgewählte Profile konzentrieren, insbesondere auf zentrale KI-Bereiche. Nicht notwendige interne Reisen außerhalb wichtiger KI-Projekte wurden ebenfalls eingeschränkt, außerdem sollen Ausgaben für externe Lieferanten überprüft werden.

Auch organisatorisch erhält das Thema mehr Gewicht. Seit der Neuordnung zum 1. Juli sind zentrale Produktbereiche rund um die Business AI Platform und die sogenannte Autonomous Suite enger an die Konzernführung angebunden. Vorstandschef Christian Klein übernimmt damit unmittelbar mehr Verantwortung für die KI-Strategie. Ein Schwerpunkt ist Joule, der KI-Assistent von SAP, der zunehmend in Unternehmensanwendungen eingebettet und um spezialisierte KI-Agenten erweitert wird.

Kritische NetWeaver-Lücke mit Sicherheitswert 9,9

Neben Wachstum, KI und Regulierung bleibt die Sicherheit der installierten Systeme ein wichtiges Thema. SAP veröffentlichte am 14. Juli ein Sicherheitsupdate für eine kritische Schwachstelle im NetWeaver Application Server ABAP. Die unter CVE-2026-44747 geführte Sicherheitslücke erreicht einen CVSS-Wert von 9,9 von maximal 10 Punkten und betrifft mehrere Versionen des SAP-Kernels.

Ein bereits authentifizierter Angreifer mit geringen Berechtigungen könnte Fehler in der Speicherverwaltung ausnutzen. Möglich wären dadurch unbefugter Datenzugriff, Veränderungen von Daten oder eine Beeinträchtigung der Verfügbarkeit des Systems. SAP stellte entsprechende Sicherheitsupdates bereit und empfiehlt Kunden grundsätzlich, sicherheitsrelevante Patches mit hoher Priorität einzuspielen.

Analysten liegen bei SAP weit auseinander

Die Bewertung der Aktie fällt bei den Analysehäusern entsprechend unterschiedlich aus. Goldman Sachs bestätigte nach den Quartalszahlen eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 215 Euro. Jefferies blieb ebenfalls bei „Buy“ und einem Ziel von 210 Euro. Berenberg hatte zuletzt ebenfalls eine Kaufempfehlung ausgesprochen und ein Kursziel von 215 Euro genannt.

JPMorgan blieb dagegen bei „Neutral“ und 175 Euro. Analyst Toby Ogg bewertete den starken kurzfristigen Cloud-Auftragsbestand positiv, verwies aber zugleich auf die Kosten möglicher zusätzlicher KI-Investitionen. UBS hielt zwar an einer Kaufempfehlung fest, nannte zuletzt jedoch ein Kursziel von 164 Euro. Besonders skeptisch positionierte sich die DZ Bank mit „Verkaufen“ und einem auf 120 Euro gesenkten fairen Wert. Ein zuletzt ausgewerteter Analystenkonsens lag bei knapp 198,50 Euro.

Nächste Quartalszahlen kommen im Oktober

Der nächste zentrale Termin für Anleger ist der 21. Oktober 2026. Dann will SAP die Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Im Mittelpunkt dürften erneut der Current Cloud Backlog, die Entwicklung der Cloud-Margen, der Fortschritt bei Business AI und Joule sowie die Auswirkungen der Übernahmen von Dremio und Prior Labs stehen.

Nach der rund 40-prozentigen Erholung vom Juli-Tief hat sich die Ausgangslage für die SAP-Aktie damit deutlich verändert. Das Cloud-Geschäft wächst weiter kräftig und regulatorische Unsicherheiten haben abgenommen. Dem stehen niedrigere Quartalsmargen, hohe KI-Investitionen und eine leicht reduzierte Ergebnisprognose gegenüber. Die genannten Kursziele und Einschätzungen geben ausschließlich die Bewertungen der jeweiligen Analysehäuser wieder. Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

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